Kleinkinder hüten verlernt

Meine Schwiegereltern haben drei Kinder groß gezogen, das jüngste hat kürzlich die Volljährigkeit erreicht. Da sollte man meinen, dass es kein Problem ist, ihnen ihre zweijährige Enkelin zu überlassen. Doch nun, da wir seit einigen Wochen wieder in ihrer Nähe wohnen, stellen wir das immer mehr in Frage – sogar mein Mann, der seine Eltern gerne bis aufs Blut verteidigt und alles irgendwie so nervenaufreibend „easy peasy“ betrachtet. Anfangs sagte er noch, wenn ich kritisch bemerkte, dass die Kleine dort immer viel zu viel Süßkram bekommt, dass wir ihr dann eben zwei Tage vor und nach dem Besuch bei seinen Eltern selbst nichts geben – na toll, was ist das denn für eine komische Logik? Inzwischen ist er von dieser Ansicht aber auch kuriert, nur sieht er das Ganze noch immer nicht kritisch genug, um etwas zu seinen Eltern zu sagen. Es wird bald der Tag kommen, da muss ich dann deutlich werden, und dann bin ich wieder die Glucke – was mir aber wirklich egal ist. Ein paar Beispiele:

Der Opa vom kleinen Cornflake, mein Schwiegervater, hat einen großen Vorrat Kakao im Trinkpäckchen gekauft. Da ist nicht mal Milch enthalten. Das ist nur Schokolade, Zucker und Wasser und so schmeckt das auch. So ein Päckchen kriegt sie bei jedem Besuch in die Hand gedrückt (kein anderer trinkt das halt…), obwohl ich bereits gesagt habe, dass ich das eigentlich nicht gut finde. Aber der Opa ist halt so stolz und will das seiner einzigen Enkelin gönnen… *augenroll*

Neulich lief das kleine Cornflake zum wiederholten Mal mit einem Löffelbiskuit herum, diese langen Kekse mit Zuckerschicht oben drauf und ich kommentierte, dass es jetzt vor dem Essen eigentlich nicht sein muss, dass sie den fünften Keks noch isst und da sagte der Opa ernsthaft, und der glaubte wirklich was er da sagt: „Ach, da ist doch kaum Zucker drin.“ …

Wir waren mit Geschwistern und Eltern meines Mannes auf einem kleinen Stadtfest, wo so Fressbuden und Spielbuden herumstehen. Der Opa hatte unser Kind die meiste Zeit auf dem Arm, hat sich dann aber ständig ungefragt von der Gruppe abgeseilt und ist mit ihr in die umliegenden Läden verschwunden. Das hat mich genervt, denn ich wollte zum Einen wissen, wo mein Kind ist und zum anderen soll sie ja Zeit mit allen verbringen und nicht nur mit dem Opa. Dann kam er einmal mit ihr aus dem Buchladen wieder und hatte ihr ein Peppa-Buch gekauft. Dieses Kind hat bestimmt 15 Peppa-Bücher, und so ohne Anlass ein großes Buch zu kaufen finde ich einfach falsch. Das weiß er auch. Er weiß, wie ich zu Geschenken ohne Anlass stehe. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er das nur macht, um mich zu provozieren, damit er seinen Gluckenspruch bringen kann. Ein anderes Mal kam er mit ihr aus dem Eisladen wieder und mein Kind hatte ihr allererstes Waffeleis in der Hand. Mal abgesehen davon, dass das wieder eine Zuckerbombe ist, und nicht die erste an diesem Tag für sie war, und mal abgesehen davon, dass sie viel zu klein ist, um ganz alleine ein riesengroßes Waffeleis zu essen, war das auch ihr aller erstes Waffeleis in ihrem Leben und es wurde mir genommen, diejenige zu sein, von der sie es zum ersten Mal bekommt. Das hat mich alles unglaublich geärgert. Und noch mehr geärgert hat mich, dass sie sich dann natürlich von oben bis unten eingesaut hat, die Kleidung, das Gesicht, die Hände, einfach alles hat geklebt – und dann hat er wie wild Fotos mit dem Handy geschossen. Er wartet nur darauf, dass sie mal so richtig schön kacke aussieht, denn, wie sagt er, „auch solche Fotos muss man haben!“ – haha, wie lustig. Nicht. Eines der verschmierten Eis-Fotos ist jetzt auch sein Whatsap-Profilbild und ich könnte jeden Tag im Strahl kotzen, wenn ich das sehe.
Später saßen wir dann an einer Pommesbude und haben Pommes gegessen (was die Tagesbilanz nicht verbessert hat aber eine ungesunde Sache wollte ich meinem Kind dann auch mal gönnen dürfen, Entschuldigung), da verschwand er plötzlich wieder ungefragt. Zurück kam er mit einer Capri-Sonne, die er ihr auch direkt unter die Nase hielt, wovon sie auch direkt was trinken sollte. Selbst Schwiegermutter kommentierte dann, dass er sie doch wenigstens mal essen lassen sollte, und ich kommentierte, dass das wieder nur was Süßes sei. Da antwortet er mir ernsthaft: „Ich wusste ja nicht, ob ihr was dabei habt“… nö, ist klar. Wenn ich einen ganzen Tag Ausflug plane, reicht es doch, wenn ich das Kind einpacke?! *augenroll*. Am Ende habe ich die ausgetrunken und das Kind war trotzdem happy mit seiner Wasserflasche.

Am Wochenende danach waren mein Mann und ich Motorrad fahren. Wir brachten die Kleine gegen 14 Uhr zu seinen Eltern und ich ging mit den Worten „Sie hat noch nichts gegessen, und getrunken hat sie auch wenig, hier steht ihre Wasserflasche!“ – als wir zurück kamen war es 17:30 Uhr. Das Kind hatte Kakaoflecken auf der Kleidung und vom Tag haben wir Fotos bekommen, auf denen sie Eis isst und von einer Bratwurst abbeißt (sie waren auf einem Markt mit ihr). Ich reichte meinem Kind die Flasche und es leerte sie fast komplett in einem Zug…. !! Und als ich fragte, was sie gegessen hat, wurde das Eis verschwiegen und erklärt, dass ja gleich gegrillt wird. Wenn die Schwiegerfamilie grillt, dann gibt es Fleisch, Wurst und verschiedene scharfe und/oder knoblauchhaltige Soßen. Das war’s – kein Gemüse, kein Salat, kein Brot … mein Kind hat zum Glück nicht viel essen wollen und zu Hause dann noch mal richtig Abendbrot mit uns gegessen. Hatte ja auch Hunger, denn seit dem Frühstück und dem Bissen Bratwurst waren immerhin locker neun Stunden vergangen.

Mich nervt das einfach, dass die da nicht so drauf achten. Wenn das alles „mal“ der Fall wäre, dann wäre das überhaupt kein Thema. Natürlich darf mein Kind Bratwurst und Eis essen, es darf auch ekligen Kakao trinken – wenn vernünftige Mahlzeiten eingehalten werden, also regelmäßig normal gegessen wird und die Tagesbilanz am Ende stimmt. Dann kann es auch mal ein Stück Schokolade mehr sein, so ist das halt bei Oma und Opa. Aber sie sind wirklich absolut gar nicht dafür sensibilisiert, dass ein Kind mit Bratwurst und Eis nicht ausreichend gut ernährt ist und dass vor allem ein Kind, das um 8 Uhr gefrühstückt und um 14 Uhr ein Eis gegessen hat, nicht bis abends um 18 Uhr mit der nächsten ordentlichen Mahlzeit warten kann.

Die Kleine wird dort wirklich regelrecht mit Zucker und schlechten Sachen vollgestopft, weil sie sich so freuen, wenn sie sich freut. Und sollte sie jemals dort übernachten, so habe ich nach aktuellem Stand das Gefühl, dass wir ihr Essen in verschiedenen Boxen mitgeben müssen, die mit der Uhrzeit beschriftet sind, zu der sie sie essen soll. Und am Ende würde ich kontrollieren, ob das alles gegessen wurde. Ich weiß mir anders nicht zu helfen, außer, dass sie die Kleine eben erst für länger ohne unsere Aufsicht bekommen, wenn ich sicher gehen kann, dass das funktioniert. Ich meine… als wir umgezogen sind, haben wir die Kleine abends zum Opa gebracht, der mit ihr Abendbrot essen und sie ins Bett bringen sollte. Einschlafen hat gut geklappt, aber zum Abendbrot bekam sie eine Banane und die Zähne hat er ihr auch nicht geputzt.

Ich komm mir doch aber auch bescheuert vor, wenn ich Dreifacheltern aufschreiben muss, wann ein Kind etwas essen muss und dass ihm abends die Zähne geputzt werden müssen…

So ein paar andere Dinge sind da auch noch gewesen, die nicht zum Thema Ernährung gehören, aber die man unter „Verrücktheit überstolzer Großeltern“ verbuchen kann. Zum Beispiel hat der Opa ihr in seinen kleinen Garten jetzt ein riesiges Spielhaus mit Rutsche und Schaukel zum Reinklettern gestellt. Dafür ist sie noch viel zu klein, aber mit etwas Hilfe kann sie schon runter rutschen und findet es natürlich super – sein Geld, sein Garten, sein fehlender Platz, und er selbst assistiert ihr beim Klettern und Rutschen – bitte.

Auf dem Markt, auf dem sie mit dem kleinen Cornflake allein waren, haben sie sie in ein Kinderkarussell gesetzt – alleine! Sie ist natürlich noch nie in so etwas mitgefahren und am Ende musste die Oma den Betreiber auch bitten, das Karussell anzuhalten, damit sie sie wieder raus holen kann. Zum Glück war ich nicht dabei und habe das erst mitbekommen, als wir schon wieder bei uns zu Hause waren und die beiden nicht in Anbrüll-Nähe. Wie kann man nur… die sind irgendwie um mindestens zwei Jahre zu voreilig mit ihren Aktionen. Gebt denen doch bitte einfach mal ein fünfjähriges Kind, mit dem können die wenigstens einigermaßen was anfangen.

Oder auch toll: zu diesem Markt sind sie mit unserem Auto gefahren, denn wir waren ja mit dem Motorrad unterwegs und bei uns war der Kindersitz der Kleinen halt eingebaut. Das hat den Opa aber genervt und er kommentierte das mit den Worten: „Na, da muss ich mal irgendeinen billigen gebrauchten Kindersitz kaufen für unser Auto!“ – ihr könnt die Panik in meinem Gehirn vielleicht fühlen, wenn ihr bedenkt, dass er ja immer macht, was ihm gerade in den Sinn kommt, ohne Rücksicht auf Verluste oder auf ihr Alter und ohne auch nur auf die Idee zu kommen, dass so etwas mit uns abgesprochen werden muss.

Wenn ich sowas höre, dann kann ich unsere Tochter einfach nicht guten Gewissens mit denen alleine lassen, so leid mir das tut.

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8 Gedanken zu „Kleinkinder hüten verlernt

  1. Du könntest mal eine Schälchen nehmen und denen die Portion Zucker abwiegen, die da in so einem Trinkpäckchen oder in 5 Löffelbiskuits drin ist… Und sie dann fragen, ob sie denn jetzt einen Esslöffel Zucker einfach so essen würden. Wenn sie dann ja sagen, dann kannst du denen das mal hochrechnen. Wenn das kleine Cornflake mit ihren zehn, zwölf Kilo (?) 20g Zucker zu sich nimmt, wär das, als wenn ein 80 Kilo schwerer Mann 160g Zucker auf einmal isst. Ob er das tun würde. Wenn er dann nein sagt, versteht er es vielleicht… Miss denen das echt mal ab, die verstehen erst, wie viel 20g Zucker sind, wenn sie das sehen.
    Gerade dein Mann als Koch müsste da viel mehr hinter dir stehen. Der weiß doch auch, was für ein Scheißdreck in solchen Lebensmitteln ist. Kakao ohne Milch… man man man… Und er sollte eben auch mal seinen Eltern Einhalt gebieten und dich verteidigen, wenn die dich wieder als Glucke bezeichnen.

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  2. Hm, das würde mich auch ärgern, vor allem, wenn man Sachen auch schon mehrmals angebracht hat. Ich kenne das ja auch von meiner Mama (ähnliche Sachen), es hat sich aber gebessert und ich sag auch oft, dass der Arzt irgendwas gesagt hat (z. B. Zahnarzt wegen Süßgetränke). Vielleicht lässt es bei euch auch nach, sie hatten ja bisher nicht so viel von ihrer Enkeltochter und wollen sie jetzt richtig verwöhnen?
    Meine Schwiegereltern sind übrigens das genaue Gegenteil – ständig haben sie vor allem Schiss (das Kinder irgendwo runterfallen, an irgendwas ersticken) und sie erziehen auch ständig rum, auch in meinem Beisein und wenn ich sie schon selbst ermahnt habe. Das nervt auch voll.

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          1. Also bei sowas wie das erkennen vermeintlicher Gefahren sagt mein Mann schon was – es ist auch echt total übertrieben. Alle Ecken schützen, alle Schubladen verschließen (Kind könnte sich schließlich Topf auf den Fuß werfen) und neulich hat sie sogar die Hyazinthen aus meinem Frühlingstopf gepflückt, weil die ja sooooo giftig sind. Die stehen im Eingangsbereich, da sind die Jungs eh nie allein und außerdem müssten die schon ne große Menge davon essen… Sie hat auch vor einigen Wochen einmal die Kids von Kindergarten geholt – die Erzieherin gab ihr Klamotten mit, weil der Mini (da hatte er noch Windeln) rausgekackt hatte, da der Stuhl nicht ganz fest war. Das war so zwei, drei Wochen nach unserer Magen-Darm-Erkrankung und ich hab danach erfahren, dass sie voll den Auflauf veranstaltet hat (Jetzt hat er schon wieder Durchfall, das ist doch nicht normal…) – dabei war es nicht Durchfall, aber sie hielt uns daraufhin einen Vortrag … sobald sie mitbekommt, dass einer krank ist, rennt sie zur Apotheke und kommt mit Globuli an und ist dann beleidigt, weil ich das ablehne.
            Und gestern liefen wir Mittags mit den Schwiegereltern zu einem Biergarten und ständig hat sie den Mini so hysterisch angeschrien – Warte, Geh auf die Seite blabla … obwohl ich ihm das jeweils schon selbst gesagt habe und er bereits auf mich hörte. Aber ich schrei halt nicht immer gleich so rum, anscheinend denkt sie dann, ich setze mich nicht durch oder mir isses egal.

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            1. Da würde ich sie wirklich das nächste Mal in ihrer Tonlage anblaffen, dass sie bitte deine Kinder nicht so anschreien soll. Vielleicht hilft der Klartext dann auch mal. Oder mal Kontakteinschränkung androhen und zwei Tage nicht ans Handy gehen… *teufelsmilie*

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