Unser großes Kleinkind…

… ich kann es nicht fassen, dass das kleine Cornflake schon 2 Jahre alt ist.

Ihr würdet staunen, wie gut sie die Veränderungen durch den Umzug wegsteckt, mit denen sie konfrontiert ist: neue Wohnung, neue Umgebung, ständig neue Menschen, neuer Kindergarten, und durch ihre Entwicklung bedingt, die in immer mächtigeren Schritten voranzuschreiten scheint, auch neue Schlaf- und Essgewohnheiten – das will alles erst einmal verdaut sein. Und so wie es scheint, tut unser Schlechtschläfer-Kind dies in der Nacht, denn in den fünf Wochen, die wir nun schon in der neuen Heimat wohnen, ist sie erst in zwei Nächten jeweils einmal kurz aufgewacht und all die anderen Nächte hat sie von abends 19 / 20 Uhr bis morgens durchgeschlafen! Auch das kann ich kaum fassen, und noch immer lege ich nachts Socken und Bademantel bereit, um nicht zu frieren, falls ich in der Nacht an ihrem Bett sitzen muss, so wie ich es ja bisher immer gewohnt war.

Neuerdings will sie auch nicht mehr im Arm gehalten werden beim Einschlafen. Dieses Thema war hier zuletzt auch ein wirklich großes Problem, denn sie wurde mir einfach viel zu schwer, auch wenn ich mich schon möglichst so mit ihr hingesetzt habe, dass die Arme entlastet werden. Nun will sie immer direkt ins Bett. Und die neuste Errungenschaft seit dieser Woche ist (allerdings noch im Testlauf), dass wir das Zimmer verlassen können, obwohl sie noch wach ist. Dann quatscht sie noch ihre 15 bis 30, in Spitzenzeiten sogar mal 40 Minuten, schläft dann aber allmählich von alleine ein. Wir hoffen, dass sie sich daran gewöhnt, und dann bald schneller einschläft. Solange sie nicht weint, gehen wir auch nicht wieder rein. Bisher klappt das erstaunlich gut.

Die neue Kinderärztin hier ist auch super klasse. Wir mussten mit dem kleinen Cornflake zur U7 und haben bis nach dem Umzug abgewartet in der Hoffnung, dass der neue Dorf-Kinderarzt besser ist als der alte Stadt-Kinderarzt. Der Berliner Arzt ist zwar kompetent, hat aber das Wartezimmer wahnsinnig voll und winkt die Kinder immer alle nur so durch. Er checkt zwar alles, nimmt dabei aber ab-so-lut keine Rücksicht auf die Kinder. Das kleine Cornflake hat bei den vergangenen U’s immer komplett durchgebrüllt, was er gelassen ertragen hat, ohne dabei auf sie einzugehen. Einfach durchgezogen, nächster bitte. Da konnte ich das Kind noch so gut drauf vorbereiten, wenn er mit ihm gar nicht agiert, nicht mal hallo sagt sondern direkt los legt, dann ist es für das Kind halt einfach doof und unangenehm, zumal mein Kind eines ist, das immer noch eine gewisse Auftauzeit benötigt. Die neue Kinderärztin war so, wie ich es mir gewünscht habe: super lieb, super einfühlsam und super kompetent. Sie hat nicht nur mich, sondern auch die Kleine begrüßt und ihr alles, was sie zur Untersuchung benutzt hat, vorher in die Hand gegeben. Das kleine Cornflake durfte sich sogar das Abhörteil vom Stethoskop alleine an den Bauch halten und sich selber in den Mund leuchten – das fand sie super! Sie hat der Ärztin ihre Fragen gerne beantwortet („Und weißt du auch schon, wo dein Bauch ist?“), nur ihren Namen wollte sie nicht sagen, obwohl sie den weiß 😉 Zu Hause quatscht das Kind wie ein Wasserfall und kriegt manchmal sogar einen Keks, damit man mal eine Minute lang nicht vollgequatscht wird, und bei der Kinderärztin musste man ihr die Einzelvokabeln aus der Nase ziehen, schade 😉 Und dabei erzählt sie von sich meistens als „ich“, kann die Mehrzahl bilden, wenn auch nicht immer korrekt, und vor allem habe ich seit einigen Tagen bemerkt, dass sie sich selbst korrigiert, wenn sie etwas falsch sagt, z.B. „Mama? Ich geschleeft… geschlafen!“. Viele Dinge sagt sie auch, ohne dass wir wissen, woher sie das hat, zum Beispiel sagt sie, wenn wir sie fragen, ob sie etwas haben möchte: „Ja, gern!“, allerdings antwortet sie genauso dann auch „Nein, gern!“, was uns immer wieder zum lachen bringt, aber auch verbessert wird. Ich glaube, dass dieses „liebevolle Verbessern“ wirklich effektiv ist, weil sie die Dinge dann auch sehr schnell umsetzt. Gut beobachten kann man bei ihr, dass man ihr ein Wort beibringt, das dann zwei Tage nicht verwendet wird und dann plötzlich im alltäglichen Standardsprachgebrauch aufgenommen ist und plötzlich immer wieder auftaucht. Leider schließt das auch Dinge ein, die man aus Versehen sagt. Neulich plantschte sie in der Stadt durch eine Pfütze und als ich irgendwann mal weiter gehen wollte, bat ich sie, endlich mitzukommen, und dann schob sie mich von der Pfütze mit beiden Händen ein Stück weg und sagte: „Nein, Mama, geh ab!“ :O „Geh ab!“ sage ich manchmal zum Kater, wenn er mich nervt… Außerdem muss der Papa sich jetzt manchmal gefallen lassen, dass er von seiner Tochter als „Eierkopf“ bezeichnet wird, weil er das einmal aus Spaß in einem unbedachten Moment zu ihr gesagt hat, als sie mal irgendwelchen Quatsch gemacht hat. So ist das halt, die kriegen alles mit 🙂 Die Kinderärztin wollte auch wissen, ob sie schon Sätze mit mehr als zwei Wörtern spricht und da musste ich ein bisschen lachen. Das kleine Cornflake spricht ganze Sätze unterschiedlicher Länge, eben je nachdem, was sie gerade erzählen möchte. Heute Morgen erklärte sie mir zum Beispiel: „Mama, neue Schuhe doof, alte Schuhe besser, ich möchte alte Schuhe anziehen, bitte!“ oder beim Einschlafen: „Nicht rausgehen, Mama, bitte hierbeiben, kann besser schlafen!“. Sehr süß ist es auch, wenn sie weint, denn dann sagt sie weinend: „Oooh, Neni weint, Neni Schnulli haben! Neni muss Schnulli haben, schnell!“ … dazu muss ich allerdings sagen, dass wir ihren Schnullerkonsum auf Nur-beim-Schlafen reduzieren mussten, weil sie seit Monaten eine Schnullerdermatitis hat, die wir echt nicht in den Griff kriegen, so dass das Ding nun an Begehrtheit gewonnen hat.
Dennoch erfindet sie auch lustige Wörter, die wir zwar verbessern, aber die sie auch noch falsch sagen darf, weil sie schwer sind. „Stumpfhose“ zB ist bei ihr „Bumpfe“, weil Strumpf = Bumpf. „Schokolade“ ist „Totelade“, weil sie mit dem „Sch“ noch Probleme hat. Das „Sch“ wird immer durch S oder T ersetzt, oder einfach weggelassen. Schnulli = Nulli, schön = sssön, allerdings ist mir aufgefallen, dass sie „schieben“ (den Kinderwagen)  und „naschen“ (die Totelade) richtig sagt. Sehr komisch 😉 „Komisch“ spricht sie übrigens aus wie „pomiss“ und sagt das auch immer in so einem fragenden, sehr belustigten Tonfall. Gestern beim Einkaufen hat sie lauthals alle Dinge aufgezählt, sie neben uns auf dem Kassenband lagen und hat damit den ganzen Laden unterhalten, weil sie mir auch erklärt hat, was von den Dingen auf dem Kassenband sie dann gleich „im Auto naschen“ möchte.

Sie kann jetzt aus dem Stand springen, was neu ist, und seit sie das entdeckt hat, will sie immer überall runter springen und aufgefangen werden. Sehr beliebt sind gerade die Spiele Fangen und Verstecken. Das Versteckspiel versteht sie auch allmählich einigermaßen. Sie hält sich immer die Augen zu, zählt bis 11 (und vergisst dabei konsequent die 2, denn beim Aussprechen klingt 2 und 3 bei ihr gleich, weshalb sie wohl meint, das sei das selbe…?), ruft dann „POMME!“ und dann sucht sie uns. Wenn sie sich selbst versteckt, dann muss man nur ihrem aufgeregten Gekicher folgen und braucht man zu lange, dann kommt sie von alleine wieder raus, weil sie es nicht mehr aushält, und ruft „Buh!“ 🙂
Beim Fangenspielen tippt sie einen völlig ohne Kontext mit dem Zeigefinger an, ruft „Du bist!“ und rennt kreischend weg. So mitten im Einkaufsladen kann einen das schon mal dezent überrumpeln. Manchmal tippt sie auch die Katzen im Vorbeigehen an, schreit „Du bist!“ und rennt vor ihnen weg – nur kommen die nicht hinter ihr her. Umgekehrt geht das schon besser: gestern rannte sie mit ausgestreckten Armen hinter unserer Katze her, „Fange dich!“, „Hab dich gleich!“, während die Katze weisungsgemäß vor ihr her rannte.

Lange Haare hat sie auch bekommen und dazu am Hinterkopf so richtige Telefonkabellocken. Da kommt sie nach dem Papa. Man kann ihr schon richtige Zöpfe machen oder einen flechten, doch das hasst sie. Da kommt sie nach der Mama.

Den neuen Kindergarten besuchen wir nun seit Anfang April und die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell klappt super gut. Sie weint immer ein kleines bisschen, wenn ich gehe, kommt dann aber schnell ins Spiel zurück und ist immer irgendwie am Spielen oder Lachen oder irgendwomit beschäftigt, wenn ich wieder komme. Ich glaube, mir fällt die Eingewöhnung schwerer. Ich habe ein unnötig kritisches Auge auf die Erzieher, würde sie am liebsten auf allen Mist ansprechen, lasse es aber und orientiere mich am Verhalten meiner Tochter. Sie lässt sich auf den Arm nehmen, zum Spiel animieren, sich beruhigen von den Erziehern und hat schon die Namen einiger anderer Kinder drauf. Woran ich mich absolut nicht gewöhnen kann sind zwei Dinge. Zum einen muss ich jetzt immer eine Frühstücksbox machen und für später auch eine Nachmittagssnackbox. In Berlin hat alles die Kita gestellt und nun muss ich das selber machen. Ich hasse es, in irgendwas so diszipliniert sein und täglich daran denken zu müssen 😉 Das nervt. Außerdem bin ich echt unkreativ – was packt ihr euren Kindergartenkindern alles in die Frühstücksbox?
Was mich außerdem stört ist die irgendwie kühle Atmosphäre. Zwischen Erziehern und Eltern ist es wesentlich weniger herzlich als wir es aus Berlin kennen. Der erste Unterschied ist schon einmal, dass Erzieher und Eltern sich siezen. Das finde ich doof, denn man vertraut diesen Leuten doch sein aller Wertvollstes an und das Duzen schafft die nötige Vertrautheit, finde ich. Auch verabschieden die Eltern sich an der Garderobe draußen vor der Tür. Der Gruppenraum wird dann geöffnet und die Kinder nur schnell durch die Tür geschoben, weil die Eltern nicht mit in den Gruppenraum hinein gehen sollen. Weint ein Kind an der Tür, wird es dort von einer Erzieherin abgeholt, ansonsten machen die Eltern ihren Kindern die Tür quasi wieder vor der Nase zu… das finde ich merkwürdig und hat was von „schnell abschieben“. Mal sehen, was ich da machen kann, denn ich will das nicht so machen. In Berlin habe ich die Kleine immer einem Erzieher direkt übergeben und immer noch mal kurz ein paar Worte geschnackt, auch wenn beide Seiten eigentlich nicht die Zeit dazu gehabt hätten.

Die alten Erzieher aus Berlin haben für das kleine Cornflake ein Video aufgenommen, wo sie ein Foto von ihr hoch halten und mit allen Kindern zusammen ein Geburtstagslied singen und das haben sie uns dann geschickt – das war soooo süß und ist wirklich nichts, was ich von diesem Kindergarten hier erwarten würde. Hier wird den Geburtstagskindern nur während des Morgenkreises ein kleines Lied gesungen und das war es. Man muss zwar nicht immer gleich ne riesen Party feiern, aber irgenwie hat das sowas von Abfertigung. Vielleicht sehe ich das aber auch einfach zu eng und sollte nicht so viel vergleichen.

Ansonsten genießen gerade alle die neu gewonnene Nähe zur Familie. Wir waren schon sehr oft bei allen Omas und Opas zu Besuch, zum Geburtstag der Kleinen war auch mein Teil der Familie etwas präsenter und nicht nur die übliche Horde von meinem Mann, die sich immer ungefragt zu allem selbst einlädt, was ich nun auch mal ganz schön fand. Wir sind auch schon eine Runde Motorrad gefahren, mein Mann und ich, während die Kleine bei seinen Eltern geblieben ist und wir haben auch schon andere Ausflüge gemacht, bei denen wir die Oma als Babysitter zu uns gebeten haben, und genauso wollten wir das auch. Bis die Kleine allerdings bei ihnen schlafen kann, wird noch etwas Zeit vergehen müssen, denn die Großeltern müssen erstmal wieder sensibilisiert werden für die richtige Ernährung und die richtigen Schlafenszeiten – das haben sie vor lauter Euphorie irgendwie nicht im Blick. Darüber schreibe ich morgen mal einen separaten Eintrag.

Für heute soll es das gewesen sein 🙂

 

 

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2 Gedanken zu „Unser großes Kleinkind…

  1. Wahnsinn, wie sie sich seit deinem letzten Eintrag wieder entwickelt hat. Das klingt so süß, was sie alles von sich gibt.
    Ich hatte vor einiger Zeit mal nen Eintrag über die Pausenbox gemacht, ich schick mal nen Link.

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