Freitags-Füller

Heute mache ich mal den Freitags-Füller von Barbara mit, weil ich einfach nicht weiß, wo ich sonst anfangen soll und mir der Füller eine Möglichkeit gibt, all die Dinge in Reihenfolge zu bringen, die mir gerade so durch den Kopf gehen.

1. Die Kombination aus einer alles überdramatisierenden Tante, die sich um deine Mutter kümmern möchte, und einer kranken, aber alles total runterspielenden Mutter, die möchte, dass sich überhaupt niemand um irgendwas kümmert, ist wirklich nervenaufreibend. Gestern hatte meine Mutter einen MRT Termin und dabei kam heraus, dass eine wichtige Arterie mehrfach verengt oder verstopft ist und am kommenden Mittwoch steht ihr eine OP bevor. Meine Tante ruft mich an und nervt damit, dass jetzt alles bürokratische geregelt werden, Sachen bei der Pflegeversicherung angefragt und Dokumente bei der Krankenkasse besorgt werden müssen, dass jemand einen Schlüssel zu ihrer Wohnung braucht, dass sie für sie Reha ordentliche Schuhe benötigt und dass sie eine Patientenverfügung unterschreiben muss. Meine Mama jedoch erzählte nur, das sei ja alles halb so wild und nach zwei Wochen Krankenhaus würde sie noch gemütlich in die Reha fahren und dann sei alles wieder so wie immer. Nach diversen Telefonaten ist der Mittelweg die Wahrheit: meiner Mutter steht eine lebensbedrohliche OP bevor und sie wird danach eine gewisse Zeit lang eine gewisse Art von Pflege benötigen, ihren Alltag also nicht alleine stemmen können. Sie spielt es runter, was ich verstehen kann, denn sie hat Angst.

2.  Mein Bruder verlässt sich wie immer darauf, dass irgendwer schon alles regelt. Er hat dankbar akzeptiert, dass meine Tante sich vor Ort um unsere Mutter kümmert und ich den bürokratischen Teil von Berlin aus regle und er selbst ist in der ganzen Situation total überflüssig.

3.  Pizza mit irgendwas drauf wird meine Mutter lange nicht mehr sehen. Nach der OP wird sie beatmet und in ein künstliches Koma versetzt und wenn das alles gut geht, dann hoffentlich direkt einen Platz in der Reha bekommen (wir sind gerade am telefonieren wie blöd, damit das klappt und wir nicht noch warten müssen, bis ein Platz frei wird, denn dann muss sie zwischen Krankenhaus und Reha irgendwie zu Hause betreut werden…

4.  Das wäre dann mehr als ungemütlich. Mein Bruder und ich sind zu weit weg und zu eingespannt, um ihr jeden Tag helfen zu können, meine Tante ist nicht mehr so jung und hat selbst erst einen Bandscheibenvorfall gehabt, verheiratet ist sie nicht, dass sich sämtliche Freunde zur Unterstützung da die Klinke in die Hand geben will sie nicht und so müsste dann eben spontan noch eine Pflegekraft von der Krankenkasse organisiert werden. Am Montag muss ich bei ihrer Krankenkasse anrufen und mich informieren, wie sowas geht, wie man das beantragt, was die alles brauchen und was um Himmels Willen ich da so alles machen muss. Ich hab‘ doch keine Ahnung von dem Zeug…

5.  Ich sag besser nicht, dass mir das alles zeitlich gar nicht in den Kram passt. Wir ziehen doch in genau drei Wochen von Berlin die 350 km in die Heimat. Hier herrscht das pure Chaos und ich habe auch so schon genug zutun. Hätte das Universum mit einer so schwierigen, langfristigen und bedrohlichen Geschichte nicht noch diese drei Wochen warten können, bis ich vor Ort bin? Ich kann hier im Moment einfach nicht weg, weil ich das Kind nicht mit nehmen kann und es auch nicht hier lassen kann, weil der Papa arbeiten muss und sie hier dann niemand zur Kita bringen und von dort abholen kann. Ganz abgesehen davon, dass ich ja auch noch arbeiten muss und hier ein großer Umzug zu regeln ist. Es wächst mir gerade alles über den Kopf, aber mein schlechtes Gewissen, weil ich meiner Mutter nicht persönlich beistehen kann, ist ziemlich groß. Das sind auch alles Dinge, mit denen ich mich erst in 20 Jahren befassen wollte.

6.   Dass Olympische Winterspiele offensichtlich gerade im Gange sind, geht mir sowas von am Arsch vorbei. Die Welt steht irgendwie still.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf Ruhe, nachdem ich die letzten zwei Stunden mit meiner Tante, meinem Bruder und meiner Mutter über den spekulativen Tod meiner Mutter sinniert habe, morgen habe ich geplant, einfach mit meinem Kind raus in die Sonne zu gehen und Sonntag möchte ich noch einmal in Ruhe mit meiner Mutter und meiner Tante zusammenfassend über alles sprechen, was jetzt noch zu tun ist!

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4 Gedanken zu „Freitags-Füller

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