Fahrstunde Nr. 3

Letzte Woche habe ich von meinen ersten beiden Wiedereinstiegs-Fahrstunden berichtet und heute hatte ich meine dritte Fahrstunde.

Mein Fahrlehrer schickte mich, wie in den ersten beiden Stunden, von einer Spielstraße in die nächste, wo ich mit Schrittgeschwindigkeit oder langsamer („Sie brauchen keine Pedale, gehen Sie von der Kupplung, das Auto fährt allein…“) dahin dümpelte. Wir quetschten uns an Lieferwagen vorbei, ich achtete auf Radfahrer, die aus Einfahrten geschossen kamen, übersah ein Sackgassenschild und musste dann zur Strafe 😉 das Wenden üben – dachte er jedenfalls, denn Wenden hatte ich drauf. Dann ließ er mich rückwärts einparken, was auch gut klappte – dachte ich. Ohne Rangieren fuhr ich in einem Zug direkt und gerade wie eine Eins in die Parklücke und dachte, dass ich es ihm jetzt voll gezeigt hätte.

Und dann verplemperten wir eine geschlagene Viertelstunde damit, über das Lenken zu sprechen. Zum Einen wollte er nicht, dass ich obenherum greife, wenn ich lenke, sondern dass ich die Hände immer am unteren Rand des Lenkrades belasse und immer „nachschiebe“, statt einen großen Griff zu machen und das Lenkrad oben herum zu ziehen. Er fragte mich dann, wie viele Lenkradumdrehungen eine Servo-Lenkung maximal schafft. Wenn ihr also ein Auto mit Servolenkung habt, überlegt mal: wie viele Umdrehungen könnt ihr mit dem Lenkrad in eine Richtung maximal machen? Ich wusste es nicht, er ließ es mich ausprobieren. Daraufhin kam ich zu dem Schluss, dass das Greifen von oben nicht nötig ist, weil man es locker auch mit minimaleren Bewegungen schafft. Er stellte dann die Räder schräg und ließ mich zwei, drei Mal raten, wie viele Umdrehungen ich jetzt machen muss, damit die Räder wieder gerade stehen und ich kam mir vor wie damals im Matheunterricht in der 7. Klasse, wenn ich an die Tafel musste, um irgendwas vorzurechnen. Dann durfte ich mir noch einen Vortrag darüber anhören, wie schädlich es für das Auto ist, wenn man im Stand lenkt und ich solle doch bitte immer minimal anfahren und erst anschließend lenken.

Außerdem hatte ich beim Einparken keinen Blinker gesetzt und auch nicht beim Rausfahren aus der Lücke. Ich fasse zusammen: ich dachte, ich kann super einparken, war ganz stolz, dass wenigstens das funktioniert und war danach dann richtig niedergeschlagen, weil ich sogar zu doof zum Lenken bin.

Ich bin dann einmal eine dreispurige Straße mit ihm gefahren, vielleicht 10 Minuten lang und die rechte Spur war alle paar Ampeln lang zugeparkt, so dass ich den ein oder anderen Spurwechsel machen muss und dabei habe ich auch richtig was für mich mitgenommen. Er hat mich darauf gebracht, dass ich es immer darauf anlege, den neben mir Fahrenden vor zu lassen, wenn ich auf seine Spur wechseln will, dass ich also immer darauf warte, hinter jemandem einscheren zu können und das sei erstmal grundsätzlich die falsche Denkweise, denn bis der so weit weg ist, dass ich einscheren kann, hat sich schon der nächste Wagen dahinter angestellt und deshalb muss ich mutiger sein, mehr Gas geben und viel mehr darauf achten, was hinter mir passiert. Er sagte ganz einleuchtend, dass ich viel zu sehr auf das achte, was ich sehe und viel zu wenig auf das, was ich nicht sehen kann.

Nach der Fahrstunde hatte ich dann wieder auf dem Hof eingeparkt und er kam noch einmal auf eine Spurwechsel-Situation zu sprechen, bei der ich eingeschert war, aber nicht genug Gas gegeben hatte, so dass der hinter mir leicht ausgebremst wurde. Das fand ich auch ganz gut, dass man das nochmal durchdenken konnte. Ich hab dann versucht, anzudeuten, dass es mir sehr viel bringt, in solche Situationen zu kommen und dass es mir weniger bringt, fahrzeugtechnisch ins Detail zu gehen. Damit wollte ich ihm zu verstehen geben, dass es mich einen Scheiß interessiert, was im Motor passiert, wenn ich die Kupplung trete oder wie ich jetzt herausfinde, ob ich die Räder mit einer halben oder einer dreiviertel Umdrehung wieder gerade kriege. Er argumentierte dann, dass man das Auto schon beherrschen muss, wenn man sicher im Straßenverkehr sein will. Dazu habe ich dann nichts mehr gesagt, denn grundsätzlich hat er natürlich Recht. Speziell in diesem Fall auf meine 5 oder 8 oder 10 Fahrstunden bezogen macht das aber nicht viel Sinn. Mir ist mit technischem Wissen nicht geholfen.

Jetzt frage ich mich, ob ich weiter machen soll. Ich frage mich, ob es in einer anderen Fahrschule anders ablaufen würde oder ob ich mit falschen Vorstellungen an die Sache ran gegangen bin. Unterm Strich bin ich jedenfalls echt demotiviert und echt geknickt, weil ich mir vorkomme wie der letzte Idiot.

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16 Gedanken zu „Fahrstunde Nr. 3

  1. Ich meinte ja schon beim letzten Beitrag: Fahrlehrer wechseln! Meine Mama ist Jahrzehnte nicht Auto gefahren und hat Stunden genommen, weil sie etwas Shiss hatte wieder zu fahren. Der Fahrlehrer hat sie die ganze Zeit gelobt und viel weniger Fahrstunden veranschlagt als sie dachte. Sie meinte sie braucht so 3-4 und er meinte 2 reichen locker. Und er hat absolut nix technisches gefragt, dumme Ratespiele gemacht oder ähnliches. Sie ist einfach los gefahren und er hat sie auf die wichtigen Dinge (blinken etc.) aufmerksam gemacht. Wenn interessiert der technische Sch**?!? Ich weiß das auch alles nicht und kann gut Auto fahren…

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  2. Ich muss ja gestehen, dass es mir ein wenig schwer fällt, mich in Deine Situation reinzuversetzen, bestimmt weil ich mich doch eher zu den Vielfahrern zähle, ich habe auf jeden Fall schon >500.000 km hinter mir.
    Unabhängig davon sehe ich nur mäßig viel Sinn in Ratespielen bzgl. der nötigen Lenkradumdrehungen, ich bin da eher der Meinung, dass man einerseits ja beim Fahren merkt, ob man weit genug lenkt und andererseit da und letztendlich auch beim Wendelkreis von Auto zu Auto sowieso Unterschiede bestehen. 5 minuten Slalomfahrt um solche Verkehrshütchen bringen da wohl mehr als all die Theorie, denn dabei bekommt man doch am ehesten das Gefühl für das Auto und die Lenkung.
    Sinn sehe ich eher darin, wenn er Dir sagts, dass Du das Blinken vergessen hast oder schneller beschleunigen sollst, das finde ich okay, denn das sind doch eher Sachen, die durch fehlende Praxis etwas „einstauben“.
    Mit dem technischen Wissen ist das so eine Sache: Klar ist manchmal ein wenig Verständnis der Materie angebracht, aber das muss man sicher auch nicht übertreiben.

    Wie das in anderen Fahrschulen wäre, fände ich ja auch interessant. VIelleicht gehen die aber auch so in den Urschleim, damit sie die Stunden vollkriegen… 😎

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            1. Das wäre aber nur für Dich besser. UNd da Du Dir garantiert bei Deinem eigenen Auto besonders viel Mühe geben wirst und es nicht kaputt machen willst, ist der Lerneffekt mit Deinem Auto wesentlich höher und die ganze Sache effektiver! 😎

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  3. Nicht den kopf hängen lassen. Mir passieren die Fehler auch noch. Wenn meine Mäneken neben mir sitzt, sagt er auch immer: du musst das Auto beherrschen, nicht das Auto dich. Wenn du gegen einen Baum fährst, musst du das Auto gegen den Baum fahren, nicht das Auto.
    Okay, wollen wir mal probieren? 🤣
    Ich bin beim Einfädeln auch noch zu langsam und wie viele Umdrehungen? Uff, ich weiß nie, wie nun die Räder stehen und fahre langsam an, um es herauszufinden 😅

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    1. Das erzählen mir viele, nahezu alle, dass sie die selben Dinge falsch machen oder nicht wissen wie ich. Das baut mich zwar auf, zeigt mir aber auch dass sich der Fahrlehrer nicht aufs wesentliche konzentriert bei mir.

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