Euphorie in der Planungsphase

Im Dezember hatte ich hier schon einmal darüber berichtet, dass unsere Pläne, die 350 km zurück in die Heimat zu ziehen, konkreter werden. Inzwischen sind sie richtig konkret geworden, ja sogar unumkehrbar. Ich wollte euch mal erzählen, was wir in Sachen „Großer Umzug mit Kind und Kegel“ bereits erledigt haben.

1. Mein Mann hat einen Arbeitsvertrag unterschrieben und seinen aktuellen Job als Souschef (stellvertretender Küchenchef) gekündigt. In seiner neuen Funktion ist er Betriebsleiter, also gleich um zwei Etappen befördert sozusagen und weil ihm vor allem eine Betriebskantine obliegt, wird er nur dann arbeiten müssen, wenn alle anderen Menschen auch arbeiten – werktags. Freie Wochenenden, freie Feiertage, gemeinsame Abendessen – das wird unsere Zukunft sein!

2. Ich hab’s inzwischen auch meinem Chef gesteckt und am Tag darauf dann auch die Kündigung abgegeben. Er findet es, so wie ich, total schade, ein super mieses Timing, akzeptierte aber, dass das Leben eben manchmal so spielt. Er sagte, dass er es bedauert, mich zu verlieren, dass er die Gründe aber absolut nachvollziehbar findet. Hoffen wir, dass er daran denkt, wenn er sich überlegt, ob er die Gratifikation, die das erste Weihnachtsgeld meines Lebens war, wieder zurückfordert.

Meiner Kollegin mit der Asi-Berlin-Schnauze, die fachlich kompetent aber irgendwie sozial inkompetent ist, sagte irgendwas von „schade“ und „deinen Job kann ja zum Glück jeder machen“ im selben Atemzug – da hat sich dann auch der Rest meines schlechten Gewissens spontan gelegt 😉

3. Der neue Mietvertrag ist unterschrieben – der Makler hatte uns bei der Besichtigung einen Stellplatz für unser Auto zugesagt, der angeblich dabei sei, wovon im Mietvertrag aber nicht mehr die Rede war. Nach nochmaligem Nachhaken stellte sich heraus, dass der Makler sich „vertan“ hat und weil wir alles längst gekündigt und keine Plan-B-Wohnung haben, mussten wir das nun zähneknirschend hinnehmen. Doof, denn die andere Wohnung, die noch zur Wahl stand, hatte einen riesigen Hof für gefühlte zwanzig Fahrzeuge. Um die Wohnung herum sind lauter Berufs- und Hochschulen und größere Firmen, ich bin also gespannt, ob die Parkplatzsituation nicht die selbe bleibt wie aktuell in Berlin, wo man abends gut und gerne fünf Mal um den Block fährt, bis man eine kleine Lücke findet.

Die alte Wohnung haben wir natürlich gekündigt. Wegen der Kündigungsfrist zahlen wir nun im März doppelt Miete. + Kaution + Umzug + Renovierungskosten – anteilige Gehälter = wolltihrgarnichtwissen…

4. Ich habe alle 12 Kitas, die es in dem Ort gibt, abtelefoniert. Die meisten sind voll oder nehmen erst ältere Kinder oder sowieso erst welche ab August. Einzig eine evangelische Kita stimmte mich positiv. Als ich unsere Lage der Kita-Leitung geschildert hatte, sagte sie nur: „Ja, also dann schicke ich Ihnen gleich mal das Anmeldeformular per E-Mail zu und wenn Sie dann in Ruhe hergezogen und angekommen sind, dann melden Sie sich, dann machen wir das Aufnahmegespräch“. Klingt erstmal wie eine Zusage, oder? Leider sind sowohl wir als auch das Kind konfessionslos und ich weiß nicht, ob das nicht vielleicht noch ein Hinderungsgrund auf den letzten Meters ist. Der Gesetzgeber sagt, nein, die Praxis jedoch sagt, dass die sicherlich genügend Alternativen haben, um ihre Plätze zu besetzen 😉 Schauen wir mal. Wir stehen noch auf weiteren Wartelisten.

Unseren Kitaplatz in Berlin kündigen wir dann zu Ende März, die Kündigung gebe ich am Montag ab. Die haben den Platz aber vermutlich schon wieder besetzt, denn Bescheid gesagt habe ich schon am Anfang der Woche im Büro, die Erzieherin wusste dann am Tag darauf schon Bescheid. Sie ist ganz traurig, weil sie unsere Tochter echt gefressen hat 😉 Wir würden sie am liebsten mitnehmen.

5. Außerdem war ich gestern bei einer Fahrschule, die damit wirbt, Angsthasen den Wiedereinstieg ins Fahren zu ermöglichen. Es fand ein Beratungsgespräch statt mit einem alten Mann mit weißem Haar und roter Cordweste, der super verständnisvoll und professionell meine Fahr- und Unfallgeschichte analysiert hat und mir dann, ohne dass ich was definiert habe, erklären konnte, wo meine Ängste liegen. Das war schon etwas erstaunlich. Er sagt, ich soll mal mit 8 bis 10 Fahrstunden rechnen – der Hammer. So viele will ich eigentlich gar nicht machen, denn die kosten mich 41 Euro pro Fahrt (1 Stunde)! 400 Euro … ich kann mir nicht mal die Hälfte leisten 😉 Also drückt die Daumen, dass ich es auch in fünf Fahrstunden schaffe, meine Angst soweit zu überwinden, dass ich es hinbekomme, mein Kind morgens in die Kita zu fahren, ohne einen Herzinfarkt zu bekommen oder andere Verkehrsteilnehmer zu töten. Mittwoch Vormittag ist meine erste Fahrstunde. Ich hab Schiss wie damals vor der Fahrprüfung.

6. Wir haben ausgemistet. Undzwar die ganze Wohnung. Angefangen mit dem Kleiderschrank – es kam alles in die Kleiderspende, was noch irgendwie gut war und wir haben wirklich nur die Sachen behalten, die wir auch tatsächlich anziehen. Knallhart. Weiter ausgemistet haben wir bei Deko (unfassbar, wie viel unnützen Ramsch man in und auf Schränken ungeachtet vermodern lässt) und vor allem bei Geschirr. Die guten Pizzateller? Nie benutzt – weg! Woher kommen eigentlich diese unzähligen kleinen Schälmesser? Keine Ahnung – weg! Was ist mit den tausenden von wild gemixten, zu nichts passenden Kaffeebechern, Omma-Tellern und angerosteten Thermoskannen? Weg – alles weg! Vieles haben wir verkauft oder verschenkt und ansonsten einfach weggeschmissen. Unfassbar, wie leer die Küchenschränke jetzt sind. Weil die Cousine meines Mannes im März ihr Baby kriegt, habe ich auch ohne Rücksicht auf Verluste die Kleidung vom kleinen Cornflake ausgemistet und sehr viel verschenkt. Zurück blieben nur noch die Sachen, die irgendeinen emotionalen Wert haben.

Außerdem hat mein Mann in einem Anfall von Umzugseuphorie vier Regale abgebaut und den Inhalt in Kartons verstaut. Sieht schon ziemlich nach Umzug aus hier, echt schlimm.

7. Die Tierärztin war da und hat unsere Katzen durchgecheckt. Die sind putzmunter, abgesehen von etwas Zahnstein, den man aber noch in den Griff kriegt. Sie hat uns bezüglich der „Sedierung“ während der vierstündigen Autofahrt beraten und uns Tabletten da gelassen zum Testen. Die haben wir auch schon getestet. Ohne erkennbare Wirkung. Entweder wir verwenden die jetzt trotzdem und hoffen das beste, oder wir greifen zu härteren Maßnahmen, die dann aber auch den Kreislauf belasten. Es scheint, als hätten wir die Wahl zwischen zwei schreienden Katzen und zwei kotzenden Katzen während der Fahrt. Die Tierärztin sagte auch, dass es letztendlich weniger stressig ist, wenn die Katzen „voll da“ sind, dass sie die vier Stunden schon überleben. Ich weiß nicht, ob damit schon das letzte Wort gesprochen ist.

8. Helfer sind organisiert für hier und für drüben, ein LKW ist gemietet, ein grober Ablaufplan geschmiedet und das Ergebnis lautet vorläufig: wird schon irgendwie klappen, dann am 10. März.

Ich muss mich innerlich noch von dm und „alles fußläufig“ und verkaufsoffenen Sonntagen und meiner supertollen, einfühlsamen Zahnärztin verabschieden.

Advertisements

18 Gedanken zu „Euphorie in der Planungsphase

  1. Krass, bei euch geht’s ab, mir kribbelt’s richtig beim Lesen! Übrigens, falls du es nicht schon wusstest: Eine Kündigung wegen des Umzugs des Ehemannes und Vaters deines Kindes (und damit deines Mitzuges in eine andere Stadt) ist kein Grund für eine Sperrzeit bei der Arbeitsagentur.

    Gefällt mir

  2. Oh, Du bist im Umzugsfieber! Ich auch 🙂

    Ich habe meine Katzen, als ich noch welche hatte, in Transportboxen gesteckt und beim Fahren ignoriert. Ich weiß nicht, ob Du das schaffst, aber die Medikamente bringen wirklich nicht viel. Nach 30 Minuten haben meine Katzen ohnehin aufgegeben und nur noch hin und wieder geknurrt.

    Ansonsten wünsche ich Euch einen guten Umzug, der nicht nach dem Spruch „dreimal umgezogen ist wie einmal abgebrannt“ verläuft! 🙂

    Gefällt mir

  3. Wow, da habt ihr ja echt was vor. Aber es klingt ja so, als ob es morgen schon gleich los geht. Ich bewundere euch, dass ihr es jetzt schon so durchorganisiert habt und schon so weit seid mit dem ausmisten. Ich hasse unsere chaotische Lebensweise 😊

    Gefällt mir

      1. Ich finde unsere Küche nicht so schlimm, eher den Keller und als ich Weihnachten 3 Tage frei hatte. Hab ich schon einiges geschafft, aber das reicht noch lange nicht.
        Sogar einen Teil meines Kleiderschranks hab ich letztens einfach weggeworfen, aber eigentlich trotzdem noch viel zu wenig…
        ich hab das Gefühl mir fehlt die Zeit um überhaupt irgendwas so richtig zu machen…

        Gefällt mir

  4. Wir hatten damals auch Sedierungstabletten für die Katze, aber ich hatte auch das Gefühl, dass es nichts bringt. Na ja, sie hat halt 6h im Auto gemauzt und war stocksteif und ängstlich. Das tat mir schon sehr leid, aber was hätten wir tun sollen?! In der Wohnung haben wir ihr dann Futter, Wasser und das Katzenklo in ein Zimmer gestellt und da die Tür zu gemacht, damit wir alles ausladen können und sie erstmal ihre Ruhe hat und eigentlich war dann auch schnell wieder alles vergessen.

    Gefällt mir

      1. Na ja, Autofahren ist halt doof… Aber sie hat keinen körperlichen oder psychischen Schaden davon getragen 😉 Also mach dir keinen Kopf. Sie werden es scheiße finden, aber auch nach 10 Minuten, wenn ihr angekommen seid, vergessen haben. Und vielleicht geben deine ja auf 😉

        Gefällt mir

  5. Ui, das geht jetzt ja rund … wg deiner Angst vorm Fahren: Google mal Emil coue. Französischer Apotheker Anfang 19. Jh. Fahrlehrer hat es ja schon erklärt, aber von Coue kann man „lernen“, wie man Angst oder unterbewusste Blockaden überwindet. Klingt wahrscheinlich nach Klugscheisserei, aber ich meins gut…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s