Spreche ich Japanisch?!

Vor Weihnachten fragte Schwiegermutter, wie es uns geht. Und auch meine Mutter fragt das immer mal wieder gerne. Dass beide nur wissen wollen, wie es ihrer Enkelin geht, ist irgendwie normal geworden, auch wenn ich es bescheuert finde. Ich erzählte beiden, dass wir alle krank sind: dass das kleine Cornflake Schnupfen und Husten hat, pünktlich zu Weihnachten Fieber bekommen hat und mein Mann und ich genauso in den Seilen hängen, weil wir uns angesteckt haben.

Da das hier mein Blog ist, weil es hier wenigstens ab und zu noch um mich geht, darf ich hier ja auch schreiben, was ich will, ohne mir dafür Kritik geben zu müssen, also zieht euch folgendes rein, was dann im Bezug auf „Wir sind alle drei krank“ so passierte:

Wir fuhren dann am ersten Weihnachtstag, weil wir noch ganz viele Wohnungsbesichtigungstermine in der Heimat hatten, die 350 km zur Familie – Kind und Mama mit Fieber, Papa mit aufkeimender Nasennebenhöhlenentzündung. Etwa nach einer Stunde Anwesenheit bei den Schwiegereltern hatte ich schon zwei Packungen Taschentücher verbraucht und saß dann irgendwann inmitten des Wohnzimmers mit dem Kind auf dem Boden, schniefte so vor mich hin und hatte einen richtig dicken Kopf und Gliederschmerzen. Ich muss entsprechend scheiße ausgesehen haben, denn irgendwann fragte Schwiegermutter: „Was ist denn mit dir los? Hast du eine Allergie?“ … ich habe etwas zu pissig wiederholt geantwortet, dass nicht nur die Kleine krank ist, sondern wir alle.

Meine Mutter fragte mehrfach am Tag, wie es der Kleinen geht. Sie hatte offenbar ebenfalls vergessen, dass ihre eigene Tochter und ihr Schwiegersohn auch krank sind, dass wir alle krank sind. Passiert, und ist ja vielleicht auch nicht wichtig oder uninteressant…

Dann kam die Nacht. Das Kind hustete, fieberte, war in einer neuen Umgebung und wurde folglich öfter wach, so dass einer von uns an ihr Bett musste. Wenn ich „einer von uns“ sage, dann heißt das, dass ich an ihr Bett musste, wenn ich meinem Mann nicht explizit gesagt habe „Diesmal gehst du!“. Ich saß jedenfalls mit der Kleinen im Arm in einem irgendwie immer zu kühlen Zimmer, bekam Schüttelfrost und meine Nase lief wie irre… und dieses kleine Biest 😉 konnte einfach nicht wieder einschlafen. Nach mindestens einer halben Stunde legte ich sie wieder in ihr Bett, sie brüllte los, aber ich musste mir einfach die Nase putzen, holte mir dann eine Decke und der Papa wurde durch all das wach, wenn er denn überhaupt wieder die Kurve in den Schlaf bekommen hatte, so dass ich mich dann bei ihm darüber beschweren konnte, dass er ja schön gemütlich im Bett läge, während ich mit Schüttelfrost beim Kind sitze. Das war vielleicht nicht ganz fair, da es ihm auch nicht gut ging – aber er konnte sich wenigstens noch auf den Beinen halten, während ich das Gefühl hatte, jeden Moment aus den Latschen zu kippen. Er übernahm dann, aber nicht ohne Gemotze und Gezeter und Zickereien am ganzen nächsten Morgen.

Am nächsten Morgen wurde die Kleine viel zu früh wach, der Tag war auch nicht besser. Während ich unten im Wohnzimmer bei den Schwiegereltern saß, hockte mein Mann nämlich den ganzen Tag ein Stockwerk höher im Zimmer seiner Schwester. Er hatte an diesem Tag ausschlafe dürfen und als ich irgendwann noch einmal hoch ging, um etwas aus unserem Zimmer zu olen, da schlief er nicht, sondern zockte an seiner Konsole – na schönen Dank! Das hätte er auch unten tun können, während ich hätte schlafen können, was ich so sehr gebraucht hätte! Nach dem Frühstück ging er dann, wie gesagt, direkt ins Zimmer seiner Schwester. Dort wurde Shisha geraucht. Undzwar nicht eine Shisha, sondern definitiv über vier Stunden lang immer wieder durch neues Auflegen von Kohlen weiter geraucht. Die ganze Zeit spielten sie dabei an der Konsole, sein Bruder dann auch noch mit dabei, während ich unten hockte, allein mit meinen Schwiegereltern, mit dickem Kopf, Aspirin trinkend und Kind versorgend (denn da wickelt ja keiner mal freiwillig…). Ich war dann einmal oben im Shishazimmer und man konnte die Luft mit der Schere zerschneiden – da hielt ich es keine Minute aus. Ich motzte, dass ich ihn unten brauchen könnte und er sich, wenn wir schon mal alle zusammen frei haben, ruhig am Familienleben beteiligen könnte und dann kam er auch irgendwann nach unten – um dann unten auf der Couch an seiner Konsole zu sitzen. Ich war echt bedient.

Der nächste Tag lief nicht viel besser. Wir fuhren von Besichtigung zu Besichtigung, immer in die Kälte, dann in die Wärme, dann in die Kälte zurück und wieder in eine warme Wohnung… mein Kreislauf fuhr Achterbahn, mir war buchstäblich zum Kotzen, mein Schädel platzte und ich konnte mich kaum auf die Sache konzentrieren, dachte drinnen nur immer: „Ich muss an die frische Luft“ und draußen nur: „Wenn ich so weiter zittere, kotze ich hier direkt auf die Straße“ … es besserte sich dann im Laufe des Nachmittages, aber ich litt wirklich sehr, das muss ich jetzt einfach auch mal sagen dürfen. Mir ging es so richtig arschig kacke, weil ich ja keine Zeit zum Erholen hatte.

Ich bin jetzt echt nicht der jammernde Weine-Typ, aber ich teile meinem Umfeld dann schon mal mit, dass mir schlecht ist, wenn mir irgendwelche Anforderungen zu viel werden, oder dass ich noch kurz im Auto sitzen bleibe, weil mein Kreislauf abfällt oder dass ich endlich den Einkaufsladen verlassen möchte, weil ich einfach fix und fertig bin und mich nach einem Bett und Schlaf sehne. Mein Mann empfand das (wohl, weil auch er mit seiner Angeschlagenheit leicht reizbar war?) als Gejammer und war total genervt von allem. Er warf mir dann irgendwann, als ich mal wieder so weit war, betonen zu müssen, dass bei einem von 50 mal auch er sein Kind wickeln könne, statt am Handy oder an der Konsole zu zocken oder mit seiner Schwester fernab des Familientrubels Shisha rauchend im Zimmer zu hocken, vor, dass ich „den ganzen Tag am Jammern sei“, ganz im Gegensatz zu ihm, denn er würde ja nie jammern.

Und ganz ehrlich? Ich war so dermaßen sauer. Denn ich habe das Gefühl, wenn ich nicht minutiös betone, dass ich krank bin, dass das dann einfach übersehen, ignoriert oder vergessen wird. Dann nimmt mir keiner das Kind ab, obwohl 10 Leute da im Haus sind. Dann setzt sich keiner neben sie beim Essen sondern wundert sich nur, warum ich die letzte bin, die mit Essen fertig wird. Dann wickelt das Kind keiner sondern es guckt nur jeder zu, wie ich mich 20 Mal am Tag die Treppen hoch schleppe, um irgendwas zum Wickeln oder Umziehen oder Spielen oder Schlafen nach unten zu holen oder hoch zu bringen. Dann lässt mich keiner ausschlafen, ohne dass ich darum betteln muss, auch mal einen Ausschlaftag zu bekommen. Wenn ich also nicht „jammere“, dann leide ich wie ein Hund, weil mir niemand etwas abnimmt, da es einfach irgendwie keinen interessiert. Wenn ich aber „jammere“, dann wird mir das Jammern zum Vorwurf gemacht.

Was für beschissene Feiertage, echt.

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12 Gedanken zu „Spreche ich Japanisch?!

  1. Zum Glück geht’s euch wieder besser. Deine Feiertagserlebnisse find ich schlimm – Ich wär schon viel eher ausgerastet und wahrscheinlich gar nicht erst los gefahren. Ob du jetzt alleinerziehend hier oder dort bist, echt….

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  2. Ich bin eine neue Leserin hier. Mit deinem Mann würde ich mal ein ernsthaftes Gespräch führen. Interessiert er sich überhaupt für dich und euer gemeinsames Kind?! Ich finde, das alles liest sich sehr unangenehm.

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