Das Kind wird groß…

… und zwar spürbar und nicht nur metaphorisch. Das kleine Cornflake ist heute 570 Tage alt – oder 81,5 Wochen oder fast 19 Monate oder, wie die coolen Muttis sagen würden: „anderthalb“ – hab geguckt, das Wort gibt’s so im Duden.

Das letzte Mal habe ich Anfang August erzählt, wie sich die Kleine so entwickelt (nachzulesen: hier), als sie gerade ihre ersten unsicheren Laufversuche machte. Ich dachte damals, weil alle gleichaltrigen Kinder irgendwie schon laufen konnten, dass ich sie noch zum ersten Schultag auf dem Arm tragen muss und war wirklich genervt und ungeduldig – natürlich nur innerlich und halbernst. Kaum zu glauben, dass das Laufen heute selbstverständlich ist und wir sogar schon die Lauflernschuhe durch normale Stiefel ersetzt haben, mit denen sie munter lustig durch (jede. einzelne.) Pfütze tapst 🙂

Bei den Zähnen steige ich nicht mehr durch. Ich glaube, sie hat 14: 4 mittig oben, 4 mittig unten, nach jeweiliger Lücke 4 Backenzähne und neuerdings oben die beiden „Vampirzähne“ in den Lücken. Mit diesen Kandidaten haben wir wirklich gekämpft: Erkältung, wunder Po, keine Lust auf Zähne putzen, unterbrochene Nächte, schreiendes Kind das nicht einschlafen will.

Der Vorteil, den wir gegenüber vielen Eltern gleichaltriger Kinder haben, ist, dass sie uns sagen kann, ob etwas weh tut und auch, wo. Sie versteht die entsprechenden Fragen genau und kann uns dann die schmerzende Stelle zeigen. Als sie abends beim Schlafenlegen so doll schrie, habe ich sie auf dem Arm getragen, getröstet und dann gefragt: „Tut dir was weh, Maus?“ und sie weinte verzweifelt: „Jaaa 😦 „, und daraufhin fragte ich: „Und wo tut es weh?“. Sie sagte „Da“ und zeigte exakt auf die Stelle in ihrem Mund, auf die Noch-Lücke, an der heute ein Zahn sitzt. Seit auch sie erkannt hat, dass sie so unsere Aufmerksamkeit erlangt, kommt sie manchmal um die Ecke mit einem „Au! Mama… Au!“ und zeigt mir dann ihren vermeintlich verletzten Finger und dann muss ich pusten – manchmal pustet sie dann mit. Heute Morgen habe ich sie zum Hose anziehen auf den Wickeltisch gestellt. In dieser Position sind unsere Köpfe auf etwa gleicher Höhe und sie buffte dann ganz sanft, aber absichtlich, ihren Kopf an meinen und ich hab behauptet, dass mir das ein bisschen weh getan hat, woraufhin sie auf meinen Kopf gepustet und mir dann durchs Gesicht gestreichelt hat 😀

Hier ein paar Wörter, die sie neu gelernt hat und regelmäßig ohne Nachplappern in der richtigen Situation gezielt benutzt:

Oma („Omma“), Opa („Oppa“), Netti (ihre Bezugserzieherin), Kita, Au weia, Achtung, Oh nein (in traurigem Ton, wenn zum Beispiel die Bauklötze umfallen oder etwas versehentlich kaputt geht oder runter fällt), Jacke, Hallo, Keks, Tee, Kacka, Puuh (+ wedeln mit der Hand vor der Nase = stinkt), meins, meiner, meine (nicht immer in der korrekten Variante), dies, die, Müll, Oaaah Paaaapa (total genervter Ton), nackig, Nuckel (obwohl wir ausschließlich Schnuller sagen), aus, an, auf, alle, Arm (wenn sie auf den Arm will), Bein, mal (heißt bei ihr „nochmal“)… es ist noch mehr, aber das versteht man dann nur mit dem zugehörigen Kontext und einer guten Portion Phantasie 😉

Oftmals will sie auch etwas sagen und wird dann sauer, wenn wir sie nicht verstehen. Sie scheint im Moment auch wieder in irgendeinem Schub zu sein, ist ja alles immer nur eine Phase, denn so wie es für alle Entwicklungsschübe üblich ist, ist sie ganz furchtbar anhänglich, was sich zum Beispiel dadurch äußert, dass sie den kurzen Weg zur Kita nicht mehr laufen mag, sondern darauf besteht, getragen zu werden. Diese Extraportion Knuddeln gebe ich ihr gerne, auch wenn sie wirklich schwer geworden ist (11,5 kg hat die Hundewaage im Tierladen angezeigt, auf die wir sie beim Katzenspielzeugeinkauf gestellt haben 😀 ). Wir haben hier manchmal ganze Tage mit guter Laune und dann wieder Tage, an denen ein Wutanfall dem nächsten folgt, zum Beispiel weil sie gerne die Schuhe anziehen möchte, sie aber nicht allein aus dem Regal kriegt, dann ein neuer Wutanfall, weil sie die Schuhe nicht alleine angezogen kriegt, dann ein neuer Wutanfall, weil ich ihr nicht helfe, dann ein neuer Wutanfall, weil ich verbiete, mit den Schuhen durchs Wohnzimmer zu laufen, dann ein Wutanfall, weil ich ihr die Schuhe wieder ausziehe, wenn sie nicht aus dem Wohnzimmer raus kommt… da ist man abends wirklich komplett im Eimer. Und nach dem achten oder zwölften Anfall mit Geschrei, Getobe, Hinwerfen, Schreien und Heulen kann ich irgendwann auch nicht mehr diplomatisch sein. Ich versuche, die aktuelle Erziehungsempfehlung des „Spiegelns“ beizubehalten, weil es verrückterweise echt die Situation entschärft, doch nicht immer bringe ich die nötige Gelassenheit dazu auf. Man soll dem Kind nämlich auf Augenhöhe sagen: Ich weiß, du bist jetzt echt wütend, weil du die Schuhe nicht anziehen darfst. Das kleine Cornflake ist dann sofort viel ruhiger, guckt einen nachdenklich an und ist sofort wieder zugänglich für meine Worte / Ablenkung / einen Kompromiss. Das geht aber nur, wenn man nicht gerade selbst auf 180 ist.

Wir mussten ihr auch schon einmal in die ganz andere Richtung eine emotionale Stütze sein. Sie hat sich emotional wirklich sehr stark entwickelt in den letzten paar Wochen. Besonders schön hat man das an einem Beispiel gesehen: unsere beiden Katzen haben gerauft. So einen Anfall haben sie alle paar Tage mal und meistens bleibt es bei etwas Gekabbel, wobei die Fellknäule sich ineinander über den Fußboden kugeln und endet meist mit einem theatralischen Fauchen der Katze. Manchmal aber, so wie auch bei diesem Beispiel, wird Ernst daraus. Eigentlich versuchen wir immer, sie zu lassen, aber wenn der Kater die Katze zu sehr in die Ecke drängt und sich die beiden beißen, bis einer queitscht und jault, dann nehmen wir sie schon auseinander. Genau so ein Quietschen und Jaulen hat das kleine Cornflake dann mitbekommen und war schlagartig komplett irritiert. Sie hat die Katzen angestarrt und auf einmal zu weinen angefangen und musste getröstet werden. Sie hat erst aufgehört, als die Katzen getrennt wurden und vollends beruhigt hat sie sich erst, als die Katzen wieder ganz ruhig nebeneinander ins Wohnzimmer zurück getrottet kamen und wir „Guck mal, jetzt sind sie wieder ganz lieb“ gesagt haben. Man konnte richtig sehen, wie ihr Gehirn versucht hat, das Geschehen einzuordnen und zu verarbeiten, sie war ganz überfordert und ich ganz stolz, dass ich so für sie da sein konnte in diesem Moment.

Sie sucht sich jetzt morgens gezielt eine Jacke aus und wehe man nimmt die Falsche – dann gibt es einen Wutausbruch! Sie hat gelernt, wie der Waschbär macht (Hände reiben), wie die Giraffe macht (die schmatzt), wie man mit der Gabel Sachen aufpiekst, dass man „bravoooo“ ruft und klatscht, wenn man etwas geschafft hat (sie applaudiert sich selbst), kann sich (meistens) selbst die Schuhe anziehen, Reißverschlüsse auf und zu ziehen, weiß, welche Fernbedienung ich brauche, um Kikaninchen anzumachen und wie man unfallfrei aus einem Becher trinkt. Wenn auf einem Bild ein Tier schläft, dann legt sie den Zeigefinger vor den Mund und macht „Pscht“. Wenn wir auf eine Straße zugehen sagt sie „Dade“ (Straße) und „Arm“, weil sie weiß, dass die Straße nur auf unserem Arm überquert wird – ich garantiere nicht dafür, dass sie nicht auch mal ungehindert rüber laufen würde, aber sie hat schon begriffen, dass sie das nicht darf und kennt auch den Unterschied zwischen roter und grüner Ampel.

Wenn nicht irgendwas den Schlaf verhindert, dann schläft sie seit einiger Zeit von ca 19 Uhr bis 7 Uhr durch und durchs Babyphone schallt dann am Morgen die Musik ihres Kuscheltieres, das einen Knopf am Bauch hat und immer mit ins Bett muss. Dann bleibt sie in der Regel noch spielend im Bett, bis sie uns ruft und aufstehen will: Haheluja!

Wir haben ein echt schlaues, kleines Wesen hier, das unheimlich aufmerksam beobachtet, nachmacht und die Dinge durchdenkt. Sie ist liebevoll und offen im Umgang mit anderen und gibt jedem netten Menschen auf der Straße einen Handkuss (was ich in diesem Alter echt noch nicht schlimm finde, aber beobachten werde) und ist in den allermeisten Fällen am Lachen und Strahlen. Natürlich sagt sie, was sie möchte und versucht auch, ihren Willen zu kriegen, aber im Grunde hört sie wirklich gut auf uns und macht einfach bei allem richtig gut mit, egal, ob es ungeplante Ausflüge, langweilige Einkäufe oder Regentage in der Wohnung sind. Auch in die Kita ist sie jetzt voll eingewöhnt und die Erzieher haben immer nur gutes zu berichten.

Ich glaube, bis hier hin haben wir drei einen ganz guten Job gemacht 🙂

 

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21 Gedanken zu „Das Kind wird groß…

  1. ich bin geneigt, irritiert darüber zu sein, was dien kind schon alels kann und sagt und meins nicht, obwohl es älter ist. das macht einen wahnsinnig, diese vergleicherei, aber so richtig abstellen kann man’s halt auch nicht. warte, schnell das mantra: „jedes kind hat sein tempo. jedes kind hat sein tempo. jedes kind hat sein tempo…“ 😀

    (danke auch von mir fürs teilhabenlassen. du gibts dir sehr viel mühe mit den einträgen zur kleinen, ich finde das schön.)

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    1. 🙂 freut mich dass auch andere das schön finden. Ich gucke auch oft in den alten Beiträgen von mir nach, wann sie was neu gelernt hat, um mal zu vergleichen, in was für einem Zeitraum sie sich entwickelt. Ich weiß auch nicht wieso die so gut redet 😀 ich rede halt den ganzen Tag mit ihr, sag ihr, was ich gleich zutun gedenke, kommentiere das dann und wenn ich sie was frage, dann plapper ich nicht gleich die Antwort vor (das hab ich schon oft bei anderen beobachtet)… Aber da jedes Kind sein Tempo hat… 😀 ist das wohl einfach ein schöner Zufall. Am Ende können sie alle sprechen. Aber ich muss schon sagen dass mein Schriftstellerherz da aufgeht :d

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      1. ich hab gerade gesehen, wie viele tippfehler mein kommentar enthielt. hatte es wohl eilig. 😀

        also ich mach das mit MTE auch alles so, ich seiere auch den ganzen tag und erkläre ihm jeden mist. aber mte hat jetzt auch innerhalb von wenigen wochen recht viele neue wörter draufgepackt, natürlich nicht superdeutlich, aber ich verstehe ihn. ich hab bisher alles aufgeschrieben, jetzt komm ich aber nicht mehr hinterher. 😉

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    2. Also ich quatsche auch ständig und der Große sprach mit 15, 16 Monaten schon echt viel und der Kleine redet fast gar nix. Dafür konnte er mit 10 Monaten Bobbycar fahren und der Große hat es erst mit zwei Jahren so richtig kapiert. Ich denke reden/ vorlesen ist schon wichtig – von nix kommt nix. Aber wenn das Kind andere Prioritäten hat, dann hilft alles reden nix.

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      1. Ja das stimmt wohl, an deinen Zwei sieht man das schön. Im PEKiP hat die PEKiP Tante mal gesagt, dass jedes Kind das als erstes lernt, von dem es sich das meiste verspricht. Und das ist, wenn es stimmt, ja mehr als individuell.

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        1. Ja, das klingt logisch. Der Kleine musste z. B. öfters auf irgendwas warten, weil ich mit dem Großen beschäftigt war… deshalb ist er in praktischen Dingen voll gut. Er isst z. B. super alleine, ich bin sogar von der Kita drauf angesprochen worden. Das war ihm halt wichtig. Schlimm ist es bei unseren Nachbarn – der Sohn ist gerade vier geworden, spricht nur Hauptwörter und da auch nur etwa 20 Stück. Er muss jetzt zum Logopäden und auch zum Psychologen. Die Mama ist echt fertig.

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          1. Oh ja das glaube ich. Sie macht sich sicher Vorwürfe, ob sie irgendwas anders hätte tun können… Ich muss ehrlich sagen dass ich mich frage ob man da so lange wartet, bis man was unternimmt? Gerade bei den U’s davor hätte es doch wenigstens dem Kinderarzt auffallen sollen? Naja.. Sollen… Hätte würde könnte. Ich hoffe, dass der Kleine mit der zusätzlichen Unterstützung seinen Weg machen wird.

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            1. Er ist jetzt schon ne Weile in Behandlung, aber erst mal wurde sie immer beruhigt, weil manche das ja wirklich später lernen. Ihr wurde dann immer gesagt, dass es dann plötzlich ganz schnell geht. Es ist wohl so, dass ein Kind, dass sehr früh etwas kann (laufen, sprechen…) länger braucht, um sicher zu sein und das es dann irgendwann (ich weiß nicht mehr das Alter) völlig egal ist, wann sie etwas gelernt haben und dass dann gegenüber anderen Kindern keine Defizite mehr bestehen. Habe ich kürzlich beim Sohn einer Bekannten erlebt, der war fast drei und hat auch nur einzelne Wörter gesprochen. Sie hatte sich auch schon Sorgen gemacht, wurde aber vertröstet und jetzt hab ich sie nach ein paar Wochen mal wieder gesehen und der Bub hat gequasselt wie ein Buch.

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      2. ich quatsche auch viel mit mte und bücher angucken (vorlesen lässt er sich nicht, der will lieber zeigen und sagen was er sieht und dann blättert er schnurstracks weiter) lieben wir beide sehr. das macht mich auch echt glücklich, das hab ich mir sehr gewünscht. ansonsten war mte im vergleich mit fast allem bisschen später als andere kinder, aber gut alleine essen, das konnte er auch schon zeitig und wird auch in der kita gelobt. er ist halt auch ein guter esser, hat er von uns. 😉 am ende ist es ja auch egal, wer was wann kann. es ist immer schön, wenn die kinder wieder was neues können. hier werden aktuell die wörter, die er schon lange spricht, deutlicher. und es kommen ständig neue hinzu, da freu ich mich jedes mal wie eine irre und feiere den kleinen übelst. wenn der mal keine macke kriegt… 😀

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        1. Ach, da stresst man sich immer total, aber je älter die Kinder werden, desto mehr gleicht sich alles an und wenn sie mal in die Schule kommen, isses auch völlig egal, ob einer schon mit zehn Monaten laufen konnte oder mit 1,5 Jahren auf’s Klo gehen konnte. Hauptsache sie sind gesund und werden geliebt und alles andere kommt dann zu seiner Zeit.

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  2. Danke für den tollen Bericht, ich finde das total süß und sie kann schon richtig tolle Sachen – vor allem das Sprechen finde ich voll krass.
    Hihi, ich finde es witzig, dass sie wegen der falschen Jacke protestiert. Meine Jungs interessiert das gar nicht, die sind bloß manchmal der Meinung sie müssten gar keine anziehen.

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