Hyposensibilisierung – Start

Als ich ein Teenager war, plagten mich schon zahlreiche Allergien und die dazugehörigen Kreuzallergien. Ich hatte Heuschnupfen, in Verbindung mit Asthma wirklich unheimlich ätzend, konnte mich von Frühjahr bis Herbst kaum einen sonnigen Tag ohne Symptome bewegen und es war vorbei mit all dem schönen Obst, denn ich bekam Juckreiz und Schwellungen nach dem Verzehr von Äpfeln, Birnen, Pflaumen und Co. Ich startete dann eine Hyposensibilisierung und das sah damals so aus, dass man in regelmäßigen, sich vergrößernden Abständen vom Arzt eine Spritze in den Arm bekam und dann noch eine halbe Stunde in dessen Wartezimmer ausharren musste, ehe man nach Hause durfte. Zum Schluss steigerte sich die Dosis, die Spritzen waren viel voller und ich bekam auch in jeden Oberarm eine gesetzt. Oftmals schwoll der Arm an und man spürte noch tagelang die Einstichstelle. Doch die Therapie hatte Erfolg, denn ich war einige Jahre lang nahezu frei von Heuschnupfen – die Kreuzallergien jedoch blieben.

Erst seit fünf oder sechs Jahren kam alles schleichend zurück und auch erst seit etwa zwei Jahren habe ich wieder schlimmere Beschwerden und zuletzt auch wieder erhebliche Einschränkungen durch den Heuschnupfen. Außerdem sind seit meiner Schwangerschaft noch mehr Kreuzallergien dazu gekommen. Heute, etwa 17 Jahre nach der ersten Hyposensibilisierung (meine Fresse, ich bin echt alt…), gibt es eine Innovation auf dem Markt: die „Spritzenkur“ ist von gestern, denn heute kann man sich die Therapie in oraler Form selbst zu Hause verabreichen – es ist außerdem eine Kassenleistung!

Ich möchte das Ganze für eventuell Interessierte und auch für mich selbst ein bisschen dokumentieren und werde daher auch immer mal wieder ein Update dazu geben, wie ich vorgehe und wie ich die Therapie vertrage.

Zu allererst: Im August diesen Jahres machte ich einen Allergietest, dessen Ergebnis mir schon vorher klar war: einfach ALLES schlug an, ich bekam zu allem eine Reaktion, die sich jeweils nur leicht in der Intensität unterschied. Die wichtigsten Allergien: Birke, Hasel, Erle, Gräser, Roggen, im Grunde sämtliche Früh- und Spätblüher (Pollen), Tierhaare, Staub, Milben usw …

Jetzt im Herbst ist genau die richtige Zeit, mit der Hyposensibilisierung zu beginnen. Man sollte nicht unbedingt mit den Dingen starten, die gerade Hochsaison haben, da man den Körper ja absichtlich mit einer geringen Dosis der Substanz konfrontiert, gegen die er allergisch ist, um ihn dafür zu „trainieren“, grob gesagt. Der Arzt reichte mir nun also ein Rezept und ich musste 10 Euro Rezeptgebühr bezahlen für ein Set, das so aussieht:

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Dieses Set enthält: 1 Flasche mit geringer dosiertem Wirkstoff (Birke, Erle, Hasel) und 3 Fläschchen mit einer höheren Dosis (Birke, Erle, Hasel). In den drei Fläschchen mit dem lila Deckel ist genau das selbe drin. Die Anfangsdosierung in dem anderen Fläschchen hatte einen blauen Deckel, so dass die unmöglich verwechselt werden können. Zu jedem Fläschchen gibt es diesen weißen Aufsatz, der wie ein Seifenspender funktioniert – man drückt oben drauf und aus dem „Hahn“ kommt dann ein Tropfen der Flüssigkeit.

Ich muss nun jeden Tag zur etwa selben Tageszeit das Präparat einnehmen. Dazu tropfe ich es mir direkt unter die Zunge, wo es kurz verbleibt und dann runtergeschluckt wird. 11 Tage lang steigere ich jeden Tag die Menge und ab dem 12. Tag bleibt die Dosis dann fortwährend gleich. Sollten zu unangenehme Reaktionen auftreten (Schwellung von Mundraum, Lippen und Gesicht im schlimmsten Fall… logisch), kann man die Dosis auch nach Rücksprache mit dem Arzt anpassen oder auch mit speziellen Allergietabletten Abhilfe schaffen. So sieht die Dosierung für den Einstieg aus:

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Wenn ich die letzte Flasche angebrochen habe, muss ich mir ein neues Rezept holen, wieder die 10 Euro Rezeptgebühr bezahlen und dann Nachschub holen. Wann das sein wird, kann ich noch nicht sagen. Bestimmt noch dieses Jahr, die Fläschchen sind nicht sehr groß.

Im Januar soll ich dann wieder einen Termin mit dem Arzt machen. Dann wird die Therapie erweitert, es kommen noch andere Allergien hinzu, zum Beispiel die Frühblüher – der Nachteil ist allerdings, dass es nicht alles in Tropfenform gibt, so dass es sein kann, dass ich zusätzlich zu diesen Birke-Hasel-Erle-Tropfen dann noch Tabletten bekomme. Trotzdem finde ich das noch immer attraktiver, als ständig für eine Spritze beim Arzt anzutanzen.

Diese Therapie ist eine langfristige Geschichte. Die Spritzen der Hyposensibilisierung als Teenager habe ich über einen Zeitraum von drei Jahren bekommen, wobei ich zuletzt nur noch einmal im Monat zum Arzt musste. Diese Tropfen, wenn ich richtig verstanden habe, muss man über einen ebenso langen Zeitraum jeden Tag nehmen. Sie sind aber verträglich, kompatibel mit den meisten anderen Medikamenten und können im Zweifel auch mal ausgesetzt werden.

Zugegeben – ich bin etwas überrascht, dass man nun anfangs aufpassen muss, dass man die Dosis richtig steigert. So richtig „benutzerfreundlich“ ist die Sache nicht. Auf die Liste, die ihr oben seht, habe ich mir das heutige Datum gekritzelt, damit ich in fünf oder acht Tagen auch noch weiß, welcher denn der fünfte oder achte Tag ist.

Wichtig zu wissen ist auch, dass die Fläschchen aufrecht und im Kühlschrank gelagert werden müssen. Wer also eine Weltreise plant, der ist mit diesem Präparat nicht sonderlich gut bedient. Die Kühlkette kann man unterbrechen, wenn man zum Beispiel in den Urlaub fährt, doch es ist nicht zu empfehlen, diese Box andauernd mit sich rumzutragen.

Der Geschmack ist irgendwo zwischen süß und sauer, tendenziell eher süßlich. „Lecker“ nicht unbedingt, aber vollkommen in Ordnung. Das muss es auch sein, denn man darf dazu weder essen noch trinken, weil es sich ja ungehindert über die Schleimhäute in den Körper verteilen soll. Wenn man weder isst noch trinkt, dann kann man auch viel schneller und genauer die eventuell auftretenden allergischen Reaktionen einschätzen. Heute habe ich 20 Minuten nach der Einnahme (war ja nur 1 Hub bzw. 1 Tropfen) ein Brötchen gegessen. Ich hatte keinerlei Probleme oder allergische Reaktionen und bin gespannt, wie das in fünf oder zehn Tagen aussieht.

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8 Gedanken zu „Hyposensibilisierung – Start

  1. Bei mir war es komischerweise genau andersrum. Hatte als Kind mal Tropfen, die allerdings gar nix genützt haben (vielleicht hat eine 13-jährige die auch nicht korrekt genommen, keine Ahnung) und dann vor ein paar Jahren Spritzen, die mir zumindest etwas Erleichterung verschafft haben. Ist halt jeder anders, gell 😁

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