So eine hat man immer dabei, oder?

In meinem Leben habe ich schon so einige Gruppendinger besucht. Damit meine ich irgendwelche Kurse, Vorträge oder dergleichen, in denen eine Gruppe jemandem zuhört, der vorne was erklärt. Und jedes Mal, wirklich in jeder einer solchen Veranstaltung hatte ich eine Frau dabei (es waren echt immer Frauen), die volles Rohr aus der Menge herausgestochen ist – undzwar deshalb, weil sie einfach dumme Fragen stellt, so lange, bis sogar der Erklärer vorne mit den Augen rollt, wenn keiner hinguckt.

Im Geburtsvorbereitungskurs war das zum Beispiel Frau Darmverschluss. Die habe ich so genannt, weil sie eben einfach immer den Rahmen mit zu vielen Informationen und Fragen und Kommentaren gesprengt hat, die keinen interessieren. Und manchmal zeugten die auch nicht unbedingt von sonderlich viel Grips. Personen wie sie reißen einfach die komplette Aufmerksamkeit an sich, als seien sie mit dem Kurslehrer allein im Zimmer.

Auch in der Schule gab es solche Nervensägen schon. Wenn man sich in der Aula zu einem Infoding versammelte, gab es immer die eine, die irgendwas GANZ SPEZIELLES wissen musste (das nur zu ihrer individuellen Situation passte und sonst keinen interessierte) und die Mitschüler nicht mehr weit davon entfernt waren, ihre Pausenbrote nach ihr zu werfen.

Heute waren wir auf einer Babymesse und haben an einem Crashkurs über Erste Hilfe am Baby teilgenommen. Nun sitzt man da in einem Raum mit 30 Erwachsenen und 20 Babys und Kleinkindern (Exkurs: wenn dein Baby so doll brüllt, dass keiner den Johanniter-Mann mehr versteht, dann geh doch bitte einfach raus!) und eine einzige Frau, eben so eine, wie man sie in diesem Rahmen IMMER dabei hat, sticht mit dummen Fragen heraus. Hinter ihr hat schon jeder gelacht, aber die hat das gar nicht gemerkt.

Der Johanniter-Mann erzählt also, dass man einen Säugling (!) bäuchlinks auf dem Arm halten und beherzt auf den Rücken klopfen soll, wenn es etwas verschluckt hat und sie fragt „Und kann man das Kind auch einfach an den Beinen hochziehen?“.

Klar, das ist wie beim Abtrocknen nach dem Baden: du schleuderst das Baby einfach so lange am Bein im Kreis, bis es trocken ist. Zentrifugalkraft. Das geht auch bei Verschlucken richtig gut.

Dann erklärt er, dass es manchmal beängstigend aussehen kann, wenn sich ein Kind in einem Fieberkrampf schüttelt und die Augen verdreht, dass das aber „vorkommt“ und man nicht in Panik geraten darf und will dann erzählen, was zutun ist und die Olle ruft in den Raum „Aber sollte man dann nicht auch erstmal Fieber messen?“. Ich bewundere den Erklärer dafür, dass er nur ganz kurz irritiert war und das souverän verneint hat, statt zu sagen: Joa. Und während das Thermometer im krampfenden Kind steckt, kannst du dir erstmal gemütlich einen Kaffee machen.

Zu eigentlich allem, was er noch so erklärte, hatte sie irgendwas“gelesen“ oder „gehört“ und ich fragte meinen Mann irgendwann, wo sie sowas denn „hört“ und er rollte nur mit den Augen und sagte „Bei RTL II“, woraufhin die zwei Stühle neben uns zu kichern begannen.
Aber das Schärfste kommt erst noch.
Wir haben dann an Puppen üben dürfen, wie man beatmet und Herzmassagen bei verschiedenen Altersklassen macht und nebenbei half der Johanniter-Mann und erzählte ein bisschen und beruhigte einen auch enorm mit persönlichen Erfahrungen. Er hat etwa berichtet, dass ein ertrunkenes Kind 70 Minuten reanimiert wurde und dass es diesem Kind heute hervorragend geht. Wir sind da also motiviert am Beatmen und verinnerlichen die Technik – und da haut die Alte doch glatt die Frage raus: „Haben Sie hier eigentlich auch Besteck für einen Luftröhrenschnitt?“ – da konnte dann auch der Johanniter-Mann nicht mehr und hat gelacht. „Nee“, hat er gegrinst, „das ist jetzt nicht Teil des Crashkurses“.

Ich hätte ihr einen Kugelschreiber geben sollen. Dann hätte sie bei Scrubs oder Dr. House gucken können, wie das mit so einem „Besteck“ funktioniert.

Ich schwöre euch, wenn ihr genau darüber nachdenkt, dann könnt ihr das bestätigen: in jedem Kurs oder Vortrag hat man eine dämliche Olle dabei, die sich auf die am dümmsten mögliche Art oder wahlweise auf die störendste Art aus der Menge herauskristallisiert, indem sie den Ablauf mit blöden Zwischenfragen oder Kommentaren stört. Und das Traurige ist: diese Person merkt es noch nicht einmal, dass ihr Umfeld komplett genervt ist und/oder sich total über sie lustig macht, denn dazu ist sie entweder zu beschränkt oder zu narzisstisch.

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5 Gedanken zu „So eine hat man immer dabei, oder?

  1. Gerne genommen auch damals in der Schule/Berufsschule/Fachschule: eigentlich wäre der Lehrer/Dozent soweit fertig, wir könnten alle in den freien Nachmittag/ins freie Wochenende starten, da hat jemand noch eine Frage. und während alle auf ihren gepackten Taschen sitzen und auf die Uhr schauen, kommt noch eine Frage und noch eine und noch eine…

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  2. Das ist echt so.
    Im Geburtsvorbereitungskurs hat die Hebamme mal erwähnt, dass Babys spucken – und die Olle dann so: „Waaaaassssss? Babys spucken????!“

    Wir hatten mal vor Jahren ne Betriebsversammlung – das war die lustigste Veranstaltung auf der ich je war. Es ging darum, dass Ausgangs- bzw. Taschenkontrollen stichprobenartig durchgeführt werden können – dazu war ein Sicherheitsunternehmen beauftragt worden.
    Und da fragte einer aus meiner Abteilung, ob das Unternehmen denn seriös sei (der Saal hat gelacht), ob die uns verhaften dürfen und Handschellen anlegen und ob die uns verfolgen dürfen, wenn wir wegrennen.
    Der Personaler war ach total in Erklärnot und alle haben gelacht. Wenn die Fragen nicht ausgerechnet von dem Kollegen gekommen wären hätte ich gedacht, der will den verarschen.

    Aber die von dem Crashkurs ist ja auch geil. Kann gar nicht verstehen, dass die sowas nicht merken.

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