Konsequent sein

Vor einiger Zeit habe ich von dem komplizierten Verhältnis berichtet, das meine Mutter und ich seit der Schwangerschaft haben: Klick

Das ist leider nicht besser geworden.

Unser letztes Telefonat begann damit, dass sie fragte „Und wie geht’s dem Kleinen?“ – obwohl wir schon seit November das Geschlecht wissen und ihr mitgeteilt haben und wir auch seit Monaten schon von „ihr“ oder über „sie“ sprechen und auch den Namen, den wir ausgesucht haben, kennt sie selbstverständlich. Der wurde mehrfach erwähnt.

Sie hatte ja von der Nachbarin einen großen Karton mit Babysachen bekommen. Den Inhalt hätten wir wirklich gut gebrauchen können, weil er laut ihren Berichten so ziemlich alles enthielt, was uns noch fehlte. Als meine Schwiegereltern uns besuchen kommen wollten, wollten die den Karton ja mitnehmen, aber meine Mutter war patzig und hat ihn nicht herausgegeben. Der stand nun also noch bei ihr und weil wir in fünf Wochen Geburtstermin haben, habe ich sie beim letzten Telefonat nochmal auf die Sachen angesprochen.

Vielleicht erinnert ihr euch daran, dass ich mit meinem Bruder derzeit nicht spreche. Er hat aber seine Freundin hier und die besuchen sich alle ein bis zwei Wochen, so dass der Karton quasi wöchentlich von einem der beiden die 350km mitgenommen werden könnte.

Ich fragte meine Mutter also, ob es nicht möglich ist, dass einer der beiden den Karton beim nächsten Mal mitbringt, ich würde ihn auch bei der Freundin abholen. Meine Mutter wand sich dann in irgendwelche Ausreden, mein Bruder sei krank und würde erstmal nicht fahren oder die Freundin würde Zug statt Auto fahren und könne den Karton deshalb nicht transportieren usw.

Dann fragte ich, ob sie den Karton nicht schicken kann – dafür sei es angeblich zu viel.

Sie fragte dann recht patzig, ob denn die Schwiegereltern vor der Geburt nicht nochmal herkommen, mit so einem sarkastischen Unterton, als wären die ständig hier. Das verneinte ich. Offenbar hat sie noch immer nicht überwunden, dass die Schwiegereltern praktisch alles für uns tun, während sie im Grunde überhaupt nichts tut.

Und dann sagte sie „Dann ist das wohl Pech. Tut mir leid.“

Ich sagte nur etwas schockiert „hm“ – ich meine, der Karton ist ja nicht für MICH. Die Sachen sind für ihren ersten Enkel. Es fiel mir einfach nichts dazu ein – und dann schwiegen wir uns einen Moment lang an. Und dann sagte sie „Und was mache ich jetzt mit dem Karton?“

Spontan hatte ich noch den Gedanken, dass man uns ja wenigstens die wichtigsten paar Teile zukommen lassen könnte statt des ganzen Kartons, dann wäre es nicht zu schwer für eine Zugfahrt der Freundin und nicht zu viel zum Schicken. Ich hatte nämlich auf den Kauf bestimmter Sachen extra verzichtet, weil ich eben wusste, dass sich genau das im Karton befindet. Zum Beispiel hatte ich keine einzige Babysocke besorgt und keinen Strampler in einer bestimmten Größe, weil meine Mutter mir angekündigt hatte, es seien davon genügend dabei.

Ich habe stattdessen gesagt „Dann bring ihn doch der Nachbarin zurück und hol dir dein Geld wieder“, woraufhin sie nur sagte, dass sie das dann wohl „müsse“ (als sei das mal wieder meine Schuld) und dann ging sie nahtlos über in den Verabschiedungsmodus und beendete innerhalb der nächsten 10 Sekunden das Telefonat.

Seitdem sind auch schon wieder eineinhalb Wochen vergangen, ohne dass wir telefoniert haben.

Und da sie ja immer neidisch oder beleidigt oder eifersüchtig ist, weil die Schwiegereltern so für uns da sind und sie nicht, hier mal der Grund, warum das vielleicht so sein könnte: als ich der Schwiegermutter erzählte, dass wir den Karton nun endgültig nicht bekommen, machte sie sich sofort schlau, wann bei ihnen der nächste Babybasar stattfindet und war richtig euphorisch, weil sie total Bock drauf hat, da zu bummeln. Dann suchte sie bei Ebay Kleinanzeigen in ihrer Nähe Babysachen raus, die sie uns im Laufe dieser Woche nach und nach besorgt hat und wird uns das dann alles demnächst schicken. Alle paar Tage schickt sie mir jetzt irgendwelche Onlineanzeigen mit Babysachen und ich musste sie sogar schon ein bisschen ausbremsen, weil sie es übertrieb. Aber ihre Überschwänglichkeit ist gerade wirklich Balsam für meine Seele, weil mir das Verhalten meiner Mutter so wehtut. Und es ist ja nicht nur sie. Mein Bruder ignoriert mich auch nach wie vor.

Noch 38 Tage bis zum errechneten Geburtstermin und ich stehe ohne meinen Teil der Familie da.

Das Gefühl ist unbeschreiblich schrecklich. Ich weiß, dass sie im Moment krank zu Hause ist, dass sie eine Prüfung hinter sich hat deren Ergebnis ich nicht kenne. Ich hätte allen Grund, mal anzurufen, aber ich mache es nicht. Zum einen, weil ich konsequent sein will und mein Mann mir da auch immer wieder ins Gewissen redet. Denn sie wird mit Sicherheit irgendwas Verletzendes zu mir sagen und dem muss ich einfach jetzt konsequent aus dem Weg gehen.

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10 Gedanken zu „Konsequent sein

  1. Oh man,
    gut das du den Karton nicht nimmst. Ganz ehrlich. Kauf dir die Söckchen und Strampler selbst, deine Schwiegermutter hat absolut recht. Kriech doch niemandem hinterher, nachher hättest du einen Karton voll muffeliger oder dreckiger Wäsche gehabt und hättest noch dein Leben lang dankbar sein müssen.
    Wärst du meine Freundin/schwester/was auch immer hätte ich es genauso gemacht wie deine Schwiegermutter.
    Kopf hoch 🙂

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  2. Ich fühle mit dir…ich weiß, wie das ist. 😦
    Kopf hoch…wenn es dir gut tut, dass momentan Funkstille ist, belasse es dabei…alles andere wäre nur unnötiger Stress für dich und die Kleine.
    Fühl dich lieb gedrückt.

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