Ich bin frei!

Heute war dank Resturlaub, Mutterschutz und Elternzeit mein letzter Arbeitstag. Was freue ich mich, dass ich folgende Fratzen bis 2017 nicht wieder sehen muss:

Da wäre allen voran die doofe Kollegin,
die immer so dermaßen überzogen die Satzendungen mit hoher Stimme lang zieht, dass ihre Freundlichkeit überhaupt nicht mehr authentisch ist. Jahaaa, guuhuut, bis morgeeeen. Boah. Sie glaubt ernsthaft, wenn sie alle „Hase“ nennt und den ganzen Tag lang dämlich grinst, dass alle sie sympathisch finden und merkt überhauptnicht, dass sie durchschaut wird, weil einfach mal jeder einen höheren IQ besitzt als sie. Denn in ihren (zahlreichen) schlechten Momenten (zB bei minimalem Stress) haut sie solche Sachen raus wie mir gegenüber: „Hast du ja gut gemacht, mit der Schwangerschaft bis nach der Probezeit zu warten“ (was nichtmal so war, aber sie ist halt blöd 😉 … ). Sie beschuldigt gern andere ungerechtfertigt und ist dabei selbst mit den simpelsten Abweichungen von der Norm überfordert. Sie lästert, wo sie kann, hinter jedermanns Rücken, ist irgendwie mit jedem schonmal aneinander geraten und eigentlich kann sie keiner im Büro leiden.

Dann gibt es da noch die Urlaubskollegin,
die gefühlte 90 Urlaubstage im Jahr hat, obwohl sie eine Teilzeitkraft ist. Sie verbringt den Sommer auf einer Südseeinsel, und auch den Herbst und ist überhaupt irgendwie nie da. Wenn sie aber mal da ist, kontrolliert sie AAALLES, weil sie denkt, dass ohne ihre Kompetenz nichts läuft. Was in ihrer quasi dauerhaften Abwesenheit funktioniert, stellt sie dann plötzlich in Frage. Das geht so weit, dass sie einem „erklärt“, auf welcher Seite der Untertasse der Löffel zu liegen hat. Sobald etwas nicht in ihrem Herrschaftsbereich ist, wird sie total kribbelig und man merkt echt, wie ihr von Sekunde zu Sekunde mehr die Anspannung zu Kopf steigt, bis sie alles raus lässt in Form irgendeiner völlig überflüssigen Anweisung. Sie kaut wahnsinnig laut, spricht mit offenem Mund, kommt einem beim „Über die Schulter gucken“ körperlich zu nahe, ist die Überheblichkeit in Person und wenn keiner hinguckt, dann wird sie zum Ekel (mir gegenüber). Manchmal glaube ich, hält sie mich für ihre persönliche Assistentin und wenn ich nicht gespurt habe, wie von ihrer Majestät gewünscht, dann ist sie laut, unfreundlich und unfair geworden – was mir immer keiner glauben wollte. Sätze wie „Nur weil du schwanger bist, kannst du hier nicht arbeiten, wie du willst“ (wegen eines kleinen Fehlers, den ich böserweise gemacht hatte) kommen ja nicht aus ihrem Mund! Nein, niemals, die Alte ist ja perfekt! Zudem hat sie mit ihren ü60 keine Erziehung genossen oder diese irgendwo unterwegs verloren, ua. weil sie furchtbar indiskret ist. Als mir mal schlecht war, hat sie mich vor allen Leuten gefragt, ob ich Durchfall habe und zum Aufschließen eines Raumes klaut sie sich immer ohne zu fragen den entsprechenden Schlüssel aus der privaten Jackentasche eines Kollegen. Alle lieben die… aber keiner musste je so eng mit ihr zusammen arbeiten wie ich – könnte daran liegen.

Auch nie mehr sehen muss ich die bekloppte Aushilfe,
undzwar die, die eigentlich Schauspielerin ist, es aber nie geschafft hat, so dass sie seit Jahrzehnten in diesem Büro zweimal wöchentlich Sortierarbeiten macht, die jeder andere genausogut machen könnte. Ähnlich wie die Urlaubskollegin denkt sie aber, dass ohne ihre unverzichtbare Existenz der Laden komplett zusammen brechen würde. Sie gibt allen Anweisungen oder versucht es zumindest, etwa: „Nougat, du kannst bitte freitags immer die Blumen gießen!“ – Bitte was?! Die Frau trinkt grüne Smoothies und ist Vegetarierin (außer Fisch!) und auch sonst sehr alternativ, was ja ok wäre, würde sie nicht damit missionieren gehen und jeden in ihrem Umfeld zu bekehren versuchen. Als ich vor einiger Zeit mal einen Joghurt aß, legte sie mir bedeutungsvoll die Hand auf den Arm und sagte: „Ich wollte dir mal sagen, in deinem Joghurt ist übrigens sehr viel Zucker drin. Nur dass du es weißt.“ Jeder macht sich hinter ihrem Rücken über ihr Gehabe und ihre Ansichten lustig und belächelt es, wenn sie sich aufspielt und sie checkt das einfach nicht. Ob das beim Theater auch so ist? Und ob sie da auch versucht, möglichst intellektuell zu wirken, indem sie völlig kontextlos und überaus krampfhaft ein Gespräch über irgendein politisches Thema anfängt?

Von der Chefin will ich mal gar nicht anfangen, das würde hier den Rahmen sprengen. Mit ihren cholerischen Anfällen und ihrem begrenzten technischen Wissen hat sie mich so manches mal zur Verzweiflung getrieben. Sie kann wirklich fies werden, unter die Gürtellinie gehen und hat schon Sachen gebracht, bei denen ich am liebsten aufgestanden und sofort nach Hause gegangen wäre. Nie vergessen werde ich die Notiz auf einem von mir gefertigten Schriftsatz, die da „Friss oder stirb“ lautete und auch wiederspiegelt, wie ihr Ton mir gegenüber stets war. Aber ich muss sagen, dass sie mich versöhnlicher gestimmt hat im Bezug auf die Schwangerschaft. Sie hat das sportlich aufgenommen, Verständnis gezeigt und sehr professionell agiert, ab und zu mal nachgefragt, wie es mir geht und das war anfangs sehr kontrastreich zu dem, wie sie sonst mit mir umgesprungen ist, ist ihr aber in jedem Fall anzurechnen.

Was das Büro nicht weiß, ist, dass ich gar nicht vor habe, wieder zu kommen. Wir spielen mit dem Gedanken, wieder in die Nähe der Eltern zu ziehen, was 350km weiter weg wäre. Im Sommer wird sich das entscheiden und mit etwas Glück muss ich dann keinen von diesen Idioten jemals wieder sehen. Die erwähnten Personen wären wohl auch nicht besonders traurig darüber und dem Rest ist es vermutlich scheißegal. Gesagt habe ich von den Plänen aber nichts, denn wenn der Umzug doch nicht bzw. später als gedacht stattfinden wird, brauche ich natürlich die Rückkehrmöglichkeit noch. Aber darüber mache ich mir dann im nächsten Jahr Gedanken…

… und bis dahin bin ich endlich frei! Und das fühlt sich so gut an! Nicht zuletzt auch deswegen, da ich weiß, dass sie meine Abwesenheit noch zu spüren kriegen und erst im Nachhinein erkennen werden, was ich da eigentlich an Arbeit weggeschafft habe.

Ich kann derweil endlich meinen körperlichen Bedürfnissen nach Schlaf und Entspannung nachgeben, wann immer ich will und habe für all diese Dinge, die noch zutun sind, so viel Zeit! Das schöne ist, dass Schwangerschaft und Kindererziehung ein guter Grund sind, nicht zu arbeiten, so dass man das völlig frei von schlechtem Gewissen oder gesellschaftlichem Hohn und Spott erleben kann.

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2 Gedanken zu „Ich bin frei!

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