Geburtsvorbereitung – Klappe 4: Schleimpfröpfe für Männer

Bei unserem dieswöchigen vierten Kurstag waren zum ersten Mal alle Männer dabei. Ich finde, dass die meisten Männer zu ihren Frauen passen. Frau Darmverschluss, die immer viel Privatkram von sich erzählt, der keinen interessiert, hat auch einen sehr eloquenten Mann, der dauernd Zwischenfragen gestellt hat. Die eine lässig-coole hat auch einen eher entspannten, sympathischen Freund und die Dame älteren Semesters, die auf mich immer etwas spießig gewirkt hat, hat einen total dekadent wirkenden Mann, dem der Hemdkragen aus dem Pulli geguckt hat und der sich auch so gewählt ausgedrückt hat, als hätte er Kaiser Franz von Österreich verschluckt.

Die Hebamme verlangte normalen Männern wie meinem eine Menge ab. Zwischenzeitlich musste ich befürchten, dass mein Mann einfach aufsteht und geht. Das fing schon damit an, dass er sich allen vorstellen musste – zu seinem Glück kam er als letztes dran und konnte sich damit retten, sich den anderen einfach anzuschließen 😉 Die Kernfrage war, was der Mann vom Kurs erwartet – und was erwartet ein Mann von einem Geburtsvorbereitungskurs? Dass Mutti zufrieden ist, dass er sich am Geschehen beteiligt?

Was meiner sich erhofft hat, war vor allem, irgendwas fachliches zu lernen, das er nicht schon im Internet gelesen hat, aber das haut man da ja nicht so raus. Da man heute ja eigentlich alles im Internet liest, und er sich generell über Babybücher und Co. schon mehr eingelesen hat als ich selbst, waren für ihn nur die blutigen Details neu. Zum Beispiel hat er erfahren, dass vor der Geburt der schleimige, blutige Schleimpfropf abgeht. Das schien ihn nachhaltig zu beschäftigen, denn heute berichtete er mir davon, dass er sich darüber mit seinen Arbeitskollegen ausgetauscht hat. Außerdem hat er gelernt, dass sich eine Nabelschnur „wie Gummibärchen“ anfühlt und die Hebamme hat diese wunderschönen Netzschlüppis vorgeführt, die die Frau zur Geburt anbekommt, denn irgendwie müssen ja schließlich die monströsen, windelartigen Einlagen halten, die wir ebenfalls gezeigt bekommen haben. Alles in allem wurde den Männern wohl bewusst, dass eine Geburt erstmal nicht viel mit niedlichen Babys zutun hat, sondern vor allem mit Scheien, lautem Tönen (auch hier wurde anschaulich eine Wehe demonstriert), Schleim, Blut, Kotze und Darmgeschichten.

Und als wäre das noch nicht genug gewesen für meinen Mann, wurde die Kursstunde auch noch total interaktiv. Wir haben wieder eine Wehe nachgespielt und getönt, indem wir uns an unseren Mann hingen, eine Minute in einer anstrengenden Pose aushalten und dabei „den Schmerz veratmen und vertönen“ mussten. Meiner konnte noch grinsen, ein paar andere Männer wurden hier aber doch etwas ernst… 😉 Am Schluss haben wir Mädels und von den Jungs noch das Kreuzbein massieren lassen, nachdem in den Geburtsräumen live und in Farbe sämtliche Geburtspositionen ausprobiert werden konnten. Das haben sie auch alle ganz brav mitgemacht. Und während die anderen Frauen ihre Oberkörper schlaff auf den Bällen vor sich fallen lassen konnten, dachte ich nur: nee… also Ball und Massage ist jetzt weder hier in der Gruppe besonders entspannend, noch muss ich das in irgendeiner anderen Situation haben. In dem Moment war es mir auch deshalb unangenehm, weil ich wusste, dass mein Mann das jetzt nur tut, weil alle anderen das auch machen und es eben gerade so abverlangt wird. Und wenn er unter der Geburt dann nicht von allein auf die Idee kommt, sondern nur via Appell von der Hebamme etwa, wenn ich eben glaube dass er sich genötigt fühlt, dann mag ich das auch nicht haben 😉

Als wir das Geburtshaus verließen und außer Hörweite der anderen waren, stöhnte er auch laut rum und machte sich über das Getöne lustig und beklagte, dass er ja nun eigentlich nichts gelernt hat. Was wohl auch stimmt. Wir haben zwar über Geburtsphasen gesprochen, aber ganz ehrlich: gebt „Geburtsphasen“ bei Google ein und die Ergebnisse sind umfangreicher. Aber eben auch unpersönlicher.

Ich kann ihn verstehen. Dass die anderen Mädels behaupten, ihre Männer seien so interessiert und angetan, glaube ich einfach nicht, weil ich mich selber nicht sonderlich wohl fühle, in der Gruppe zu irgendwas genötigt zu werden. Gruppentönen hat halt auch irgendwie etwas befremdliches.

Zwei Mal muss er noch mit. Seid auch nächste Woche wieder dabei, wenn wir ein Geburtsvideo angucken!

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9 Gedanken zu „Geburtsvorbereitung – Klappe 4: Schleimpfröpfe für Männer

    1. Zu steif, ja? Ich glaube mein Mann ist für sowas nicht steif genug. Habe immer den Eindruck, als müssten alle da total erwachsen, ernst und seriös sein. Und das sind wir irgendwie nicht. Wie kichern, wenn jemand Aaaaahh bei einer simulierten Wehe macht und fühlen uns unwohl, wenn sich andere gegenseitig mit ihren Vorbereitungsmaßnahmen übertrumpfen…

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  1. Also mein Mann fand das damals schon interessant, aber wir mussten auch nicht tönen, Gott wir peinlich. Wir haben nur über die Geburt geredet und ich glaube, er war dadurch schon besser auf alles vorbereitet. Bei uns waren sie auch bloß einmal dabei.

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      1. Ja, ich glaube er hat da schon bisschen was mitgenommen z. B. dass ne Geburt stinkt oder dass es ne Phase gibt, wo man der Frau eh nix recht machen kann. Klar, kann man auch alles lesen, aber mit dem Argument wird wahrscheinlich jedweder Unterricht/ Kurs hinfällig. Aber ist wahrscheinlich Typsache, manche finden es besser, alles zu lesen andere hören es lieber persönlich. Mich z. B. haben die Internetberichte mehr beunruhigt und im Kurs war es immer nochmal möglich, etwas zu fragen ..

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