Miss you

Es gibt so einiges, was ich jetzt nach 7,5 Monaten Schwangerschaft vermisse. Das ist auch alles halb so wild, aber ich dachte mir, wenn ich das mal aufschreibe, dann setzt so eine Art Verarbeitungseffekt ein und ich vermisse es vielleicht weniger. Sind ja auch nur noch ein paar Wochen. Aber nichts desto Trotz dürft ihr an dem Gejammer teilhaben. Los gehts:

1. Shisha rauchen
Nicht, dass ich süchtig wäre oder so. Aber es fehlt einem doch, abends was leckeres beim Fernsehen zu schmokern. Und mit vielen Freunden haben wir diese Vorliebe gemeinsam und mit denen dann zusammen zu sitzen und keine Shisha zu rauchen ist schon irgendwie komisch. Eine Pfeife schafft doch, das ist unbestreitbar, eine irgendwie andere Atmosphäre. Außerdem ist Blueberry-Tabak superlecker und er fehlt mir so.

2. Alkohol
Verrückt eigentlich, da ich keinen trinke. Bei mir beschränkt sich das schon seit immer auf ein oder zwei Cocktails an ganz besonderen, vereinzelten Barbesuchen alle paar Monate. Oder auf eine halbe Flasche Sekt, mit einer Freundin beim Bachelor-gucken geteilt (hab ich in den letzten 5 Jahren einmal gemacht und war lustig). Oder Baylis. Den hab ich auch ab und zu mal allein getrunken, aber nur ein Schlückchen mit viel Eis, eine Flasche hat Wochen gedauert, um auf dieser Weise leer zu werden. Aber ich vermisse den Geschmack von meinem Lieblingscocktail und mir fehlt auch die Freiheit, einfach was zu trinken, wenn ich Lust dazu habe.

3. Auf dem Bauch schlafen
Ich bin Bauch-Einschläfer. Es ist mir ein Rätsel, wie ich es überhaupt schaffe, einzuschlafen. Vermutlich, weil ich immer gnadenlos übermüdet bin, wenn ich bis nachts um 1 auf die Uhr starre – irgendwann ist halt mal Schluss. Ich kann nicht auf der rechten Seite liegen, weil mir dann die Finger und Zehen einschlafen. Auf den Rücken kann ich auch nicht schlafen, weil dann das Geboxe im Bauch (aus Platzmangel?) so massiv wird, dass ich Angst habe, mir könnte aus Protest die Bauchdecke aufgerissen werden; schlecht wird mir nach einigen Minuten in Rückenlage außerdem. Seit einigen Monaten bleibt mir nur noch die linke Seite übrig, und die hat schon so omamäßige Lagerungs-Druckstellen, die man zwar nicht sieht, die aber bei Belastung sofort wehtun. Und falls jetzt wieder ungefragt Tipps kommen: spart sie euch. Ich habe alle Kissen durch. Irgendwann sind die Körperstellen dennoch überstrapaziert. Neuerdings schlafe ich extrem erhöht, fast im Sitzen. Und ich hoffe einfach nur inständig, dass ich nach der Geburt mal wieder auf dem Bauch schlafen kann.

4. Nicht-essen
Anfangs 20 Wochen von Hyperemesis Gravidarum gequält und dann nachhaltig davon geschädigt hat sich mein Essverhalten dahingehend verändert, dass ich nicht lange ohne auskomme. Wenn ich morgens wach werde, habe ich durchschnittlich einen halbstündigen Puffer, bevor mir schlecht wird. Dann muss ich essen, sonst fange ich an zu würgen. Und da ich keine Medikamente gegen die Hyperemesis nehme, müsste ich vermutlich in der Folge sogar kotzen. Also esse ich eigentlich immer. Mehr als drei Stunden, bei Ablenkung auch mal bis zu vier Stunden schaffe ich nicht, ohne dass mir schlecht wird. Deshalb esse ich vor dem Schlafengehen, auf der Arbeit wird immer irgendwas geknabbert und wenn ich irgendwo hin fahre, dann nicht, ohne mir eine Notfall-Banane einzupacken. Das setzt manchmal eine gewisse Planung voraus. Zum Beispiel zweieinhalb Stunden Geburtsvorbereitungskurs mit zwei halbstündigen Fahrten hin und zurück: niemals ohne was zu essen! Es gibt schlimmeres, aber es schränkt auch irgendwie ein.

5. Normale Kommunikation mit anderen
Nicht nur, dass man zu allem und jedem ungefragt Klugscheißerkommentare kriegt, nein, es dreht sich auch alles nur noch ums Baby. Und das absurde ist: obwohl mich das manchmal nervt, fange ich auch selber immer mit dem Babythema an. Es ist nunmal alles neu, alles spannend, alles ganz anderes und entsprechend präsent. Und das soll ja auch so sein und das ist auch alles toll. Aber manchmal wünschte ich mir, nicht nur wegen der anderen sondern auch wegen mir selbst, dass ich mal einen Tag lang von dieser Thematik wegkommen könnte. Aber dann tritt das Baby mich in die Rippe und ich krieg einen Baby-Newsletter oder habe einen Arzttermin und irgendwie lässt es sich halt doch nicht vermeiden. Das soll auch so sein, aber ich habe Momente, in denen ich denke, dass ich mal Abstand brauche – aber keinen bekommen kann. Und dann fühle ich mich irgendwie aufs Muttertier-Dasein reduziert. Aber wie gesagt: wenn ich mich mit einer Freundin treffe, dann komme ich ganz automatisch auch von selbst auf das Thema, weil es eben auch ohne externen Einfluss 99 Prozent meiner Gedanken einnimmt.

6. Hygiene
Jetzt wird es pikant. Ich kann meinen Intimbereich nicht mehr sehen und habe neulich auf gut Glück versucht, unter der Dusche die handelsübliche Rasur zu vollziehen: keine Chance. Vermutlich sieht es jetzt beschissener aus als vorher. Ich fürchte, bevor ich meinen nächsten Arzttermin habe, muss mein Mann da Abhilfe schaffen und richten, was ich entstellt habe, sonst ist es noch viel peinlicher als die totale Jungle-Optik. Es geht einfach nicht. Nicht nur, weil ich meinen eigenen Intimbereich nicht mehr sehe, auch nicht, wenn ich mich bis zum möglichen Maximum vorbeuge, sondern auch, weil ich nicht mehr an die Beine dran komme. Ich kann mich nicht mehr gut bücken und wage es kreislauftechnisch und wegen des veränderten Gleichgewichtssinnes nicht, mitten unter der Dusche ein Bein anzuwinkeln, um es rasieren zu können. Das sähe sowieso ziemlich merkwürdig aus. Ich bin in etwa so grazil wie ein Nilpferd. Ein Bein auf den Wannenrand stemmen geht auch nicht. Höchstens vielleicht in so einer Art Halbgrätsche. Zum Glück aber hindert mich nichts daran, die Achseln zu rasieren!

Ich glaube, das war’s. Aber Leute, ich sage euch was!
Nur noch 11 mal arbeiten, dann bin ich im Mutterschutz! Und egal wie teuer Babys sind und wo wir die Kohle sonst noch gebrauchen könnten, ich werde dann drei Dinge tun, und die werden mich über ein paar der 6 hinwegtrösten:

  1. Frisör
  2. Fußpflege
  3. Optional: Beine wachsen lassen (hat das schonmal jemand gemacht? Erfahrungen bitte, ich hab keine Ahnung worauf ich mich da einlasse)

Jetzt fühle ich mich wirklich ein bisschen besser 🙂

Ich will keine Tipps in den Kommentaren, sondern nur „Eiei“! Das hab ich mir nämlich verdient! 🙂

 

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8 Gedanken zu „Miss you

          1. Ja, das ist ja dann auch super. Heute hab ich mich wieder dran erinnert, dass das bei mir wie Leck-mich-am-Arsch-Tropfen gewirkt hat, als die Fruchtblase geplatzt ist. Bis dahin war ich voll down, wollte unbedingt nach Hause etc. – und dann war mir irgendwie alles egal. Aber in positiven Sinne.

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  1. Jetzt bekomme mal in 5 Jahren 3 Zwerge. ….lol…… Bauchschlafen…..yes… Alkohol. …jop …
    Aber nur beim 1 Kind vermisst.
    Aber: METTBRÖTCHEN!!!! Boahhh…..
    Und überhaupt. …meine Füße habe ich vermisst, meine ….. (zum Sehen allerdings nur) und mich zu rasieren. Das war übel. Ansonsten – genieße Deine Atombrüste Baby! !! :-)))))

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    1. Ich versuche, zu genießen, was es zu genießen gibt. Es gibt auch gute und schlechte Tage. Wenn ich total unausgeschlafen und knatschig bin, möchte ich am liebsten gar nicht schwanger sein und manchmal habe ich echt gute Tage, da kraule ich mir den ganzen tag den Bauch und nehme alles gelassen. Das sind wohl die Hormone (blabla) 😉

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