Vorbereitet, aber unvorbereitet

Wir haben schon vor einer halben Ewigkeit das Krimskams-Büro-Gäste-Zimmer mit neuen Möbeln und durch Entrümpeln in ein Kinderzimmer verwandelt. Noch in dieser Woche trudeln die letzten großen Sachen ein, die wir nach ellenlänger Recherche im Internet bestellt haben: Kinderwagen (praktische Kombi mit Maxi Cosy, Autositz ua), Matratze, Wickelauflage. Die Freundin meiner Mama (mit 11 Enkeln im Alter zwischen 0 und 10 Jahren) packt noch einen großen Karton mit Babysachen, so dass wir dahingehend dann auch einigermaßen ausgestattet sein dürften.

Wenn das Baby jetzt geboren werden würde, könnte es schon „relativ problemlos“ überleben, dabei sind wir gerade mal in der 28. Woche – ziemlich krass, oder?

Als ich das gehört habe, habe ich mich unweigerlich gefragt: was, wenn es jetzt schon kommen würde?

Alles, was es zum Überleben bräuchte, könnten wir ihm/ihr bereits heute schon bieten. Es würde zweifellos überleben 😉

Was man jedoch in einer Schwangerschaft und bei Ankunft eines Babys gerne mal vergisst, habe ich das Gefühl, ist: würde denn die Mama auch klarkommen? Manchmal habe ich das Gefühl, nur das zwingend nötige Gefäß zu sein, ein Wirt. Wenn Freunde etwa fragen „Wie geht’s dem Baby?“ – da antworte ich schonmal recht angefressen „Gut. Und die Hülle ist auch noch intakt“. In jedem anderen Fall bin ich zum „wir“ mutiert und gar kein Individuum mehr. Ich weiß nicht, wann mich das letzte mal jemand gefragt hat, wie es mir geht und nicht „Wie geht es euch beiden?“ Sicher – ein Neugeborenes ist völlig hilflos und da rückt das Bedürfnis der Mutter wohl zwangsläufig in den Hintergrund. Doch irgendwie habe ich ganz stark das Gefühl, dass sich alle auf das Baby vorbereiten, dass sich alle auf das Baby freuen, dass alle Sachen für das Baby basteln, alle dem Baby etwas schenken wollen, sich jeder Sorgen um das Baby macht und hofft, dass es dem Baby nach der Geburt auch gut geht und natürlich wollen alle im April das Baby so schnell wie möglich sehen und sich dann auch mal um das Baby kümmern und auf das Baby aufpassen – und Leute, echt, das ist toll und gar nichts schlechtes.

Aber wenn ich sage, dass ich drei, vier Woche nach der Geburt nicht 350 km zur Kommunion meiner Schwägerin fahren werde, dann wird das belächelt (meine Mutter). Und wenn ich sage, dass ich in den ersten 24 Stunden nach der Geburt absolut überhaupt gar keinen Besuch haben will, wird das revidiert (mein Mann) und wenn ich schwere Beine habe, Rückenschmerzen, angeschwollene Hände und Übelkeit, dann kann ich nirgends jammern, weil das „ja normal ist“.

Ich glaube, ich habe ein sehr massives Problem damit, keinen Ansprechpartner zu haben. Mit einigen Dingen fühle ich mich einfach irgendwie allein und dass ich so in den Schatten des Babys rücke, verstärkt das nur noch. Es ist, als wäre mir ohne Schwangerschaft jegliche Existenzberechtigung genommen. Langsam frage ich mich, ob die Geburtshausvariante die beste war. Ich ziehe sie eindeutig dem Krankenhaus vor, allerdings habe ich ein Team aus 20 Hebammen, von denen ich drei einmal gesehen habe und mir fehlt eine ganz eigene, die nur für mich da ist. Eine, zu der man auch Vertrauen aufbaut und die man intime Sachen fragen kann, weil man sie einfach kennenlernt. Und mir fehlt eine echte Freundin mit Kindererfahrung, die wirklich weiß, von welchen Sorgen ich spreche, wenn ich sage, dass ich mich manchmal frage, ob ich mit diesen Gedankengängen überhaupt dazu fähig bin, jemals genügend für mein Kind zu verzichten. Ich weiß nicht, ob ich darauf vorbereitet bin.

Epilog:
Gerade, als ich die letzten beiden Sätze schreibe, springt neben mir der Kater auf den Tisch und fischt sich mit der Pfote ein riesen Stück übrig gebliebenes Hähnchen (in pikanter Soße) von meinem Teller und frisst es gemütlich auf dem Boden neben dem Tisch, noch während ich mein wütendes „Nein“ veratme … meine Autorität ist wirklich grenzenlos.

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15 Gedanken zu „Vorbereitet, aber unvorbereitet

  1. nee, du bist nicht drauf vorbereitet. ich glaube, das kannst du gar nicht sein, und das kann ich so bestimmt sagen, weil du der typ mensch bist, bei dem man das sagen kann. ich bin auch so. es gibt sicher frauen, die sich nur über das muttersein definieren, schon bevor ein kind da ist. und es gibt solche wie uns, die sich fragen, ob sie nicht so zu egoistisch für ein kind sind (siehe die sache mit dem verzicht). und ich kann nun sagen, das ist wohl normal. hatte ich auch. und egal wie wir uns vorbereiten, es wird nichts nützen. du wächst mit der aufgabe, vertrau mir. es wird heftig und schön zugleich. verwirrend, verstörend, und mit zweifeln behaftet. und jeden tag besser und dann auch jeden tag schöner. und dich selber aufgeben musst du auch gar nicht. machst du evtl. anfangs weil du nicht anders kannst. das braucht dich aber nicht zu beunruhigen. ich wünschte, mir hätte das jemand in den ersten wochen gesagt. ich fühlte mich, als wäre mein leben wie es war komplett vorbei. das muss man auch erstmal verkraften, bevor man wieder zurückfindet und wieder klarkommt.

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    1. 🙂 Ach es gibt gute und schlechte Tage im Moment. Manchmal frage ich mich, ob ich mir nicht doch zu viel zugemutet habe und ob das mit dem Baby jetzt echt sein musste und an anderen Tagen freue ich mich riesig und bin voller Tatendrang und kann es gar nicht erwaten, dass sie endlich mal schlüpft. So wird es wohl nach der Geburt auch sein: es ist vom Moment abhängig. Aber gut zu wissen, dass jemand wie du mit ähnlicher Sichtweise mir sagt, dass man daran wächst 🙂 Ich hoffe, du behältst Recht!

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  2. Ach so, eine Sache noch – bist du schon in einem Geburtsvorbereitungskurs? Mir hat das damals sehr geholfen – der Kontakt mit den anderen Frauen. Da sind einfach alle in der gleichen Situation, die verstehen deine Probleme und leiden auch drunter. Und mir hat das auch voll die Angst vor der Geburt genommen oder auch so allgemeine Zweifel, wie z. B. werde ich überhaupt für das Kind sorgen können.
    Man merkt da nämlich, dass auch die anderen ihre Ängste haben und in Sachen Baby genauso planlos sind wie man selber.

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  3. Solche Gedanken sind normal, es nervt einfach manchmal. Mir geht’s jetzt auch so, wenn ich z. B. mal sage, dass der Kleine grade stressig ist; dann sagt jeder, dass er doch soooooo brav ist und wie ich das mal mit zwei Kindern machen will. Oder wenn wir irgendwo zu Besuch sind, hab ich immer das Gefühl, wir hätten gar nicht unbedingt dabei sein müssen, Hauptsache der Kleine ist da.
    Ich hatte auch ähnliche Gedanken; klar, man freut sich auf das Baby, aber man würde auch gerne noch als eigener Mensch wahrgenommen werden. Und weil einem alle Welt einredet, wie sehr man das Kind doch sofort liebt, fühlt man sich auch gleich als Rabenmutter. Ich verrate dir mal was: Der Kleine war grade drei Tage alt, wir grade aus dem Krankenhaus daheim, null Ahnung von Babys, entsprechend überfordert, der Kleine schrie rum und da dachten wir beide unabhängig voneinander: Haben wir jetzt echt ein Kind gebraucht??

    Und trotz aller Zweifel – wenn das Baby da ist, macht man eben was nötig ist. Und das macht einen dann zur guten Mama und nicht, dass man nie von irgendwas genervt ist.

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  4. Hallo Du,
    krieg jetzt keine Panik, über das was ich nun schreibe.
    Ich bin übrigens am 20.12. Onkel geworden und kann Deine Gedanken recht gut einschätzen.

    Lass Dich mal checken, obs Du nicht leichte Ansätze einer Schwangerschaftsdepression hast.
    Für meinen Teil lese ich einiges so raus.

    Übrigens erschreckenderweise ist es vollkommen normal, dass Du Dich mindestens einmal
    mit Deiner Mutter richtig in die Haare kriegst.

    Ehrlich gesagt finde ich es überhaupt nicht abwegig, wenn Du den ersten Tag keinen Besuch
    möchtest. Für Dich und auch das Baby ist eine Geburt auch viel Stress.

    Für das Kind wirst Du immer die beste Mama und Supermama sein.

    Was ich Dir anbieten kann:
    Meine Freundin hat ja zwei Kinder aus erster Ehe
    und ich kann Dir den Kontakt herstellen.
    Manchmal ist es nicht verkehrt, wenn man mit einem „Fremden“ spricht, der aber
    Ahnung hat 🙂

    Ach ja und warum solltest Du nicht 4 Wochen nach der Geburt zur Kommunion fahren.
    Nur über soetwas mache Dir einfach keine Gedanken.
    Versuche über sowas drüberzustehen.

    Deine Mama wird immer Deine Mama bleiben und für Deine Mama bist Du irgendwie
    immer ihr Kind. Also will Sie Dich nun auch behüten und beschützen.
    Mütter sehen nicht, dass Du auch Deine Erfahrungen machen musst.

    Und deswegen wird ein Streit vorprogrammiert sein.
    Aber mache Dir darüber keinen Kopf.
    Es sind halt verschiedene Ansichten.

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    1. Keine Schwangerschaftsdepression, schwöre 🙂 Es gibt gute und schlechte Tage und wenn ich dann alles in einem Blogeintrag konzentriere, dann klingt das vielleicht etwas dramatisch. Aber ich bin nicht von morgens bis abends so 😉 Ich mach mir nur, wie immer und bei allem, zu viele Gedanken, schätze ich… viele Sachen nerven einfach und werden irgendwann mal zu viel.

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  5. Wer betreut dich denn hinterher? Eine Hebamme, die grad da ist, oder die, die bei der Geburt dabei war?
    Weißt du, wir haben das ja zur Hochzeit schon mal durchgekaut. du musst jetzt echt mal nein sagen. Es kann nicht sein, dass man dich laufend so übergeht und nicht auf deine Wünsche achtet. Wenn du deine Ruhe nach der Geburt willst, dann muss das doch wohl mal akzeptiert werden! Die einzigen, denen man in der Situation wohl nicht verwehren könnte zu Besuch zu kommen, wären die Eltern und vielleicht noch Geschwister. Aber alle anderen können doch wohl einen Tag warten?!

    und ich denke die Autorität kommt noch 😉 das Kind wächst und du wächst mit dem Kind. Und es lernt sprechen und versteht irgendwann ein „Nein“, im Gegensatz zum Kater der nur „miau“ kann 😉

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