Mit stolz geschwelltem Bauch

Wir befinden uns nun im sechsten Monat und haben die Halbzeit erreicht. Noch immer bin ich frei von Übelkeit (meistens jedenfalls) und brauche keine Medikamente mehr. So langsam gelingt es mir auch, da die übertriebene Vorsicht abzulegen, so dass ich gestern zB auch in die Sauna gehen konnte, ohne mich pauschal aus Angst mit Tabletten vorzubereiten. Es ging auch alles gut. Ich habe meinen Bauch durch die Saunalandschaft vor mir her getragen und ihn allen gezeigt. Inzwischen ist er groß genug, um auch von Unwissenden als Babybauch entlarvt zu werden.

Mir passen keine eigenen Jeans mehr. Ich habe nur noch eine einzige, die ich unter dem Bauch verschließen kann, so dass sie noch tragbar ist. Deshalb habe ich mir eine Umstandshose gekauft und ich muss sagen, dass es sich schön anfühlt, wenn der Bauch komplett von einem Bauchband eingewickelt ist. Zwei Hosen werden aber wohl kaum reichen bis zum Ende. Kinder sind teuer und das fängt schon vor der Geburt an!

Wer schon lange meinen Blog liest (vormals auf Blog.de), weiß, dass ich es schwer habe, nein zu sagen und mich durchzusetzen. Nun hatten wir aber schon einige Situationen, in denen ich wegen des anstehenden Nachwuchses energisch „Nein“ sagen musste. Und ich bin sehr stolz, dass mir das einigermaßen diplomatisch gelingt. Ich habe zB eine Freundin, die mich fragte, ob ich Babykleidung von ihrer Nachbarin haben wollen würde. Ich hatte das mal pauschal bejaht, weil ich nicht damit gerechnet habe, dass sie einen waschmaschinengroßen Karton mit pink-rosa Babyklamotten anschleppt. Aber sie meinte es ja gut, ne? Also habe ich mir ein paar Teile rausgesucht, die neutrale Farben haben und mir auch gefallen haben und damit war das Thema für mich durch. Dann hat sie aber angefangen, mir alle Nase lang Bilder zu schicken von allem, was ihre Nachbarin aus dem Keller geräumt hat: Kinderwagen, Buggy, Autositz, Babytrage, Babyschaukel, Milchpumpe, so ein Flaschenreinigungsdings… und ich war dann zunehmend genervt. Zum einen will ich echt nicht alles gebraucht kaufen und zum anderen hatte das schon was von „Endlich hab ich jemanden gefunden, an den ich mein ganzes Zeug loswerde“. Ich habe dann ganz deutlich gesagt, dass es jetzt mal gut ist und wir uns melden, wenn wir was brauchen.

Meine Schwiegermutter hat genauso angefangen. Sie hat drei Kinder und einen Dachboden voll mit allem, was sie von denen aufgehoben hat. Und sie hat wirklich alles aufgehoben. Sie schickte mir letzte Woche Bilder von unfassbar hässlicher, 28 Jahre alter Baby-Bettwäsche, die sie auf dem Dachboden gefunden hat. Und dabei haben wir noch nicht einmal eine Matratze, geschweige denn Bettzeug fürs Baby gekauft. Außerdem sind wir der Meinung, dass es mit einem Schlafsack erstmal gut ist. Da reißen sowieso immer alle ganz erstaunt die Augen auf. Als ich dann sagte, dass wir im Moment nichts wollen und brauchen, hat sie zumindest insoweit nachgegeben, dass sie sagte, das könne sie ja auch behalten, falls das Baby mal bei ihr schäft… hat auch einen gewissen Beigeschmack, der mir nicht gefällt, aber das ist eine andere Hausnummer.

Man kann ihnen ja keinen Vorwurf machen und so viel Engagement rührt mich auch. Aber was sie alle nicht verstehen wollen, ist, dass wir jetzt nicht „bedürftig“ sind und schon auch stolz behaupten wollen können, dass wir unserem Kind dies und jenes selbst gekauft haben. Und viele Dinge sind auch einfach Geschmackssache oder müssen vorher im Laden getestet werden. Bei einigen Sachen haben wir einfach ganz andere Vorstellungen und Qualitätsansprüche. Es hat auch was mit eigener Entscheidungsfreiheit zutun, da muss man sich nicht jede Gardine und jedes Fläschchen aufdrängen lassen, nur weil man ein paar Euro spart.

Im Grunde haben wir ganz schnell gelernt, dass wir gut damit zurecht kommen, Dinge einfach nur untereinander zu entscheiden. Alles, was wir wollen, ist wichtig und dass wir anderen gegenüber an einem Strang ziehen. Das funktioniert überraschend gut 🙂 In den elementaren Dingen sind wir immer einer Meinung. Das war schon immer so und es ist auch jetzt in Sachen Nachwuchs so. Wenn wir uns dann noch auf einen Namen einigen können, ist alles perfekt. Allerdings wird das Kind vermutlich für immer namenlos bleiben … 😉

Ansonsten genieße ich im Moment alle Aufmerksamkeit. Ich fand es gut, dass man mir in der Sauna immer auf den Bauch geguckt hat (statt auf die Brüste – das muss man sich mal vorstellen, Mädels!!). Ich fand es gut, dass meine Kollegin neulich ganz entsetzt „Ich mach das schon“ gerufen hat, als ich einen Stuhl von A nach B getragen habe, obwohl sie mich hasst. Und ich finde es auch irgendwie gut (obwohl fragwürdig), dass sich viele Bekannte jetzt regelmäßiger bei mir melden, weil sie neugierig sind.

Da lasse ich es mir auch halbwegs gefallen, dass alle anderen immer alles besser wissen und jeder besser weiß, was gut für mich ist und wie ich mich bestmöglich zu ernähren habe 😀

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16 Gedanken zu „Mit stolz geschwelltem Bauch

  1. Ja dieses reinreden wollen und dieses einem ständig Zeug andrehen. Das ist echt schlimm beim ersten Kind. Aber beim 2. Kind wird es besser! 😉

    Wie oft habt ihr schon des Spruch gehört: „Jetzt könnt ihr das noch genießen, aber wartet erst mal wenn das Kind da ist“ ?

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    1. Dieser Spruch kommt bei nahezu jeder Unterhaltung… ich habe auch schon die anderen Klassiker gesagt bekommen, etwa „Schwangerschaft ist keine Krankheit“ und „WAS? Du nimmst MEDIKAMENTE? Das ist gefährlich fürs Kind!“ und „Du kannst nicht den ganzen Tag nur Joghurt/Weintrauben/Kekse essen“ (je nachdem, was ich gerade in der Sekunde halt esse … als Schwangere büßt man offensichtlich aus Sicht der Umwelt zeitweilig seinen kompletten Verstand ein.

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  2. DU bzw. Ihr macht das schon ganz richtig so. Es ist EUER Baby und da habt nur ihr zu entscheiden. Bleibt bei diesem Weg, alles Wichtige gemeinsam zu entscheiden, dann kann nichts schief gehen.
    Omas und Opas sind eh ein Fall für sich. 😉
    Und was du ißt und worauf du Hunger hast, geht auch nur dich was an. Mein liebstes Essen während der Schwangerschaft: Holländische Frikandel, Oliven und Cocktailkirschen. Am Besten alles zusammen und alles auf einmal. Heute gruselt mich das, aber damals hat es mir geschmeckt. 😉

    Weiterhin alles Gute.
    *wink*
    Caro

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    1. Haha, das ist ja sehr exotisch 😉 Ich werde immer für das angemeckert und belehrt, was ich in der Sekunde gerade esse. Nichtmal Obst ist meinem Umfeld gut genug. Man macht sowieso alles falsch 😉 Du kommst tatsächlich in einen Zustand zurück, in dem dir echt niemand auch nur irgendwas vernünftiges zutraut 😉

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  3. Meine Schwester hatte auch nur einen Schlafsack. Sie hat mir erklärt, dass man gar keine Decken mehr nehmen soll, das Kind könnte sich damit ersticken… Das hat die Hebamme wohl so erklärt…
    bei dem ganzen Kluggescheißer frag ich mich, wie die Kinder vor 20, 30 oder 100 Jahren groß geworden sind 😉

    Gut, dass ihr zwei euch so einig in den wichtigen Dingen seid und gut, dass du das Nein-Sagen schon mal jetzt üben musst. später kommt das bestimmt noch öfter mal vor 😉

    Übrigens hab ich geträumt, dass ihr euer Kind Lina nennt 😀

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    1. Lina? 😉 Finde ich schön. Ich will ja gerne „Lena“, aber mein Mann hasst den Namen, weil er mal mit einer hochgradig egoistischen, Trinkgeld klauenden Kellnerin namens Lena zusammen gearbeitet hat und weil der die Meyer-Landrut (oder wie die sich schreibt) nicht leiden kann 😉

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      1. ja, weiß auch nicht, wie ich darauf gekommen bin 😀
        ich kann seine Abneigung nachvollziehen. 1. ist die Meyer-Landrut doof und 2. ist das einfach so. Wenn man jemanden kennt der richtig doof ist, dann findet man auch den Namen blöd und will natürlich nicht, dass sein Kind so heißt.

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  4. Vor diesem „Reinreden“ von anderen habe ich heute schon „Angst“, wenn ich daran denke, dass ich irgendwann ja auch mal Kinder haben möchte. Vor allem was meine Schwiegermama in Spe angeht, werde ich oft wahrscheinlich so klugscheißer Besserwisserei unter die Nase gerieben bekommen. Aber da muss wahrscheinlich jeder durch 😀

    Trotzdem klingt schwanger sein nach einer im Grunde schönen Zeit. Behaupten ja sowieso immer alle (:

    Alles Gute (:

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    1. Im Grunde hilft die fundierteste Recherche und das sinnvollste Argument nichts: das muss man einfach nickend und lächelnd zur Kenntnis nehmen – oder eben auch mal sehr sehr deutlich werden. Als nächstes werde ich sagen: „NEIN, du kannst deine vergilbten 80er-Jahre-MickeyMaus-Gardinen behalten… oder wegwerfen! „

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  5. Hallo liebe Freundin! 🙂
    Also ein so altes Stück für das Kleine aus nostalgischen Gründen würde ich okay finden.
    Aber doch keine ganze Ausstattung.
    Was Omas und Opas angeht, da kommt vielleicht auch noch etwas auf Dich zu. Ich spreche aus Erfahrung…
    Aber noch ist es ja nicht so weit. 😉
    Mach es Dir schön!!!
    Gruß Karen

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    1. Gebrauchte Sachen sind ja grundsätzlich was Gutes. Man sagt auch bei Kleidung, dass die besser sei als Neuware, weil sie eben schon ganz oft gewaschen wurde. Aber ich will doch gerne noch das ein oder andere besondere Teil haben, das eben einfach von MIR ist. Meine Mutter zB hat den Strampler behalten, den ich als erstes nach der Geburt getragen habe. Sowas will ich auch. Und dann will ich eben nicht unbedingt, dass ich das mit der Erinnerung an denjenigen verbinde, der ihn an mich verschenkt hat, sondern das Teil soll dann nur von mir sein (:

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