Vergessene Freundin?

Seit der 1. Klasse hatte ich diese Freundin. Wir waren Nachbarn, besuchten die selbe Klasse und sahen uns über Jahre jeden Tag, bis wir das kleine heimische Dörfchen verließen und umzogen. Uns trennten nun 30 Minuten Autofahrt, was unsere Eltern noch über ein Jahrzehnt in Kauf nahmen, wenn sie uns die Wochenenden über zueinander fuhren. Mit ihr erlebte ich so viele prägende Dinge unserer gemeinsamen Teenagerzeit. Ich sah immer zu ihr auf und glaube, sie hätte von uns beiden das coolere Leben, die cooleren Eltern, war überhaupt um Längen cooler als ich, weil sie immer alles durfte, wusste und so einen großen Rundumblick im Leben zu haben schien. Heute weiß ich, dass unsere Interessen einfach vollkommen unterschiedlich waren. Sie interessierte sich für Filme, Schauspieler, Musik, besuchte Festivals und Konzerte und mir ist das bis heute alles nichts, nicht in dieser Intensität. Weil ich ihr aber so nacheiferte, gab ich mir selbst lange nicht den Raum für eigene Interessen, den ich vielleicht gebraucht hätte. Doch was wussten wir schon, damals mit 15 oder 16 …

Sie lernte meinen heutigen Ehemann sogar noch kennen, doch als ich vor 11 Jahren nach Berlin zog, ebbte der Kontakt vollends ab. Ich kann heute wirklich nicht mehr sagen, warum. Ob da ein Streit vorausging? Ich glaube, mich an keinen zu erinnern. Es war einfach so – wir hatten ganz verschiedene Freundeskreise und Leben, und schlussendlich entdeckte ich meine eigenen Hobbys, die mit ihren nichts gemeinsam hatten und nun trennten uns von einem auf den anderen Tag auch noch 400 km.  Vielleicht ist das einfach so, wenn man erwachsen wird.

Jetzt bin ich mit meiner Familie wieder hergezogen, in eine Stadt, die keine 10 km von dem Ort entfernt ist, in dem wir gemeinsam aufgewachsen sind, Nachbarn waren und zur Schule gegangen sind. Ich kann hier kaum eine Ecke in der Stadt durchqueren, ohne sie mit einer Erinnerung zu verbinden, die mit ihr zutun hat. Das ist wirklich merkwürdig. In den letzten Monaten habe ich mich aber nicht getraut, einfach mal hinzufahren. Denn das ist meine einzige Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen, da ich weder bei Facebook vertreten bin noch eine Telefonnummer existiert.

Ich bin dann vorletzte Woche doch mal hingefahren. Ihr Name steht noch an ihrer Klingel und ihr Briefkasten quoll über vor Post. Zu Hause war sie nicht, also vielleicht im Urlaub, war meine Schlussfolgerung. Heute bin ich dann noch einmal hingefahren.

Als ich gerade mit dem Auto ihre Straße entlang auf ihr Haus zu fuhr, sah ich sie und ihre Eltern, wie sie gerade gemeinsam ins Auto einstiegen. Ich war aber noch zu weit weg, um neben ihnen anzuhalten und hallo zu sagen. Als ich auf ihrer Höhe war, waren sie schon los. Natürlich hätte ich jetzt hysterisch hupend ran düsen und „Hallo“-brüllend aus dem Auto springen können, das schien mir aber nicht so angemessen. Unsere erste Begegnung nach 10 Jahren stelle ich mir dann doch ein bisschen „romantischer“ vor 😉 … wobei natürlich die Möglichkeit besteht, dass sie mir die Tür einfach vor der Nase zuknallt.  Diese Option möchte ich ihr natürlich lassen, was nicht möglich ist, wenn ich sie derart überfalle, wenn sie gerade auf dem Sprung ist. Die waren auch alle drei schick angezogen – sicherlich hatten sie irgendwas größeres vor. Es war aber schon komisch, im Auto zu sitzen und zuzulassen, dass sie mir „vor der Nase wegläuft“.

Ich habe einen Zettel mit meiner Nummer in ihren Briefkasten geworfen. Vielleicht meldet sie sich ja. Was ich von einem erneuten Kontakt erwarte, weiß ich eigentlich noch gar nicht.

 

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Stirb! Du auch! Und du! Und du! Und du…

Eine Nebenwirkung davon, auf dem Land zu wohnen, ist es, dass man gezwungen wird, seinen Müll ordentlich zu trennen. Das zieht Disziplin nach sich, die an den Tag zu legen mir ja bekanntermaßen ein Gräuel ist. So trug es sich zu, dass ich zwei Tage lang vergaß, den Biomüll zu entsorgen. Eine bittere Folge davon ist die Invasion von lästigen, ekligen Obstfliegen, die sich in der Küche verbreitet haben. Die, die keine Lebensmittel finden können, setzen sich im Zweifel übrigens auch auf den Spülschwamm, falls ihr das noch nicht gewusst habt – und auf die Deckel von Saftflaschen wohl in Erwartung daran, dass die Flasche irgendwann mal auf gemacht wird. Was…?! Sind die evolutionsbedingt etwa klüger geworden?… Nein. Sind sie nicht. Denn ich habe eine sehr effektive Falle gebaut, deren Wirksamkeit ich schon oft positiv getestet habe!

Man schneide eine Plastikflasche in der Mitte durch, drehe den oberen Teil um und stecke sozusagen den Hals der Flasche in den Unterteil. Oder man bastle einen Trichter wie folgt:

Das lustige ist: die Viecher finden rein, besonders schnell, wenn man Banane rein legt, kommen wegen der kleinen Öffnung aber nicht mehr raus.

Man hat dann zwei Möglichkeiten.

1. Die Öko-Karma-Variante: man nimmt die Flasche und entlässt die Fliegen 25 km von der eigenen Küche entfernt oder unter dem Fenster eines ungeliebten Nachbarn (Karma = 0) wieder frei.

2. Die Konstruktion so, wie sie da steht, in eine Mülltüte tun, fest zu machen und sie zum Ersticken in die Tonne nach draußen werfen.

Ich habe mich heute für beide Varianten entschieden, also erste Ladung frei gelassen, zweite Ladung (siehe Foto) wird dann spätestens morgen nach dem Aufstehen radikalstens abgemurkst. Noch ist also Zeit für eine Petition.

Besetzt!

Gestern wollten wir in der nächsten Großstadt auf einen Rummel gehen und fuhren mit dem Auto an. Nach ewigem Rumkurven auf der Suche nach einem Parkplatz fanden wir auch einen, der perfekt war: in der Nähe, gut gelegen zum wieder-raus-fahren, groß genug um das Kind hinten aus dem Kindersitz zu bugsieren und im Schatten! Es gab da nur einen kleinen Haken: mitten auf dem Parkplatz stand ein alter, kleiner, dickbäuchiger Mann, mit grauem Haar und dämlich-provokant grinsend. Mein Mann fuhr halb in die von ihm besetzte Lücke, öffnete dann das Fenster und sagte ganz charmant: „Könnten Sie bitte weg gehen?“… Der Mann grinste noch breiter, ein richtig freches grinsen wie so ein 8jähriges Kind, das gerade Spaß daran hat, ein kleineres Kind zu quälen, so richtig dreckig und sagte: „Da hinten sind noch Parkplätze frei. “ Mein Mann lachte fassungslos und sagte: „Ja, und hier ist auch einer frei! Gehen Sie bitte weg!“ und der wieder: „Nein.“… Tja. Was wäre wohl passiert, wenn wir ausgestiegen und ihn weg geschubst hätten? 😉

Wir haben dann gewendet und einen der anderen Parkplätze genommen. Die waren nicht so toll, aber das Auto war halt geparkt.

Und als wir aussteigen sahen wir, dass eine Frau den freien Parkplatz neben uns besetzte. Während wir Kinderwagen und Co. aus unserem Auto holten, gab die Frau den Parkplatz auf und ging zu der kleinen Witzfigur, die den schönen Parkplatz besetzt hielt! Da hat also ein Ehepaar gemeinsam zwei Parkplätze „freigehalten“ und letztendlich gaben beide ihre Position auf, als wir soweit waren dass wir an ihnen vorbei auf das Fest zuspazierten.

Ich fragte den Mann mit seinem rosa Polokragen-Shirt und karrierter Golfshorts im Vorbeigehen: „Ach, haben Sie die Besetzung aufgegeben?“ und er sagte sogar noch „Ja.“ und lachte richtig dümmlich und provokant.

Also da könnte ich echt rein schlagen in solche Fressen. Für wen haben die wohl frei gehalten? Für das einzige heißgeliebte Töchterchen, das in seinem Leben nie etwas selbst zu machen braucht?

„Hä?“ vs „Mir doch egal“

In meinem neuen Job muss ich jetzt auch zeitweilig die Patienten am Empfang begrüßen. Dazu gehört es, jeden von ihnen nun auch mit der neuen DSGVO zu belästigen. Die meisten nicken wissentlich, weil sie vor uns schon mindestens einen anderen Arzt gesehen haben. Manche sind genervt und viele, die meisten eigentlich, kapieren gar nicht richtig, worum es geht. Auf einem Zettel steht gut erklärt, was wir mit ihren Daten tun möchten und welche Rechte sie haben und sie können entweder zustimmen oder ablehnen (und werden dann nicht behandelt). Die wollen dann aber nur hören, wo sie ankreuzen und unterschreiben müssen und wollen das alle nicht lesen. Ich hatte noch keinen, der abgelehnt hat, es sei denn, es passierte aus Versehen. Denn viele unterschreiben einfach oben und unten, wodurch sie zustimmen und gleichzeitig ablehnen, was sich halt widerspricht. Neben den Patienten, die diesen Zettel nicht lesen oder nicht verstehen gibt es auch solche, die nicht unterschreiben können, zb weil sie ein mega Notfall oder gar nicht ansprechbar sind. In diesen Fällen behandelt man und geht somit von stiller Zustimmung aus.

Und wisst ihr, was wir mit diesen Zetteln dann machen? Es kommen am Tag ungefähr 100 bis 120 Stück zusammen, wenn nicht mehr an vollen Tagen: wir werfen sie in eine Kiste unter dem Tisch. Und wenn die voll ist, schreiben wir „von x bis y“ drauf und dann verstopft sie für 30 Jahre das Lager. Denn den Scheiß braucht niemand mehr, weil zusätzlich ein Vermerk in der digitalen Akte gemacht wird.

Modernere Dinge, etwa wie die Patienten auf einem Tablet unterschreiben zu lassen, gehen bei uns nicht. Die Hard- und Software ist so alt, die Chefs und Kollegen auch, da muss man richtig viel Geld investieren – und wer macht das schon?

Also echt, das ist sowas von absurd.

Und gleichzeitig hat man in dieser Praxis auch etwas Mut zur Lücke… Denn eigentlich müsste man, wenn zb die Frau eine Vollmacht von ihrem blinden Mann hat und den Zettel für ihn unterschreibt, auch eine Kopie der Vollmacht dazu heften. Mit „ach egal“ kommentierten wir dann die Problematik, dass diese Vollmacht von der Dame vergessen wurde… Was soll’s. Die wird uns schon nicht verklagen.

Und wenn doch, dann wissen wir ja ungefähr, in welcher Kiste das Zettelchen liegt.

Müffelo

Die Kommunikation mit unserer Zweijährigen ist manchmal schwierig. Dialog mit ihr vorhin, als wir über ihren Tag im Kindergarten quatschen:

Kind: „Dann ich weiter in den Kindergarten gehen, dann wenn ich Müffelo habe dann fragt die ‚Wer hat ein Müffelo?‘ Ich hab ein Müffelo!“

Ich: „Was ist denn heute immer dieses Müffelo?“

Papa zum Kind: „Was ist Müffelo?“

Kind erklärt: „Wenn Kinder ein Müffelo; alle Kinder haben ein Müffelo!“

Papa stutzig zu mir: „Was ist ein Müffelo?“

Ich: „Ich weiß nicht, google das doch mal…“ [gibt nur ein Bild einer Illustratorin]

Kind: „Das stimmt! Helena hat ein Müffelo!“

Papa: „Helena hat ein Müffelo?“

Kind erfreut, weil endlich einer versteht: „Ja!“

Papa: „Aber was ist ein Müffelo?“

Kind: „Kacka machen muss die!“

Papa: „Die muss Kacka machen?“

Kind wenig hilfreich: „Müffelo hat ein Kacka.“

Papa versichert sich: „Müffelo hat ein Kacka gemacht?“

Kind überlegt kurz: „ja! Macht die Kacka!“

Papa: „Hast du auch ein Müffelo?“

Kind verzieht das Gesicht: „Neeee!“

Papa rät weiter: „Willst du mal ein Müffelo haben?“

Kind: „Jaaa…“

Papa verwirrt: „Wo kriegt man denn ein Müffelo her?“

Kind erläutert: „Kacka macht!“

Mama liegt derweil vor Lachen schon weinend am Boden.

Papa hakt nach: „Wenn man Kacka macht, hat man ein Müffelo?“

Kind, als wäre das logisch, erklärt daraufhin: „Dann muss Tina wickeln!“

Papa wiederholt: „Dann muss Tina wickeln?“

Kind, schon etwas genervt: „Ja…“

Papa: „Wenn du Kacka machst?“

Kind: „Ja!“

Papa: „Aber was hat das mit einem Müffelo zutun? Oder müffeln?“

Kind wiederholt auch nur noch, beschäftigt sich nebenbei mit Knete: „Oder müffeln!“

Papa: „Wenn du Kacka machst, dann müffelt es?!“

Kind teilnahmslos: „müffelt es!“

Papa fasst zusammen: „Also hat Helena Kacka gemacht und dann hat sie gemüffelt?“

Kind: „Ja! Hier stinkt’s – wer hat ein Müffelo gemacht?!“

AHA!

Also, wenn ihr mich fragt, dann ist „Müffelo“ das coolste Synonym für „Kacke“, das ich je gehört habe!

 

Die neue Arbeit (mal wieder)

Heute war mein zweiter Arbeits(halb-)tag im neuen Job in der neuen Heimat. Zum Glück hat sich das kleine Cornflake inzwischen an den neuen Kindergarten gewöhnt und weint jetzt morgens nicht mehr, wenn man sie dort zurück lässt.

Ich arbeite nun von 8:30 bis 12:30 bei einem Radiologen als Medizinische Schreibkraft. Das heißt, zumindest bis auf weiteres, dass ich das machen kann, was mir am meisten liegt: schreiben. Natürlich nach Diktat, aber da ich außerordentlich schnell schreibe, ist es im Grunde egal, ob ich eine Klageschrift (wie ursprünglich gelernt), einen Bauantrag (wie zuletzt in Berlin) oder eben einen Arztbericht (wie jetzt) schreibe. Natürlich enthalten die Arztberichte sehr viele Begriffe, die mir neu sind. Da ich weder Latein kann, noch Erfahrung in der Medizin habe, wird das etwas herausfordernd sein. Ich bin bisher so verfahren, dass ich mir die Worte, die öfter vorkommen, aufgelistet habe und das hat auf jeden Fall etwas gebracht. Meine Kolleginnen kontrollieren natürlich noch jeden Bericht und sagen aber, dass es dafür, dass das komplettes Neuland für mich ist, total gut läuft und ich total schnell wäre. Da muss ich natürlich aufpassen, dass sie mir für den Anfang nicht zu viel zutrauen, nur weil ich so schnell schreibe. Denn das Schreiben des Arztbriefes ist ja nicht alles. Ich muss auch lernen, wie man das in der mir völlig fremden Ärztesoftware verwurstet, wie man das am Ende abrechnet und und und. Aber ein Schritt nach dem anderen…

Die Kolleginnen sind alle nett. Tatsächlich ist das ein Haufen Weiber und keine von ihnen ist jünger als ich, die meisten sind sogar schon richtige Großeltern, den Chef eingeschlossen. Da wird nicht mehr rumgezickt, da wird nur über Patienten gelästert. Falls ihr es noch nicht wusstet: wenn ihr mal zum MRT oder CT müsst, dann werdet ihr hinter den Kulissen so bezeichnet wie das zu untersuchende Körperteil. Heute erst wieder: „Ich bin hier mit dem Thorax gleich fertig, dann kannst du den Fuß bringen“ …ja, ist klar 😉

Und eine Kollegin drückte mir eine Akte in die Hand und sagte: „Kannst du mal zum MRT laufen und fragen, wann die Patientin dran kommt?“ und wo laufe ich hin? Zum CT … naja. Fanden sie alle witzig 😉 Muss der Brüller für die sein, wenn die da alle schon seit 10 oder 20 Jahren arbeiten, einige haben noch nie eine andere Praxis in ihrem Arbeitsleben gesehen, und dann kommt da so eine wie ich um die Ecke, jung, unerfahren, … da kriegen die auf ihre alten Tage noch mal was zum Lachen.

Mein Chef diktiert nicht mit einem digitalen System, das die Audiodatei per E-Mail oder in ein Programm verschickt, sondern auf eine olle Kassette. Eine kleine olle Kassette, die man immer vor und nach dem Diktat zurück spulen muss 😀 Tatsächlich musste mir eine von den Großmüttern erstmal zeigen, welche Knopf man drücken muss, wenn man den Inhalt auf dem Band löschen will.

Außerdem verfügen nur zwei Rechner über Internet. Und das Betriebssystem ist Windows XP. Und heute habe ich auf dem Rechner, an dem ich gearbeitet habe, das kleine Auge von winVNC gesehen. Mit diesem kleinen Programm kann der Admin von seinem Rechner aus auf meinen Rechner zugreifen, also die ganze Zeit über gucken, was ich mache. Im Grunde ist das nicht schlimm, denn man macht da ja nichts weiter. Man schreibt einfach die ganze Zeit seine Diktate und dann ist gut. Die haben da doch alle gar keine Zeit, irgendwas anderes zu machen. Ich bezweifle allerdings, dass die Großmütter dort das Programm kennen und dass es ihnen aufgefallen ist. Informiert hat mich darüber jedenfalls keiner, meine Erlaubnis erteilt habe ich auch nicht. Jetzt bin ich ein bisschen zwiegespalten. Den Job würde ich gerne behalten. Heißt das also, dass ich mich ausspionieren lassen soll in dem Wissen, dass ja nie irgendwas zu finden sein wird? Den Chef darauf anzusprechen ist sicherlich riskant. Vielleicht hat er schlechte Erfahrungen gemacht und deshalb das Programm in Verwendung – und wer sich beschwert, macht den Anschein als hätte er was zu verbergen, oder?

Gut erzogen

Mein kleines, zweijähriges Cornflake ist (bis hierhin zumindest schonmal) gut erzogen!

Das hat die gestrige Szene im Supermarkt gezeigt, doch zunächst möchte ich euch schildern, wie das kleine Menschlein normalerweise reagiert, wenn es von Fremden angesprochen wird. Sie ist überaus defensiv und schüchtern, wenn sie in eine neue Situation kommt und braucht eine ganz schön lange Aufwärmphase. Wenn die Bäckerin sie morgens fragt, ob sie einen Keks geschenkt haben möchte, strahlt sie über beide Ohren, nimmt den Keks auch, das „Danke“ kommt dann aber erst auf dem Heimweg, weil sie zu schüchtern ist und in der passenden Situation nicht die Zähne auseinander kriegt. Aber ich finde das gut so. Fremden gegenüber darf sie durchaus zurückhaltend sein. Die Offenheit kommt schon noch mit dem besseren Erfassen und Einschätzen dieser großen, weiten Welt, da bin ich mir sicher. Bekomtm sie etwas von bekannten Personen, etwa von Oma und Opa, dann zeigt sie durchaus ihre Freude, das „Danke“ vergisst sie aber oftmals oder ist so überwältigt von dem Schokoriegel/Kuscheltier/wasweißich, dass sie grinsend ihr Gesicht in meinen Haaren vergräbt oder sich beschämt wegdreht.

Umso erstaunter war ich gestern in besagter Supermarktsituation. Ich lief mit ihr auf dem Arm durch die Gänge, sie wiederum trug ihren „Wauwau“. Dieser fiel ihr dann herunter und ich war gerade dabei, sie abzusetzen, damit sie ihn selber wieder aufheben kann, als ein fremder Mann ihr zuvor kam und ihn ihr zurück gab. Dann ging er weiter, um einen Karmapunkt bereichert, doch das kleine Cornflake rief noch hinterher in ihrem Kleinkindsprech: „Oh, auf-e-hebt! Das ist lieb! Danke!“ – der Mann drehte sich amüsiert um und freute sich. Und ich erst! Meine Güte – war das mein Kind? Ja, das war tatsächlich mein Kind, das sich da soeben lauthals bedankt hatte. Ich lobte und bestätigte sie sofort, nahm sie wieder hoch und trug sie voller Stolz mit einem „Das-ist-mein-super-Kind-Grinsen“ weiter durch den Laden.

Da is’se wieder: die Arbeitswelt

Genug vom Arbeitsamt gelebt, dankeschön an euch alle, ihr arbeitenden Menschen da draußen, dafür, dass ich meinen Mann in den vergangenen zweieinhalb Monaten nicht um Geld bitten musste, wenn ich mir mal etwas kaufen wollte.

Nachdem wir nun Mitte März in die neue alte Heimat umgezogen sind und ich dadurch meinen Berliner Job aufgegeben habe, der der erste richtig coole meines ganzen Arbeitslebens war, habe ich hier ab Juni einen neuen Job gefunden, somit ist am Freitag mein erster Arbeitstag. Die Woche könnte auch anders starten, zum Beispiel montags, also soll darüber mal nicht geschimpft werden.

Ich bin ein bisschen nervös, ehrlich. Diese restlichen freien Vormittage zu Hause, während das Kind im Kindergarten ist, kann ich jetzt gar nicht mehr genießen. Einerseits ist da die Wehmut, die Zeit nicht richtig genutzt zu haben, was im Grunde Blödsinn ist, weil ich meine ganzen „Artzbesuche“ und „Papierkram“ – Projekte alle abgeschlossen habe, die im Alltag eben so anfallen. Ich hatte auch Zeit, mal bummeln zu gehen oder in der Sonne ein Buch zu lesen, ja. Dennoch kriege ich den Hals an Freizeit nicht voll genug, weil ich zu den richtig großen Projekten wie meiner Schreibleidenschaft gar nicht kam. Dafür brauche ich viel mehr und viel öfter Freizeit. Das mache ich dann, wenn das Kind von zu Hause ausgezogen ist.

Andererseits ist da jetzt dieser Druck, auf den letzten Metern noch alles zu erledigen, was man an freien Vormittagen ohne Kind eben am besten erledigen kann.

Außerdem, wie eigentlich vor jedem neuen Arbeitsbeginn schon immer so gewesen, beschleicht mich ein kleines bisschen Angst, dass das doch nichts für mich ist, dass ich es kacke finde, dass die anderen Kinder mich nicht mögen…

Gerade kann ich mich also nicht entspannen und die letzten Meter der „Zeit für mich“ genießen wegen diesem widerlichen Gefühlsmix aus Wehmut, Druck und Nervosität.

Jetzt denkt ihr: „Aber Nougatcornflake, du hattest jetzt einen ganzen Monat lang die Vormittage für dich!“ ja, klar! Ich rechne euch das mal vor:

8 Tage im Mai war mein Kind nämlich krank und zu Hause. 2 Tage waren Kita-Brückentage, an denen das Kind zu Hause war und 3 Feiertage waren auch noch dazwischen. Von 23 Werktagen und somit möglichen freien Vormittagen waren eigentlich nur 11 Vormittage für mich allein. An einem dieser 11 Tage habe ich mittags meinen Mann vom Bahnhof abgeholt. Bleiben also 10 ungestörte Tage für mich allein, an denen ich aber noch diverse Termine wahrgenommen und Erledigungen erledigt habe.
10 Tage sind kein ganzer Monat. Ich will mehr, mehr, mehr …

Leberfleckenwoche

Habt ihr euch auch schon mal gefragt, ab wann ein Mensch Leberflecken kriegt und woher die kommen?

Das kleine Cornflake ist jetzt 2 Jahre und 2 Monate alt (Für Muddis, weil ihr diese Art der Altersangabe ja nicht versteht: 112 Wochen) und hat am Knie ihren ersten kleinen Leberfleck. Er ist hell und winzig und wurde von mir nur durch Zufall gefunden. Seit dem erzählt sie aber jedem davon, dass sie einen neuen Leberfleck am Bein hat und zählt immer alle, die sie bei mir findet.

Aus gegebenem Anlass habe ich mal über die Entstehung von Leberflecken recherchiert. So enorm spannend scheinen sie für die Wissenschaft nicht zu sein, denn es gibt gar nicht allzu viel zu recherchieren. Abgesehen davon, dass Leberflecken auch angeboren sein können (dann sind es aber keine klassischen Leberflecken) oder durch Immunschwächen oder Hormonschwankungen entstehen und bösartig sein können, sind die ganz normalen, harmlosen Leberflecken, die jeder Mensch auf der Welt hat, von der Sonne verursacht. Durch die UV-Strahlung wird die Bildung von pigmentbildenden Zellen verstärkt, die sich in der Haut vermehren und einen Haufen bilden. Und das war es auch schon. Helle Haut + viel Sonne = viele Leberflecken.

Ein paar lustige Fakten der Rubrik „unnutzes Wissen“?

Die meisten Menschen haben im Durchschnitt 30 Leberflecken.

Auch dunkelhäutige Menschen haben welche, nur oftmals tendenziell weniger.

Bis zum 50. Lebensjahr steigt die Anzahl der Leberflecken.

Danach sinkt die Anzahl, denn die Leberflecken verschwinden wieder, wenn man richtig alt wird.

Verrückt. Wenn das kleine Cornflake 70 ist und das hier liest, dann sollte sie unbedingt mal checken, ob der Leberfleck Nr. 1 an ihrem rechten Knie noch vorhanden ist!

Was könnt ihr so über eure Leberflecken erzählen?

Interview Stammzellenspende

Mein Mann hat in dieser Woche seine Stammzellen gespendet und ich wollte euch gerne davon berichten. Ich dachte, bevor ich seine Worte nur sinngemäß in einen eigenen Text verpacke, lasse ich ihn lieber selber sprechen und habe ein kleines Interview daraus gemacht. Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt. Das habe ich ihn gefragt:

Deine Stammzellenspende ist jetzt fünf Tage her. Wie geht es dir?

Gut, ich habe noch leichte Nebenwirkungen der Spritzen, aber das ist kein Problem.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dich als Spender zu registrieren?

Ich hab irgendwann mal im Internet gelesen, dass man sich registrieren lassen kann. Daraufhin habe ich recherchiert, was es bedeutet zu spenden und fand es eine gute Sache.

Wo hast du dich registriert und was musstest du dafür tun?

Bei der DKMS kann man ganz einfach online das Registrierungsset bestellen. Ein Wattestäbchen kommt im den Mund, ein paar persönliche Fragen müssen beantwortet werden und fertig.

Und dann wurdest du tatsächlich kontaktiert! Wie ging es dann weiter?

Ich bekam per E-Mail die Information, dass ich als möglicher Spender in Frage käme und sollte mich telefonisch bei der DKMS melden. Mir wurde dann alles genau erklärt und alle waren sehr freundlich. Um herauszufinden, ob wirklich mein genetischer Zwilling gefunden wurde, sollte ich zu meinem Hausarzt zur Blutentnahme. Die DKMS vereinbarte für mich ein Termin und hat alles geregelt, ich musste also nur zum Termin erscheinen.

Etwa 4 Wochen später erreichte mich eine weitere E-Mail, in der stand, dass ich tatsächlich für diese Person spenden könnte.

Ab diesem Zeitpunkt war ich 3 Monate für den Patienten „reserviert“ (also nicht mehr über den normalen Suchlauf in der Spenderdatei zu finden) und musste dann darauf warten, dass die Ärzte einen Zeitraum festlegen, da der Gesundheitszustand des Patienten sehr schwankend sein kann. Ziemlich genau 3 Monate hörte ich nichts, bis ich von der DKMS mitgeteilt bekam, dass die Ärzte keinen Transplantationstermin festlegen konnten und ich wieder im normalen Suchlauf wäre. Es vergingen weitere 5 Monate und ich habe nicht mehr daran gedacht, spenden zu können, bis ich einen Anruf bekam: Es könnte nun zur Spende kommen und ob ich noch bereit dazu wäre. Natürlich war ich das.

Vor der Spende musstest du in die Spendeklinik reisen und dich untersuchen lassen. Wie lief das ab?

Ich konnte wählen zwischen einer Fahrt mit dem Zug oder mit dem eigenen Auto nach Köln. Ich reiste vormittags mit meinem Auto an und nach der Untersuchung direkt wieder ab. Alle Mitarbeiter der Klinik waren sehr freundlich. Es hab kleine Snacks in Form von belegten Brötchen, Gummibärchen, Obst und es gab Kaffee, Tee und andere Getränke. Mir wurde der Ablauf erklärt und ich bekam dann ein Tablet, auf dem ich mir 2 Videos ansehen sollte: eines über den Untersuchungsablauf und eines, wie ich mir die Spritzen injizieren sollte.

Ich wurde gewogen, es wurden Temperatur, Blutdruck und ein Ruhe-EKG gemessen. Dann bekam ich einen Jutebeutel mit reichlich Medikamenten. Die Ärztin stellte mir einige gesundheitliche Fragen und schließlich wurde ich untersucht: Abhören, Abtasten, in die Augen und den Mund sehen. Zum Schluss wurde ein Ultraschall von meinen Organen gemacht. Außerdem wurde mir Blut abgenommen und ich sollte eine Urin Probe abgeben. Alles in allem hat es ca 2,5 Std gedauert, das meiste davon war Wartezeit.

Vier Tage vor der Spende musstest du besagte „Spritzen“ setzen. Wofür waren die?

Um die Stammzellen im Blut anzureichern müssen 4 Tage vor der Spende morgens und abends Granocyte gespritzt werden.

Zwei Ampullen müssen mit dem Wasser aufgelöst werden und zusammen in eine größere Spritze gezogen werden. Diese wird dann ähnlich wie bei Thrombosespritzen ins Bauchfett injiziert.

Die DKMS organisiert und bezahlt einen Pflegedienst, wenn man sich das Spritzen nicht zutraut, doch es geht ganz einfach.

Wie hast du die Spritzen vertragen?

Nach der 3. Spitze gingen Rückenschmerzen los, die sich aber mit Paracetamol gut aushalten ließen. Am nächsten Tag kamen Müdigkeit, Schlappheit, Kopfschmerzen und ein Stechen in der Hüfte dazu. Die Nebenwirkungen verschwanden aber mit jedem einnehmen der Schmerzmittel. Von denen durfte ich alle 6 Stunden 2 Stück nehmen.

Und dann war der Tag der Spende gekommen. Wie lief die Spende selbst denn ab?

Ich hatte um 12.30 einen Termin in derselben Klinik in Köln. Ich kam direkt in ein Zimmer mit 3 weiteren Spendern. Dann bekam ich 2 Zugänge in die Armbeugen, wie beim Blut spenden. Aus dem einen Arm lief das Blut heraus und in eine Zentrifuge, und in den anderen Arm bekam ich es wieder hinein. Ein Gerinnungshemmer sorgt dafür, dass nichts verstopft. Der Arm, in den das Blut zurückgeführt wurde war recht flexibel, der andere allerdings nicht.

Uns wurde nochmals der Ablauf erklärt und wann immer es nötig war, wurde uns assistiert (Kopfhörer abwickeln, Getränke holen, etc.). Es gab einen Fernseher mit DVDs und Kabellose Kopfhörer.

Nach etwa 2 Stunden gab es bereits Werte für die Stammzellen im Blut. Daraus wurde errechnet, wie lange die Spende dauert. Ich hatte einen sehr guten Wert und so hat es insgesamt 3 Stunden gedauert. Im Allgemeinen sagt man, dass eine Spende 3-5 Stunden dauert.

Ich sollte danach noch 30 Minuten dort bleiben, essen und trinken. Dann war ich fertig.

Noch am selben Abend bekam ich einen Anruf der Klinik, dass die Spende ausreichend war und eine optionale zweite Spende nicht erforderlich ist. Die Spende war damit abgeschlossen.

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Hat die DKMS die dir entstandenen Kosten übernommen?

Ja. Die DKMS übernimmt alle Kosten. Benzin, Zug, Hotel, Mittagessen bis 25 Euro, Abendessen bis 40 Euro, Parktickets etc. Der Zug und das Hotel wurden von der DKMS gebucht und abgerechnet. Für alles andere habe ich eine Reisekostenabrechnung abgegeben. Außerdem bezahlen sie meinem Arbeitgeber die Lohnfortzahlung für meine 3 Tage Ausfall.

Hast du dich von der DKMS die ganze Zeit über gut betreut gefühlt?

Sogar sehr. Alle Mitarbeiter von der DKMS und auch der von der Klinik sind sehr freundlich und hilfsbereit. Mir wurde immer alles sehr gut erklärt und auf meine Fragen eingegangen. Selbst im Telefonat nach der Spende hat die Bearbeiterin, die die ganze Zeit über mein Ansprechpartner war, gefragt, wie es mir nun geht, wie ich die Spende empfand, ob es so war, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Was durftest du bisher über den Empfänger deiner Spende erfahren, der jetzt das selbe Blut hat wie du?

Ich erfuhr im Nachgespräch, das meine Stammzellen an eine erwachsene Frau aus Polen ging. Sie hat die Transplantation am nächsten Tag erhalten. Nach etwa 100 Tagen bekomme ich Bescheid, wie es ihr geht.

Darf der Empfänger der Spende zu dir Kontakt aufnehmen?

Es kommt auf das Herkunftsland an. Nach Polen darf ich anonymen Kontakt herstellen. Ich schreibe also einen Brief in Englisch, der von der DKMS gegen gelesen wird und diesen dann weiter leitet. Allgemein wurde mir empfohlen selbst den ersten Brief zu Scheiben, da es für viele Patienten einfacher ist zu antworten, nachdem das Eis gebrochen ist.

Wie geht es nun für dich weiter? Musst du noch einmal zum Arzt und kannst du normal Blut spenden?

Ich soll in den nächsten 4-6 Wochen zum Hausarzt und ein großes Blutbild machen lassen zur Kontrolle. Alles dafür Nötige habe ich von der Klinik bekommen.

Die nächsten 6 Wochen sollte ich kein Blut spenden, da es möglich ist, dass eine weitere Spende nötig ist.

Was kannst du denen raten, die noch überlegen, ob sie sich registrieren lassen?

Jeder muss das selbst für sich entscheiden. Ich habe 3 Stunden vor und 3 Stunden während der Spende in der Klinik verbracht, der Rest war „Ausflug“, ich konnte abends ins Kino gehen und Sightseeing machen. Nur 6 Stunden meines Lebens habe ich aufgebracht, um einem Menschen zu helfen, ja vielleicht sogar sein Leben zu retten. Ich denke, das ist ein mikroskopisch kleiner Aufwand dafür. Natürlich hat jeder andere Nebenwirkungen und nicht jeder kommt damit klar, sich selbst zu spritzen. Außerdem gibt es noch die Möglichkeit einer Knochenmarkspende, die anders abläuft.

Informiert euch vorher gründlich auf der Seite oder telefonisch bei der DKMS.

Da ist eine Person, dessen Leben du mit vergleichsweise geringem Aufwand verändern kannst.

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Jetzt dürft ihr meinen Mann bei Bedarf noch mit Fragen löchern, er wird sie gerne beantworten.