Mädelswochenende

Hey Leute,

ich bin’s, das kleine Cornflake! Ich möchte euch von meinem tollen Wochenende mit Mama erzählen.
Papa war das ganze Wochenende nicht da, weil er mit meinem Opa und meinem Onkel Motorrad gefahren ist.

Wir waren schon am Freitag Nachmittag allein und da durfte ich zum ersten Mal barfuß auf dem Balkon rumklettern. Mama findet, dass es wichtig ist, euch das zu erzählen, aber ich habe gar keinen Unterschied gemerkt. Viel spannender ist meine Entdeckung, dass man an der Fensterscheibe lauter Quatsch mit Mama machen kann.

Gerade kriege ich meinen dritten Backenzahn und kann deswegen leider nicht so gut schlafen. Deshalb musste Mama in der Nacht von Freitag auf Samstag ganz schön oft zu mir ins Zimmer kommen. Am Morgen war ich trotzdem schon um 6 Uhr wach und noch ganz schon kaputt, wie man vielleicht sieht, auch wenn Mama mir die Augen anmalt:

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Die Sternchenhose habe ich übrigens zum Geburtstag gekriegt. Sie ist selbst genäht von Mamas Freundin, mega bequem und perfekt für warme Tage! Wie findet ihr sie?

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Den Samstag haben wir dann im Zoo verbracht. Giraffen, Elefanten und Nashörner finde ich langweilig, aber von den Vögeln und den exotischen Hühnern war ich richtig begeistert. Immer, wenn ich welche gesehen habe, habe ich die Mama darauf aufmerksam gemacht, indem ich ganz doll drauf gezeigt, gezappelt und gequietscht habe. Besonders kleine, süße Vögel gab es auch im Zoo. Mama hat gesagt, nur für die Begeisterung über Spatzen (die waren wirklich üüüberall!) brauchen wir demnächst ja keinen Eintritt mehr bezahlen… im Streichelzoo hat mich ein Schaf erschrocken, weil das richtig laut gemäät hat und ich durfte jede Ziege einmal anfassen. Mama war wirklich stark an diesem Tag, denn ich wollte die ganzen vier Stunden über nicht ein einziges Mal in meinem Kinderwagen sitzen sondern lieber von ihr getragen werden. Am Ende habe ich ihr dafür noch ein paar von meinen Pommes abgegeben.

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Heute waren mein Kumpel und ich mit unseren Müttern im Park und auf dem dortigen Spielplatz. Es war schon vormittags so richtig schön warm. Wir haben geschaukelt, gebuddelt, sind gerutscht und haben uns die ganze Zeit unterhalten. Dass er es auf meine Schaufel abgesehen hatte, fand ich aber gar nicht lustig. Auf dem Bild seht ihr, wie ich ihm ganz sachlich erkläre, warum man nicht einfach die Schaufeln anderer Leute klauen kann.

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Nach einem ordentlichen Mittagsbrei haben Mama und ich dann auf dem Balkon in einer Schüssel mit Wasser rumgeplantscht. Dabei sind der Balkon und ich ganz schön nass geworden, aber es hat irre viel Spaß gemacht. Kleine, einfache Dinge wie diese können mich stundenlang beschäftigen – beim nächsten Wickeln wird einfach das komplette Outfit getauscht und gut ist. Unsere Katzen haben um mich herum gesessen und ganz gespannt geguckt. Nass spritzen durfte ich sie aber nicht!

Und weil heute Muttertag ist, hatten Papa und ich auch eine Überraschung vorbereitet, mit der Mama überhaupt nicht gerechnet hat. Wir haben ihr Schokolade gekauft (sie mag Schokolade echt gerne) und ich habe zusammen mit Papa eine Karte geschrieben:

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-32- Was gibt’s zu essen?

Die Serie beschäftigt sich heute mit dem Thema Schärfe / Gewürze.

Mögt ihr gerne scharfes Essen? Wie scharf denn?

Und was sind bei euch die Standardgewürze, die in jedes Essen kommen? Würzt ihr Mittagessen, also zum Beispiel eine Nudelsoße, mit Zucker?

Ihr dürft auch gerne noch erzählen, was es diese Woche bei euch gab.

Wir hatten eigentlich so unsere Klassiker (Nudelauflauf und so), einmal war ich indisch essen (schon wieder… es ist einfach so lecker) und einmal haben wir Sushi bestellt. Heute haben wir einen Döner geholt. Mit dieser Woche gewinnen wir echt keinen Preis.

Das kleine Cornflake hat aber immerhin jeden Tag einen schönen, frisch gemachten Gemüsebrei gekriegt. Und im Zoo ihre Sünde: eine (einzelne) Pommes 😀

… und bald zieht sie aus! 

Unserem kleinen Cornflake steht heute Nacht ein weiterer Meilenstein bevor. 

Den ganzen Tag haben wir die Bude entrümpelt und umgeräumt. Schreibtisch, Aktenregal und Kommode mussten aus dem Kinderzimmer verschwinden, damit das Kinderbett seinen ursprünglichen Platz wieder einnehmen kann. Ein neues Regal für Spielzeug folgt am Montag nach dem Ikeabesuch. 

Eigentlich hatte mein schwangeres, ahnungsloses Ich mal gesagt, dass das kleine Cornflake von Anfang an im eigenen Zimmer schläft. Da ich manchmal aber jede Stunde der Nacht gestillt habe, war es für alle Beteiligten einfacher, das Kind mit ins Elternbett zu nehmen. Nach einem halben Jahr zog sie dann in das eigene Bett, das aber bis zum heutigen Tage noch im Schlafzimmer stand. 

Nun hat die kleine Maus die zehnte Nacht in Folge durchgeschlafen (ich kann es noch gar nicht fassen) und so haben wir beschlossen, dass sie das fortan für immer tun wird und in ihr eigenes Zimmer umziehen kann. 

Hach… Mich hat es nicht gestört, dass sie im Schlafzimmer geschlafen hat, aber es ist nicht zu leugnen, dass man wieder etwas mehr Freiheit gewinnt als Elternteil. Jetzt müssen wir nicht mehr ins Bett schleichen, wenn wir schlafen gehen und mein Mann wird weniger geboxt, wenn er schnarcht, weil nun keine Gefahr mehr besteht, die Kleine dadurch zu wecken.

TROTZDEM! Es ist schon schön, ihren niedlichen Schlafgeräuschen zu lauschen. Manchmal seufzt sie im Traum oder sagt irgendwas unverständliches… 🙂 

Mein kleines Bebi, jetzt bist du schon so groß, dass du ins eigene Zimmer ziehst. Ich empfinde Trennungsschmerz… bald bist du nämlich erwachsen und ziehst aus! :O

-31- Was gibt’s zu essen?

Die Serie ist wieder da …

Ich habe heute keine speziellen Fragen. Mir fällt keine ein. Über welches Ernährungsthema wollt ihr denn gerne mal ausgefragt werden?

In den Kommentaren könnt ihr wieder erzählen, was es in dieser Woche bei euch zu essen gab.

Bei uns gab es ein besonderes Highlight: Spaghetti mit einer Soße aus Rote Beete + Sahne + Lachs – das sah am Ende rosa aus, war leicht süßlich und hat richtig toll geschmeckt!

Peinliche Kindheitserinnerung

Mein Mann und ich haben heute die Wohnung entrümpelt. Dabei haben wir auch Kisten durchgeguckt, die man eigentlich nur füllt und nie mehr durchguckt. Dabei fiel mir eine Sammlung alter Fotos in die Hände, auf denen mein 10. Geburtstag dokumentiert war. Ich erinnere mich noch gut, dass das die größte Party war, die ich jemals zu meinem Geburtstag veranstaltet habe. Es sind auf allen Fotos die selben Kinder zu sehen, in der selben Kleidung, in den selben Räumlichkeiten.

Das einzige, was sich öfter mal verändert ist mein Outfit.

Die Kinder-Disco fand bei uns zu Hause statt und ich habe auf den ersten Fotos noch einen rosa Schlabberpulli an. Auf anderen Fotos habe ich dann irgendwann ein T-Shirt mit Affen drauf an – war wohl eine sehr wilde Party, es ging heiß her… keine Ahnung, ich kann mich an beide Outfits nicht erinnern. Aber es wird noch lustiger.

Alle Kinder hatten nämlich ganz normale Alltagskleidung an und auf einigen Bildern bin ich plötzlich in einem roten Kleid zu sehen. An dieses Kleid kann ich mich erinnern, denn ich wollte es damals unbedingt haben, weil es so Outcuts an den Schultern hatte.

Damit war ich gnadenlos overdressed. Ich muss also im Laufe dieser vier, fünf, vielleicht sechs Sunden andauernden Feier zwei Mal in mein Zimmer verschwunden sein und mich komplett umgezogen haben. Warum hatte ich das Bedürfnis, dies zu tun? Und warum haben meine Eltern mich nicht davon abgehalten?

Ich bin auf eure Theorien gespannt. Und bitte postet ein paar ähnlich peinliche Geschichten über etwas, das ihr im Alter von 10 Jahren getan habt, damit mir das nicht ganz so peinlich ist.

Schlafende Akten – wer fliegt?

Immer, wenn ich mal in einem Moment der Ruhe durch meine WhatsApp-Kontaktliste scrolle, fallen mir ein paar Leichen auf. Leute, mit denen ich nie kommuniziere.
Eben fasste ich mir ein Herz und sortierte ein paar davon aus meinem Telefonbuch aus. Dabei stieß ich auf diverse Kontakte, an denen ich zwar hänge, mit denen ich aber keinen Kontakt habe. Oder nur sporadischen, wenn ich mich melde. Ich hänge an diesen Kontakten, weil mich irgendetwas aus der Vergangenheit mit ihnen verbindet, weil da vor 10 oder 15 Jahren mal reger Kontakt war, der nun aber nicht mehr besteht und trotz einiger Versuche auch nicht wiederbelebt werden konnte. Ich muss mich eigentlich mal trennen, diesen emotionalen Ballast abwerfen, doch ich schaffe es nicht. Ich schaffe es nicht einmal dann, wenn diese Kontakte (manchmal gewollt, manchmal ungewollt) ablehnend reagieren, wenn ich ihnen schreibe.

Auf der Arbeit würden wir sie schlafende Akten nennen – Akten, die im Keller verstauben, weil sie noch nicht geschreddert werden dürfen (sollen).

Ich habe mir daher überlegt, dass ihr aussuchen dürft, von welcher schalfenden Akte ich mich trenne. Scheinbar bin ich selbst nicht fähig zu dieser Entscheidung. So erfolgt zumindest ein schrittweises Abkapseln. Im folgenden stelle ich euch drei Kandidaten vor, in der Kurzvariante.

1. Mein Exfreund
Meine erste große Liebe, mit der ich zwischen 15 und 18 Jahren viele erste Male teilte und bei dem mich immer interessiert, was er mit seinem Leben so anstellt. Wir hatten viele gemeinsame Freunde, die alle er behalten hat und nur über ihn erfahre ich da Neuigkeiten (hab halt weder Nummern noch Facebook etc). Er ist inzwischen auch verheiratet, hat auch eine Tochter und wenn wir alle paar Monate mal schreiben, dann ist das auch wirklich sehr nett. Wir tauschen dann Fotos aus und berichten über die neusten Highlights. Der Kontakt geht aber immer von mir aus und auch wenn ich nicht das Gefühl habe, dass seinerseits kein Interesse besteht, so muss ich doch zugeben, dass auch er mal „hallo“ sagen würde, wenn sich der Kontakt denn irgendwie dauerhaft lohnen würde. Irgendwie hat das alles ein bisschen was von Schwanzvergleich.

2. Mein Grundschulfreund
Als wir in der Grundschule waren, waren wir Nachbarn. Unsere Mütter waren befreundet und wir waren in der selben Klasse. So verbrachten wir nicht nur den Schultag, sondern auch jeden einzelnen Nachmittag miteinander, hatten die selben Freunde und feierten sämtliche Feste gemeinsam. Wir wuchsen eng verbunden auf, fast wie Geschwister. Als meine Familie dann umzog als wir 10 waren, ging der Kontakt verloren, bis ich ihn sechs oder sieben Jahre später wieder kontaktierte. Wir hatten dann ein paar tolle Jahre zusammen, trafen uns oft, feierten oder verbrachten die Wochenenden zusammen. Als ich 2008 nach Berlin zog, schlief der Kontakt wieder merklich ein, doch ganz abgerissen ist er nie. Zwischendurch war auch schon mal ein halbes Jahr gar kein Kontakt, doch ich schrieb ihm immer wieder mal, so dass wir immer voneinander wussten, was gerade so Stand der Dinge war. Auch er hat Frau und Tochter. Und hier ist es das selbe Muster: wenn ich mich nicht melde, kommt gar nichts. Ist aber Kontakt da, ist es immer offen und nett und es kommen Rückfragen und ich habe das Gefühl, dass innerhalb des Dialogs auch Interesse an meiner Person da ist. Mit ihm verbinde ich eine wirklich schöne Kindheit, ganz viele tolle Erinnerungen an meine Jugend und ich hätte wirklich gerne mehr von ihm in meinem Leben. Das beruht nur nicht auf Gegenseitigkeit, wenn ich es neutral betrachte.

3. Mein „großer Bruder“
Der ist wirklich ein Fall für sich. Ich lernte ihn als Teenager kennen und war zeitweilig in ihn verliebt, als er jedoch gerade eine Freundin hatte. Er erlebte die Scheidung meiner Eltern hautnah mit, ich dafür seine Krankheit und wir haben uns über Jahre hinweg immer alles erzählt. Irgendwie funkte es auch immer ein bisschen zwischen uns, etwas zustande kam aber nie. Am Ende war er wirklich wie mein großer Bruder. Ich habe die Beziehung zu ihm immer als etwas besonderes empfunden. Wir gingen dann vor 8 Jahren im Streit auseinander. Ich wollte mehr Kontakt, er wollte weniger Kontakt, ich fühlte mich verletzt und er sagte sehr fiese Sachen zu mir („Wenn ich was über dich wissen will dann lese ich einfach deinen scheiß Blog“). Jahrelang bestand kein Kontakt, bis ich mir irgendwann ein Herz fasste und ihn anschrieb. Er schrieb auch gleich zurück, doch es dauerte nur wenige Monate, bis wir wieder darüber stritten, dass mir die Beziehung zu unausgeglichen wäre. Er gab mir immer schon das Gefühl, nicht gut genug zu sein und immer fühlte ich mich irgendwie in der Position, um seine Aufmerksamkeit buhlen zu müssen. Der Streit wurde diesmal geklärt, jedoch arrangierten wir uns mit einem ganz sporadischen Kontakt und ich dachte mir in den letzten ein, zwei Jahren, dass das besser sei als gar nichts. Das letzte Mal zurückgeschrieben hat er mir vor Weihnachten 2016. Ich habe Anfang des Jahres nochmal nachgefragt, was los ist, doch auch da kam nichts zurück. Offenbar hat er nun endgültig die Schnauze voll von mir. Wahrscheinlich war ich ihm schon immer zu penetrant, zu fordernd und es stimmt, was ich immer sagte: die Beziehung ist unausgeglichen. Er bedeutet mir mehr als ich ihm bedeute. Dass er jetzt einfach so, von heute auf morgen, gar nicht mehr reagiert, verletzt mich fast schon mehr als damals der Streit, der zum Kontaktabbruch führte. Er tut mir einfach nicht gut, auch wenn ich wünschte, dass es anders wär.

Jetzt klingt das zusammengepackt so, als würde ich jedem täglich 20 Nachrichten schicken und regelmäßige Statusupdates verlangen 😉

Also los, ihr sucht aus, wer fliegt. Mit Begründung bitte.

Mehrheit siegt.

Schlafi

Vorletzte Nacht hat das kleine Cornflake zum ersten Mal von 19 Uhr bis 5 Uhr geschlafen, ohne zwischendurch wach zu werden. 

Letzte Nacht hat das kleine Cornflake von 18:30 bis 6 Uhr geschlafen, ohne zwischendurch wach zu werden. 

Alle guten Dinge sind…  IMMER!

-30- Was gibt’s zu essen?

In unserer Serie geht es heute ums Improvisieren!

Wenn ihr nichts im Kühlschrank habt und die Läden schon zu sind: was kocht ihr dann? Wie sehen eure klassischen Reste-Gerichte aus? Und wenn selbst die Reste zu keinem vollständigen Gericht mehr taugen – was macht ihr dann? Cornflakes essen?

Natürlich dürft ihr auch wieder berichten, was ihr in dieser Woche tolles gekocht habt.

Bei uns gab es (damit das Baby mitessen kann):

Spinat, Kartoffelpü und Fischstäbchen,
Nudeln mit Gemüse,
– dann die Reste davon,
Salat und Steak (Baby bekam Brei),
Currywurst und Pommes (Baby erst Pommes, dann Gemüsebrei).

Das kleine Cornflake steht total auf Nudeln und Pommes – wer kann es ihr verdenken? Wie die Mama…

Hyperemesis Gravidarum

Schon lange wollte ich mal einen Beitrag über diese Krankheit schreiben und nie hat sich so ein richtiger Rahmen dafür gefunden. Jetzt komme ich endlich einmal dazu, meine Erfahrungen zu schildern und dem Thema einen separaten Eintrag zu widmen.

Hyperemesis hat mich wie ein Keulenschlag in meiner Schwangerschaft überrascht und die ganzen 40 Wochen und darüber hinaus begleitet und ich möchte gerne, da ich nun etwas Abstand dazu gewonnen habe, meine persönliche Erfahrung damit schildern.

Schwangeren ist häufig schlecht. Das ist zehrend, besonders, wenn noch Erbrechen hinzu kommt. Manchmal begleitet einen die „Morgenübelkeit“ tagelang ununterbrochen, doch irgendwann hört das auch auf oder tritt nur noch phasenweise oder durch eigenes Verschulden auf, wenn man zum Beispiel gar nichts oder das falsche gegessen hat oder wenn man irgendwo vorbei läuft und einen ekligen Geruch aufnimmt. Das kennt man. Auf sowas stellt man sich ein mit dem Wissen darum, dass es irgendwann vergeht. Die Hyperemesis Gravidarum jedoch hat mit diesem typischen Phänomen der klassischen Schwangerschaftsübelkeit nichts zutun. Doch der Reihe nach…

Ich wusste schon sehr früh, dass ich schwanger war. Sehnlichst hatten wir darauf gewartet und uns schon nach vier Wochen über den zweten Strich auf dem Schwangerschaftstest gefreut. In der Woche danach wurde mir dann schlecht und ich dachte: wow, das ist die Schwangerschaftsübelkeit – krass. Die armen Frauen… ich arme Frau, was hab ich nur getan? Mir war von einem Moment auf dem anderen so kotzübel, dass ich meinen Arbeitstag abbrechen musste. Den ganzen Tag konnte ich nichts essen, in der Nacht aber hatte ich Ruhe. Den zweiten Tag der fünften Schwangerschaftswoche startete ich wieder gut in den Tag, doch am späten Vormittag war schlagartig wieder alles vorbei. Wieder ging ich nach Hause und rief den Arzt an. Ich hatte ohnehin einen Termin zur Bestätigung der Schwangerschaft vereinbart, der jedoch erst in der Woche darauf stattfinden sollte. Deshalb klagte ich der Sprechstundenhilfe am Telefon mein Leid und sie sagte: „Das ist ganz normal in der Schwangerschaft. Wenn es nicht mehr geht, holen Sie sich Vomex aus der Apotheke – was anderes würde der Doktor auch nicht sagen.“ Gesagt, getan. Ich holte mir Vomex, nahm sie auch wie in der Packungsbeilage beschrieben und die Dinger knallten voll rein. Mir war nicht mehr schlecht, dafür wurde ich aber echt banane im Kopf. Alles drehte sich, ich war unheimlich müde und als mich am Morgen danach die Übelkeit wieder traf, war auch damit nichts mehr zu machen. Ich schaffte es nicht mehr ins Büro, so übel war mir. Erbrechen musste ich mich aber nicht. Die Tabletten setzte ich dann ganz schnell wieder ab, weil es mir einfach zu heikel damit war. Der Termin beim Arzt fand statt – schwanger war ich und erstmal auch total glücklich. Mit dem Arzt sprach ich über die Übelkeit, er verwies wieder auf das Vomex und sagte mir, dass es noch andere Wege gäbe, wenn dieses nicht mehr helfen würde. Und ein paar Tage später ging es dann erst richtig los.

Es war Wochenende. Mein Mann hatte frei und erlebte alles hautnah mit – zum Glück!

Alles begann damit, dass ich zum ersten Mal erbrach. Und das war wie ein Startschuss, denn von diesem Augenblick an kotzte ich mir buchstäblich die Seele aus dem Leib. Den ganzen Tag versuchte ich, zu essen, was auch immer leicht und irgendwie bekömmlich war: Salat, Gurke, Melone. Alles kam binnen Minuten wieder hoch, einfach alles. Ich versuchte es mit kalter und heißer Suppe, ohne Erfolg. Ich übergab mich an diesem Tag so ein oder zwei Mal in der Stunde. Kraftlos fiel ich in den Schlaf, die Nacht verlief ruhig, doch kaum war ich am zweiten Tag auf den Beinen ging es wieder los: nichts wollte drin bleiben: Knäckebrot, trockenes Brot, Obst. Da ich wusste, dass ich nicht dehydrieren durfte, aß ich nichts mehr sondern trank nur noch. Heißer und kalter Tee kamen ebenfalls direkt wieder raus. Noch heute stehen in unserem Schrank diverse Früchte- Kräuter- und Ingwertees, denn ich habe wirklich alles ausprobiert. Sogar mit frischem Ingwer habe ich experimentiert, mir Säften habe ich es versucht, mit heißem Wasser ohne alles hatte ich auch keinen Erfolg. Ich erbrach mich an diesem Tag sogar noch häufiger als am Tag davor und fühlte mich richtig beschissen. Gegen späten Nachmittag versuchte ich auch gar nichts mehr. Ich trank nur noch Wasser, auch wenn alles wieder raus kam, in der Hoffnung, dass einfach ein bisschen Flüssigkeit im Körper bleibt. Auffällig selten musste ich schon an diesem Tage pinkeln und wenn, dann hatte ich zeitgleich immer einen Eimer auf dem Schoß, Dieser Eimer begleitete mich den ganzen Tag. Ich ging, wenn ich mich denn überhaupt vor Kraftlosigkeit noch aufraffen konnte, nur noch mit dem Eimer in der Hand in die Küche oder zurück ins Schlafzimmer. Schlafen konnte ich kaum. Anrufe musste mein Mann entgegen nehmen, weil ich nicht mehr in der Lage war, zu sprechen, so kotzübel war mir. Es war so unheimlich lähmend und ich konnte an gar nichts anderes mehr denken. Mit den Vomex Tabletten versuchte ich es erst gar nicht, weil ich ohnehin absolut gar nichts drin behalten konnte. Hier war es auch bereits soweit, dass ich mich übergab, ohne dass ich etwas gegessen oder getrunken hatte und ich hatte das Gefühl, dass sowohl Laufen als auch Sitzen als auch Liegen das Erbrechen auslöst. Irgendwann war ich dann an einem Punkt, an dem ich nur noch Magensäure erbrochen habe. Und als auch keine Magensäure mehr im Körper war, weil ich mich mehrmals in der Stunde und manchmal minutenlang mehrfach übergeben musste, würgte ich nur noch. Sobald dann Magensäure nachproduziert war, machte sie direkt den Abflug. Die zweite Nacht verlief dann wieder ruhig und ich konnte mich ein wenig im Schlaf erholen.

Am dritten Tag war alles vorbei. Ich hatte Kleine Melonenstückchen eingefroren, die ich lutschte, weil ich nicht mehr schlucken konnte. Dass man nichts mehr trinken kann, weil das Schlucken den sensiblen Brechreiz auslöst, ist ganz typisch für diese Krankheit, doch das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich schlief fiel und wurde ganz oft aus dem Schlaf gerissen, um mich wie in Trance in meinen Eimer zu erbrechen. Ich schaffte nun den Weg ins Badezimmer nicht mehr und hoffte einfach nur noch auf die Nacht, in der ich mich davon erholen konnte. Noch sehr gut kann ich mich daran erinnern, wie mein Körper ein erneues Erbrechen ankündigte: mit Zittern und einem kurzen Hitzeschwall, der meinen Körper durchfuhr. Ich erbrach mich den ganzen Tag hindurch, unterbrochen durch wenige, kurze Schlafphasen, minutiös. Alle fünf bis zehn Minuten füllte ich meinen Eimer und erinnere mich noch gut daran, dass irgendwann der ganze Rachen schmerzte. Das Schlucken fiel mir schwer, das Zuhören fiel mir schwer und die Stunden zogen sich wie Kaugummi bis zur rettenden Nacht… doch diesmal sollte sie mir keine Erleichterung verschaffen. Ich ging ins Bett, schlief auch eine Weile, doch dann wurde ich geweckt von erneutem Erbrechen. Mein Gehirn war schon so sehr zu Muß verarbeitet, dass ich nicht mehr erinnere, wie ich ins Bad gekommen bin und wie ich an die Eiswürfel gelangt bin, doch eine Szene hat sich für immer in mein Bewusstsein gebrannt: ich kam im Bad zu mir, lag mit der Wange auf den kalten Fliesen, was irgendwie gut tat, und sah vor mir den Behälter voller Eiswürfel. Ich steckte mir einen in den Mund und richtete mich auf, den nackten Rücken an die kalten Fliesen unserer Badewanne gedrückt saß ich da, erbrach den Eiswürfel dann in die Toilette und heulte tränenlos. Ich wollte, dass es endet. Ich wollte nicht mehr schwanger sein und dachte: wenn es DAS bedeutet, schwanger zu sein, dann will ich sofort eine Fehlgeburt! Es sollte einfach nur noch aufhören – wenn nicht durch eine Fehlgeburt, dann doch bitte durch mein eigenes Verrecken. Es war mir egal, nur leiden wollte ich nicht mehr. Mir war schwindelig, meine Beine zitterten bei dem Versuch, aufzustehen. Ich schaffte es schließlich, mich zurück ins Schlafzimmer zu schleppen und bat meinen Mann, mich in die Notaufnahme zu fahren.

Auf dem Weg vom Auto über den Parkplatz des Krankenhauses bis zur Tür trug mich mein Mann mehr als dass ich selbst gegangen wäre und ich übergab mich mehrere Male auf diesem kurzen Weg.

Man platzierte mich sofort auf einer Liege. Wir mussten eine Weile warten, bis sich eine Ärztin zu uns gesellte. Sie machte einen Ultraschall, legte mir einen Zugang und rief auf der Station an, um mir ein Bett zu bestellen. Dabei erwähnte sie die Hyperemesis zum ersten Mal. Ich musste eine Urinprobe abgeben. Bevor ich die abliefern konnte, kotzte ich noch vier Mal auf dem Krankenhausklo. Ihre Worte dazu waren dann nur: „Der ist ganz sauer, Sie hätten schon vor zwei Tagen kommen müssen!“ Sie hing mich an einen Tropf: Vomex intravenös. Binnen einer halben Stunde wusste ich nicht mehr, wo ich war. Szenenweise erinnere ich mich an den Krankenhaushof, den wir überquerten, an die Plane, die vor mir vom Bett gezogen wird, an meinen Mann, der zum Abschied winkt. Dann schlief ich und erwachte morgens mit dem ersten Sonnenstrahl im Krankenhaus, total verplant. Eine Schwester musste mir erklären, was ich überhaupt hier mache.

Ich blieb drei Tage im Krankenhaus. In diesen drei Tagen bekam ich kontinuierlich Infusionen: abwechselnd Vomex und Nährlösung. Sobald eine Flasche leer war, wurde direkt eine neue angehängt, die ganzen drei Tage über. Zusätzlich bekam ich Tabletten, die mich noch die ganze Schwangerschaft über begleiten sollten: Agyrax. In der Zeit im Krankenhaus musste ich mich nicht ein einiges Mal übergeben und am zweiten Tag konnte ich schon wieder winzige Mengen essen.

In den Wochen danach halfen die Tabletten mir, nicht zu kotzen. Das musste ich auch nie wieder, dafür waren die echt super. Allerdings halfen sie nicht gegen die Übelkeit. Es ging nur langsam bergauf. Einige Wochen brauchte ich, um herauszufinden, dass mir nur kontinuierliches Essen von leichten Sachen half, mit der Übelkeit fertig zu werden. Viereinhalb Monate lang war mir 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche schlecht, undzwar so schlecht, dass ich mich davon nicht ablenken lassen konnte. Ich erinnere mich an Szenen, in denen ich würgend vor dem Supermarkt stand, unfähig, meinen Einkauf zu erledigen und einmal stand ich schweißgebadet an der Kasse vom Aldi und dachte: entweder ich kotze oder ich setze mich jetzt hier hin. Ich setzte mich hin, mitten an der Kasse. Nette Leute räumten meine Einkäufe erst aufs Band und nach dem Zahlen in meine Tüten. Ich ernährte mich von Gurkenscheiben und irgendwann von Melonen und kalter Nudelsuppe. Warme Sachen konnte ich erst Monate später wieder zu mir nehmen und normal essen konnte ich tatsächlich erst wieder, nachdem ich schon einen richtig dicken Kugelbauch hatte. Mit dem dicken Kugelbauch kam auch eine kurze Phase, in der ich die Agyrax Tabletten reduzieren und schließlich weitestgehend absetzen konnte. Bis zuletzt nahm ich aber immer mal wieder nach Bedarf die ein oder andere Pille, wenn die Übelkeit zu schlimm wurde.

Ich hatte ein immens schlechtes Gewissen gegenüber meinem Baby, das ich in diesem schwachen Moment loswerden wollte und mich begleitete immer die Angst, nicht genügend Nährstoffe aufnehmen, es nicht gut genug versorgen zu können. Von meinem Plan, mich so gesund wie noch nie zu ernähren, war ich meilenweit entfernt. Ich tat genau das Gegenteil von dem, was schwangere für gewöhnlich tun: nämlich nur das allernötigste – überleben. Hinzu kam dieses elementare Bedürfnis, mich meinem Umfeld verständlich zu machen, das die Krankheit ebensowenig kannte wie ich zuvor und mir mit Mitgefühl, jedoch ohne wirkliches Verständnis begegnete. All diese Tipps, wie mit der Übelkeit einer Schwangeren umzugehen sei, waren wie ein Schlag in die Fresse. Erklärungsversuche liefen ins Leere und dabei brauchte ich so dringend Zuspruch statt irgendwelcher Hausmittelempfehlungen! Ohne ein entsprechendes Forum wäre ich wohl Amok gelaufen oder depressiv geworden. Das Tückische an der Krankheit ist eben, dass man damit allein ist. Die Krankheit ist so selten, dass die wenigsten Ärzte sie kennen. Manchmal konnte ich tagelang keinen klagen Gedanken fassen und dann zu wissen, dass man total allein ist, weil keine kompetente Hilfe in Reichweite ist, ist richtig schlimm.

Heute ist mein Kind ein Jahr alt. Sie wog bei ihrer Geburt 2730g, war aber kerngesund. Mir ist kein Fall bekannt, bei dem ein Hyperemesis-Baby irgendwelche gesundheitlichen Schäden davongetragen hat, die eindeutig auf diese Krankheit zurückzuführen sind. Ich ging noch monatelang nicht ohne meine Agyrax Tabletten aus dem Haus, obwohl ich nicht mehr schwanger war. Es brauchte auch eine Weile, bis ich registrierte, dass ich nichts zu Essen mehr einpacken muss, wenn ich das Haus verlasse, für den Fall, dass mir eventuell zu schlecht wird. Das schlechte Gewissen und der Ärger darüber, für mein Kind nicht das beste gegeben zu haben, begleitet mich bis heute. Außerdem habe ich eine nicht unerhebliche Angst vor dem Erbrechen entwickelt, was ich zeigte, als mich vor einigen Monaten der Norovirus traf. Genauso erinnere ich mich aber auch an einen richtig tollen Moment unmittelbar nach der Geburt. Ich lag auf dem Rücken – das war die ganze Schwangerschaft über nicht möglich gewesen, weil mir dabei nur noch schlechter wurde als ohnehin die ganze Zeit – und registrierte, dass ich zum ersten Mal seit Beginn der Krankheit KOMPLETT frei von Übelkeit war. Ich hätte heulen können vor Erleichterung! Inzwischen habe ich meinen Frieden damit gemacht, dass mein Umfeld all das Leid und die damit einhergehenden Gefühle niemals nachvollziehen und verstehen können und dennoch ist dieses Verständnis so unheimlich wichtig!

Meine Freunde und die Familie wissen durch meinen Fall über die Krankheit Bescheid (richtig belesen hat sich aber keiner von ihnen!) und ich habe auch erklärt, dass sie in jeder Folgeschwangerschaft wieder kommt. Trotzdem werden oft Anspielungen auf weiteren Nachwuchs gemacht und dabei gegrinst, als sei das ernsthaft eine Option.

Alles in allem hatte ich Glück, da die Krankheit bei mir noch in milder Form verlief. Es gibt Frauen, die kein Medikament finden, das ihnen hilft. Die ernähren sich dann wochenlang von Infusionen, verbringen ihre Schwangerschaft im Bett, abgeschottet von ihrem sozialen Umfeld und sie werden dabei nicht selten depressiv. Ich weiß von Betroffenen, die sich in die Badewanne gesetzt haben und in einen Eimer zwischen ihren Beinen gekotzt haben, während jemand sie gewaschen hat. Ich weiß von Frauen, die die Schwangerschaft abgebrochen haben, weil sie es nicht mehr aushielten und von Frauen, die Suizidversuche hinter sich hatten und selbst dazu noch zu kraftlos waren. Ich weiß von einer Frau, die an den Folgen der zu spät diagnostizierten Hyperemesis verstorben ist, weil jeder ihr nur mit „Nach drei Monaten ist alles vorbei“ gekommen ist und sie nicht ernst genommen wurde.

Hyperemesis Gravidarum ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Sie betrifft ca 0,3 Prozent der Schwangeren. Sie ist nahezu unerforscht, wenn auch schon seit langer Zeit bekannt und es gibt keine gezielte Medikation, da man die Ursache schlichtweg nicht kennt. Unter http://www.hyperemesis-netz.de/ wird mehr dazu erklärt und Betroffene finden Gleichgesinnte und wirklich hilfreichen Rat auf dieser Seite (mit Forum): http://hyperemesis.de/ 

Bist du betroffen und stößt auf diese Seite, dann lass dir eines gesagt sein: es gibt Hilfe für dich! Zahlreiche Medikamente wurden bereits ausprobiert und können problemlos in der Schwangerschaft genommen und auch kombiniert werden (Einen Überblick oder telefonische Auskunft bekommst du hier: https://www.embryotox.de/einfuehrung.html). Habe kein schlechtes Gewissen und tu‘, was immer nötig ist! Such dir einen kompetenten Gynäkologen, der dich mit Infusionen versorgen kann und spann dein Umfeld im Alltag mit ein. Am Ende wird alles gut, versprochen!

Schadenfreuden

Mein Mann ist im Moment in Elternzeit. Aufgrund meiner Kündigung bin ich ja nun unerwarteterweise auch zu Hause und wir genießen diesen Luxus sehr. Zwei Monate gemeinsam als Familie werden wir vermutlich nie wieder haben.

Zur Zeit machen wir es so, dass ich die Nachtschicht übernehme (aus mir unerfindlichen Gründen sind wir zur Zeit wieder bei zwei bis vier Unterbrechungen und ein bis zwei Flaschenmahlzeiten pro Nacht angekommen), dafür dann aber ausschlafen darf. Die Nacht ist um 5 Uhr vorbei. Manchmal auch um 4:30 Uhr. Heute hat das kleine Cornflake ausgeschlafen, bis 5:10 Uhr. Da ist auch wirklich nichts zu machen. Wir haben alles versucht. Flasche nochmal geben, rumschunkeln, im Dunkeln wickeln… keine Chance. Wir wachen irgendwann auf, weil sie in ihrem Bettchen im Dunkeln irgendwas erzählt. Irgendwann sagt sie dann „Mama“ oder „Papa“ und schmeißt ihren Schnuller aus dem Bett. Wenn man dann das Licht anmacht, steht sie in ihrem Bettchen, winkt und strahlt uns an. Wahlweise sagt sie dann auch „Mjammjam“ – die Nacht ist dann einfach zu Ende.

Mein Mann steht dann also um 5 Uhr auf, tapfer wie er ist – aber Anerkennung ist hier deplatziert, denn immerhin kriegt er die nächtlichen Fütter- und Schnullerreinsteckaktionen nicht mit, sondern pennt schön seine sechs bis sieben Stunden durch. Wenn ich mal vor einen Bus laufe, dann muss das kleine Cornflake sich in der Nacht etwas einfallen lassen, um ihn zu wecken, wenn sie Hunger kriegt. Dann muss sie mit dem Schnuller nach ihm werfen oder so.

Jedenfalls wollte ich auf etwas hinaus. Alle Mütter werden sich vor Lachen kringeln und euch wird ein wohliges Gefühl der Schadenfreude überkommen. Ich schlafe dann nämlich noch weiter und stehe, je nachdem wie laut die beiden sind und wie schlimm die Nacht war, zwischen 9 und 11 Uhr auf.

Und dann sagt mein Mann immer so Sachen, über die ich mich kringeln könnte, weil ich sie in meinem Jahr in Elternzeit tagtäglich durchgemacht habe, phasenweise wirklich bis an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Er sagt:

„Ich kann nicht mal allein pissen gehen!“

„Nicht mal kurz in die Küche kann ich, ohne dass sie hysterisch weint!“

„Na ich bin ja auch schon FÜNF Stunden mit ihr alleine!“ (Boah, FÜNF Stunden 😀 Hab ich erwähnt, dass er Koch ist und nicht gerade selten 10 bis 14 Stunden arbeitet?)

„Ich hab schon Muskelkater vom ganzen Rumtragen.“

„Sie lässt sich einfach nicht einschläfern/füttern/beruhigen/animieren…“

„Die macht mich heute echt wahnsinnig!“

„Ich kam noch gar nicht dazu, was zu essen!“

Stellt euch jetzt bitte vor, wie ich hysterisch um ein Lagerfeuer tanze und dabei abwechselnd „Siehst du!“ und „Ich hab’s dir ja gesagt!“ brülle.

Und ICH, ne? ICH bin – im Gegensatz zu ihm – so lieb, und nehme ihm die Kleine dann ungefragt ab, spaziere alleine mit meinen Muttis los, damit er mal ein bisschen Zeit für sich hat. Das hat er nie gemacht. Letzten Sommer hat er noch so rumgeflötet, wie er dann ja jeden Tag genießen, auskosten und mit ihr draußen verbringen wird….

😀

Ich habe niemals Anerkennung von ihm erfahren, wenn ich sie gebraucht habe, niemals Zuspruch und Verständnis ausgesprochen bekommen für das, was ich manchmal geleistet habe und deshalb bekommt er die selbstverständlich auch nicht. Viel zu oft sage ich in solchen Situationen nur „Ich weiß“ und freue mich über die Genugtuung, die ich empfinde. Neulich sagte eine andere Mutter mir, dass man eben akzeptieren muss, dass der Vater es nie ganz verstehen wird und dass eben in der Akzeptanz dieser Tatsache auch unsere Stärke begründet liegt.